Posts Tagged ‘Schreiben lernen’

Fernstudium: Zweiter Monat

Posted on 2008 09, 06 by Lilly

Eigentlich befinde ich mich schon im dritten Monat meines Fernlehrganges „kreatives Schreiben“. Allerdings habe ich zeitweise etwas getrödelt, als es darum ging die fertig gestellten Aufgaben an meine Lektorin zu senden.
Dementsprechend habe ich auch bis heute noch kein Feedback erhalten. Dauert ganz schön lange, oder? Urteilen werde ich aber erst, wenn ich es diesen Monat geschafft habe alles pünktlich einzureichen.

Das Thema des aktuellen Hefts, was jetzt gar kein Heft mehr ist, sondern neuerdings in Hardcover- Buchforum gedruckt wird, ist: „Die grundlegenden Werkzeuge der Sprache“.
In Lektion 4 geht der Herr Claus Vainstain die Zusammensetzung der Texte ein. Er beginnt mit Wörtern und Verben, mit Zeitformen, Passivformen, Bedeutung und Wirkung und kommt am Ende bei der Satzgestaltung an.
Lektion 5 ist ein Sammelsurium aus Schreibübungen. Man hat z.B. bestimmte Kästchen mit Wörtern und soll diese miteinander verbinden und anschließend ein Gedicht daraus formen. Oder man soll das Clustering anwenden- d.h. Assoziationsketten zu einem bestimmten Wort oder Satz finden.
Die gelungensten Arbeiten schickt man dann an den Lektor.

Nicht viel Arbeit, kein schwerer Stoff. Eigentlich ist es eine angenehme kleine Ruhepause.
Und auch wenn das Buch viele Seiten hat, so hält sich der Lesestoff in Grenzen, da nur die Hälfte jeder Seite bedruckt ist.

Da ich noch keine Rückmeldung erhalten habe, kann ich meinen ersten Eindruck noch nicht weiter vervollständigen. Das ganze ist bisher zu simpel, um der hohen Geldsumme gerecht zu werden.

Schreibschule: Die Charaktere

Posted on 2008 04, 28 by Lilly

Ist der Plot erst einmal grob entwickelt, kann man dazu übergehen seinen Charakteren Leben einzuflößen.
Natürlich kann am auch erst eine Figur entwickeln und sich dann überlegen, was diese tun soll; das ist gleichgültig. Beim Schreiben gibt es keine festen Regeln. Eigentlich gibt es überhaupt keine. Ich zeige lediglich einen Weg, den man gehen könnte.

  • Der Protagonist

Es ist unerlässlich, dass ein Roman über interessante Charaktere verfügt. Der Plot kann noch so brilliant sein; wenn die Personen flach, stereotypisch und eintönig erscheinen, dann ist man nicht glaubhaft; dann hat der Leser keine Lust zu erfahren, was als nächstes passiert.


Ihr müsst also unbedingt darauf achten, dass die Hauptfigur viele Facetten hat und nicht abgekupfert ist. Wir brauchen keine zweite Pretty Woman – weil jeder die echte kennt und unsere Figur mit ihr vergleichen wird.
Wir brauchen auch nicht den x-ten Helden, der erst unscheinbar ist und dann eine brisante Entwicklung in Richtung Superman durchmacht. Das ist zwar spannend, aber meiner Meinung nach ausgelutscht. Das müsst ihr selbst entscheiden!
Wichtig ist, dass der Leser euren Protagonisten- also den Hauptcharakter – mag. Es muss nicht sein, dass er von Anfang bis Ende einen Publikumsliebling darstellt … aber zumindest in dem Augenblick, in dem der Leser auf der letzten Seite angekommen ist und das Buch zuklappt, muss er das Gefühl haben, dass er mit der Figur im Großen und Ganzen sympathisiert.
Schreibt ihr über eine fiese Zicke, die überall aneckt und am Ende dafür die gerechte Strafe bekommt, dann habt ihr zwar eine nette Moral mit eingebaut – das Buch wird aber kaum jemand für besonders gut halten, da sich nur wenige mit einer blöden Kuh identifizieren wollen.
Schafft keine Heiligen und keine Unmenschen, sondern seid vielfältig. Zeigt Abgründe einer Person und zeigt das Menschliche und Verletzliche – damit liegt man im Zweifelsfall nie verkehrt.

