Posts Tagged ‘Tana French’

Tana French: Schattenstill

Posted on 2012 05, 18 by Nina
Quelle: Scherz Verlag

Quelle: Scherz Verlag

Bereits der erste Krimi der Autorin Tana French mit dem Titel „Grabesgrün“ wurde mit dem Edgar Allan Poe Award ausgezeichnet und entwickelte sich zu einem Bestseller, wie auch die darauf folgenden Romane. Im kommenden Monat erscheint ihr vierter Krimi, der den Titel „Schattenstill“ trägt.

Wie so gerne bei Tana French werden wir mal wieder in ein kleines Kaff in Irland versetzt: Broken Harbour ist fast schon eine Geisterstadt in der Nähe von Dublin. Nur ein paar Häuser sind bewohnt. Eines Tages findet man in einem von ihnen eine ganze Familie tot auf. Die Kinder wurden erstickt und die Eltern erstochen. Rätsel geben dabei unter anderem seltsame Löcher in den Wänden auf. Auf den Fall wird einer der besten Ermittler angesetzt: Detective Mike Kennedy. Doch auch er hat schon bald mit den Ereignissen in Broken Harbour zu kämpfen…

„Schattenstill“ von Tana French erscheint am 6. Juni auf Deutsch im Scherz Verlag. Geboren wurde die Autorin in den USA, aufgewachsen ist sie jedoch in Irland, Italien und Malawi. Seit 1990 ist Dublin ihre Heimat, wo sie eine Schauspielausbildung machte und zunächst für Theater, Film und Fernsehen arbeitete bis sie schließlich zum Schreiben kam.

Tag 5 – Ein Buch, das du immer und immer wieder lesen könntest

Posted on 2010 05, 17 by Lilly

Tana French - TotengleichEin Buch, das ich erst einmal gelesen habe, aber immer und immer wieder lesen könnte, ist Tana Frenchs “Totengleich”. Warum? Es ist ein Roman, der alles hat und vieles in den Schatten stellt.
Es geht um Liebe, aber sie ist nicht seicht, es geht um Mord und Polizeiarbeit, aber sie verfällt keinen Klischees, es geht und Freundschaft, aber um ganz und gar ungewöhnliche und das Ganze wird von spitzfindigen psychologischen Details, von tiefer Melancholie und von cleverem Humor getragen.

Richtig spannende Bücher lesen sich schnell weg, aber nur wenige berühren oder bleiben in Erinnerung. Anrührende oder dramatische Romane sind hingegen oft schwer, machen einen (also zumindest mich) weinerlich und leicht depressiv.
Tana French nimmt aber von allem das Beste: Drei Seiten lang gruselt man sich, dann denkt man, man müsste weinen, dann kringelt man sich wegen einer frechen Bemerkung und danach fiebert man dem nächsten Ereignis entgegen, während man die ganze Zeit die Spuren auswertet und jede Person genau auf eine mögliche Schuld untersucht.

Das ist ein Buch, das kein Kritiker seicht finden dürfte und kein Mainstream-Liebhaber als trocken oder zäh bezeichnen kann. Ich liebe es!
Und ich möchte unbedingt noch in Erfahrung bringen, wie die Autorin das hinbekommen hat.

Tana French – Grabesgrün

Posted on 2008 10, 24 by Lilly

Dieser Sommer explodiert auf der Zunge und schmeckt nach Grashalmen, eurem eigenen sauberen Schweiß, nach Doppelkeksen, aus denen die Cremefüllung quillt, und geschüttelten Flaschen roter Limonade, dem klassischen Baumhauspicknick. Er prickelt euch auf der Haut, wie der BMX-Fahrradwind im Gesicht, wie Marienkäferbeinchen auf den Armen.

Was für ein Krimi. Wie hervorragend und wie … verwirrend!

Die Detectives Rob und Cassie sind jung, humorvoll und unverbraucht. Sie geben ein perfektes Team ab, das jeglichem Stress im Morddezernat mit Witz, Sarkasmus und Freundschaft trotzt.
Nur per Zufall erhalten sie den Auftrag in einem brisanten Mordfall zu ermitteln, was ihre Welt komplett auf den Kopf stellt. Ein Mädchen wurde ermordet, vergewaltigt und wie ein eine Opfergabe auf einem historischen Stein präsentiert.
Was zunächst eindeutig erscheint, entpuppt sich mehr und mehr als kompliziertes Puzzle: Die Vergewaltigung war nur ein Vorwand- mit einem stumpfen Gegenstand ausgeführt, um die Ermittler auf eine falsche Fährte zu locken.
Wer hätte Interesse an einer solchen Tat? Vielleicht Investoren und Politiker, die den Bau einer Schnellstraße durchsetzen wollen und damit eine Warnung in Richtung Gegner und Demonstranten senden, zu denen auch der Vater des Mädchens gehört?


Oder verrückte Satanisten, die tatsächlich ein Opfer darbieten wollen? War es am Ende vielleicht auch der eigene Vater, der, so finden die Detectives heraus, keine schmeichelhafte Vergangenheit hatte? Man darf sich überraschen lassen.
Aber auch Rob trägt ein dunkles Geheimnis mit sich herum, eine mächtige Erinnerung, die die zweite Handlung dieses Romans ausmacht.
Zwei seiner Freunde verschwanden als Kinder spurlos im Wald, eben dieser Wald in dessen Nähe viele Jahre später das Mädchen gefunden wurde. Rob tauchte jedoch wieder auf, unter Schock stehend, mit Blut in den Schuhen und ohne jegliche Erinnerungen. Was ist mit seinen Freunden passiert?
Und was hat das ganze mit diesem Fall zu tun?

Wirklich wunderbare Handlungsstränge, die die Autorin herausgearbeitet hat – und auch wundervolle Figuren.
Auf über 600 Seiten verliert sie sich in Details, beschreibt winzige Einzelheiten, die das Geschehen so real machen, als würde man neben sich Menschen atmen hören.
Immer wieder werden Kindheitserinnerungen atmosphärisch aufgegriffen und liebevoll beschrieben: Wie wunderschön ein lange Sommer sein kann, den man augelassen im Wald verbringt. Ein Wald, der den Kindern Spielplatz, Trost und Freund zugleich ist. Immer wieder hallt das Kinderlachen im Kopf wider, um dann mit grausamen Details schnell wieder ausgelöscht zu werden und den Leser auf eine Gefühlsachterbahn zu schicken.
Tana spielt mit psychologischen Details, der Basis unserer Stimmungen und allzu menschlichen Abgründen.
Hervorragend!

Das dachte ich jedoch nur, bis ich heute Abend das Ende des Buches erreicht habe.
Der Schluss ist unbefriedigend – noch schlimmer als das Ende bekannter Fernsehsoaps. Alles, was sich der Leser wünscht, wird außer Acht gelassen.

Und viele Einzelheiten werden einfach nicht aufgeklärt.
Was war ich sauer. So ein wundervolles, viel versprechendes Buch und dann das. Wie kann das sein?
Zwischenzeitlich habe ich mich aber wieder beruhigt, als ich herausgefunden habe, dass dies eine Krimireihe werden soll und ein zweites Buch mit der Ermittlerin Cassie Maddox bereits auf Englisch erschienen ist. Ein kleiner Teil in mir, der nach Aufklärung geschrien hat, freute sich mordsmäßig (was für ein Wort in diesem Zusammenhang) und war schon bereit volle fünf Ratten zu vergeben.
Dann hab ich aber herausgefunden, dass dieses offene Ende gewollt war und auch im Nachfolgeroman nicht aufgeklärt wird. Ob das wirklich ihr Ernst ist?
Ehrlich, sie schreibt so wunderbar und alles war einfach perfekt. Aber ohne richtiges Ende ist eine Geschichte keine Geschichte, zumindest keine gute.
Auf Englisch heißt diese Geschichte „In the woods“, im Wald also. Und berechtigter Weise fragen diese Leser in ihrem Amazon-Reviews: „Was war denn nun bitte schön im Wald?“
Ich bin enttäuscht und vergebe nur drei Ratten.

3 Ratten