  • Beispielsweise

Ein gelungenes Beispiel für eine wirklich interessante Hauptfigur ist Kriminalpolizistin Jane Rizzoli in Tess Gerritsens „Die Chirurgin“. Sie ist weiblich und soll dem Leser sympathisch sein – dennoch wird sie als unattraktiv, unfreundlich, hart, störrisch und feministisch beschrieben.

Im Laufe des Romans erhält der Leser immer tiefere Einblicke in ihr Innenleben, man zeigt ihre Vergangenheit zwischen Brüdern in einer konservativen Familie, die sie nie als etwas Besonderes wahrgenommen hat, weil sie weiblich ist.
Es wird dargestellt, wie sie darunter leidet, dass ihre männlichen Kollegen sich ständig über sie lustig machen und sie mit dummen Sprüchen aufziehen. Und man erfährt, dass sie eifersüchtig ist auf Frauen, an denen alles stimmt – die jeden Mann beeindrucken können, während bei ihr nicht einmal Make-up hilft.
Zu guter letzt avonciert sie dann zur Heldin, indem sie den Täter findet. Jedoch keine typische Heldin, da sie kurz zuvor einen Kriminellen erschossen hat, obwohl dieser mit gehobenen Armen auf sie zukam. Der Leser schwankt also.
Mag ich die Person? Mag ich sie nicht? Er fragt sich warum Jane so ist wie sie ist; möchte wissen, was sie zu dieser Person gemacht hat – warum sie nicht perfekt ist.
Am Ende steht sie aber auf der Seite der Guten und der Leser kann gar nicht anders als das Buch zuklappen und denken „Naja, schon irgendwie ne ‚Taffe’ die Rizzoli.“

Ein schlechtes Beispiel für Hauptcharaktere sind die meisten Hollywoodstreifen. Auch hier gibt es Ausnahmen, wenn wir z.B. an den Film ‚Philadelphia’ oder ‚A beautiful mind’ denken. Meiner Meinung nach ist das aber nicht die Regel.
Man muss immer bedenken, dass in Filmen viele special effects verwendet werden, schnelle Szenenwechsel und dramatische Musik. Das steht einem für den Roman nicht zur Verfügung. Sind die Figuren also langweilig und kann man sich nicht mit Ihnen identifizieren, dann lässt sich das auch nicht mit einem flotten Song oder einer Augenkrebs- verursachenden Kampfszene vertuschen.

  • Der Antagonist

Im Gegensatz zum Protagonisten, kann der Antagonist – das ist eine entsprechende Kontrastperson, mit welcher der Hauptcharakter im Laufe des Buches in einen Konflikt geraten soll – aussehen, wie immer ihr ihn haben wollt.
Zwar gewinnt ein Buch an Tiefe, wenn ihr auch dieser Person einen mehrdimensionalen Charakter verleiht; die eigentliche Hauptaufgabe ist es aber nur jemanden zu schaffen, der nicht ist, wie die Hauptperson. Dessen eigenen Interessen dem des Protagonisten entgegenwirken.
Hier würde sich die fiese Zicke wirklich gut machen, die sich dem Ottonormalverbraucher ständig in den Weg stellt. (so was kennt man besonders gut aus Teenie- Komödien und Liebesschnulzen)

  • Und die anderen?

Die meisten Nebenfiguren können- und sollten sogar ganz eindimensional sein. Sie brauchen keinen Facettenreichtum. Das würde den Leser vom Wesentlichen ablenken.
Wen interessiert es schon, ob der Postbote eine schwere Kindheit hatte, wenn er im Buch wirklich nur die Post bringen soll?

Als Faustregel merken wir uns einfach: Je größer die Rolle im Buch, desto ausführlicher muss die Charakterbeschreibung (und natürlich auch die des Äußeren) erfolgen.
Soll ein Arzt einen anderen Zweck erfüllen, als nur medizinische Dienstleistungen zu erbringen- etwa sich mit dem Patienten anfreunden oder Polizisten bei der Ermittlungsarbeit helfen, dann möchte der Leser auch sicher etwas über die Figur erfahren.
Wird der Protagonist aber gerade operiert und im Wartezimmer sitzt seine verzweifelte Freundin, die ihn den nächsten Tag heiraten wollte, dann geht es nicht um den Arzt. Dann ist seine Aufgabe bestenfalls eine Sprechrolle á la: „Frau Schulz, die OP ist soweit gut verlaufen. Genaueres lässt sich noch nicht sagen. Warten wir die Nacht ab.“
An dieser Stelle möchte jeder wissen, wie es mit dem Pärchen weiter geht- wie sich die Frau fühlt; wie sie mit ihrer Verzweiflung umgehen wird. Dass der Arzt am Abend mit einer attraktiven Blondine verabredet ist, geht dem Leser wahrscheinlich am Popo vorbei.

Schreibschule: Vorüberlegungen

Posted on 2008 04, 01 by Lilly

Also legen wir los. Ab jetzt werde ich euch wöchentlich Techniken, Informationen und Tipps rund um das Schreiben liefern. Hauptsächlich beziehe ich mich auf Romane, da ich selbst und ich hoffe ihr auch, Romanautor werden möchte.
Hin und wieder gibt es aber auch kleine Einschübe für das Schreiben von Gedichten, Werbetexte, Artikel o.ä.
Also, schnappt euch ein Notizheft und einen Stift und habt Spaß!

  • Kann jeder einen Roman schreiben?

Ja!
Gut, nicht jeder kann schreiben wie Stephen King oder Leo Tolstoi. Es kann auch nicht jeder dichten wie Sylvia Plath oder aussehen wie Heidi Klum.
Aber heißt das denn automatisch, dass andere Gedichte schlecht sind und alle anderen Frauen hässlich?
Natürlich nicht! Deine Ansprüche sollten ausschließlich darin bestehen das Beste aus dir selbst herauszuholen – ohne demotivierende Vergleiche. Letzteres sorgt nur dafür, dass du anfängst zu kopieren. Und das Schreiben, dass nicht aus dir selbst kommt, kein kreativer und streng durchdachter Akt der Selbstfindung ist und nichts über dich preisgibt, bringt schlechte und langweilige Texte hervor; Texte die nicht spritzig genug wirken, ohne dass man genau sagen kann, woran es liegt.

  • Und wenn ich kein Talent habe?


Du brauchst kein Talent, sondern nur einen starken Willen.
Wer kommt schon auf die Welt, setzt sich vor dem Laptop und schreibt einen Bestseller? Keinem ist die Beherrschung guter Schreibtechniken angeboren und niemandem werden sinnliche und ergreifende Worte aus heiterem Himmel in den Mund gelegt. Natürlich haben einige Menschen eher feine Antennen und eine gute Beobachtungsgabe, aber solange du es nur stark genug willst, kannst du alles lernen.
Voraussetzungen dafür ist ein gewisses Maß an Ernsthaftigkeit:
„Ach, ich schreibe mal so einen Roman“ – das ist die falsche Einstellung. Es geht nicht einfach „mal so“. Du musst dir im Klaren sein, dass es harte Arbeit ist, die du zu erledigen hast und kein Hobby, was zwischen Windeln wechseln und in die Disco gehen betrieben wird. Natürlich soll Schreiben Spaß machen, keine Frage. Aber sofern du nicht bereit bist viel deiner Zeit zu investieren, wirst du irgendwann an einem Punkt kommen, an welchem du mit dem Schreiben nicht weiterkommst, da du nicht genug Raum für Gedanken hast.
Bei den meisten Hobbyschreibern verwerfen sich die Ideen nach einigen Wochen und man widmet sich wieder anderen Dingen, mit der Ausrede: „Ich bin nicht gut genug dafür.“
Ausdauer, viel Energie und ein starker Wille muss unbedingt vorhanden sein.
Du musst bereit sein früher aufzustehen, wenn dein Tag mit Terminen verbaut ist, das gemütliche Leben hinten anzustellen und dir den Hintern auf deinem Stuhl platt zu drücken – Stunde, um Stunde.
Vielleicht funktioniert es auch anders. Die Frage ist nur: Warum schaffen es nicht einmal 10% derer, die seit Jahren predigen ein Buch schreiben zu wollen, dies auch zu tun?

  • Womit fange ich an?


Am besten gehst du erst einmal in den Buchladen und schnappst dir wahllos einige Schinken aus den Regalen.
Wenn du nicht genug Geld dafür hast, dann schaue, ob du günstige Exemplare bei Ebay ersteigern kannst, oder frage Bekannte, ob sie dir etwas leihen. (Bibliotheken sind auch immer eine gute Anlaufstelle)
Denn Grundregel Nummer 1 ist: Willst du ein Gefühl für die Sprache bekommen, musst du lesen, lesen und nochmals lesen.
Es ist nicht wichtig was, nur bunt gemischt sollte es sein, damit du einen Eindruck aus einer möglichst großen Palette erhälst.

Schreibe dir Passagen heraus, die dir besonders gut gefallen, achte darauf, wie die Autoren ihre Kapitel ein- oder ausleiten, wie sie die Dialoge gestalten oder wie viel Aufmerksamkeit sie den einzelnen Charakteren widmen.
Lese nicht nur aus Vergnügen, sondern analysiere die Texte.

Gut wäre es, wenn du dein Heftchen ab jetzt immer mit dir herum trägst, um spontane Einfälle sofort zu notieren. Damit schulst du deine Auffassungsgabe, übst dich im Schreiben selbst und sammelst Material, welches dir später für dein Buch zugute kommen kann.
Es muss nicht gut sein, was du da zu Papier bringst. Ganz gleich wie dämlich es sich anhört, es bekommt ja doch niemand zu Gesicht, wenn du es nicht möchtest, oder? Notiere dir einfach das was du siehst, was du spürst, riechst, was du hörst – oder auch alles zusammen.

Vor einiger Zeit, es muss irgendwann im Sommer vor zwei Jahren gewesen sein, habe ich mich ausgesperrt. Den Ersatzschlüssel hatte mein Cousin, der eigentlich in der gleichen Stadt lebt; wie der Zufall es so wollte, aber genau zu diesem Zeitpunkt zu Besuch bei seinen Eltern war, die rund 100km entfernt leben. Mir blieb also nichts weiter übrig- ich musste dorthin. Die Laune war am Boden als ich den vollen Zug betrat und realisierte, dass ich aufgrund meiner Blödheit einen ganzen Tag verschenken würde.
Bei der Rückfahrt passierte aber etwas Unerwartetes. Der schwarze Himmel war sternenklar, die Grillen zirpten laut, die warme Sommerluft wehte durch ein Fenster hinein und spielte mit meinen Haaren und ich fühlte mich gut. Auf einen Schlag war ich so glücklich und zufrieden, ganz ohne einen bestimmten Grund zu haben.
Ich suchte also verzweifelt nach einem Stück Papier und einem Stift; fand aber nur einen alten Kontoauszug und musste mir den Kugelschreiber leihen.
Folgende Gedanken wollten aus meinem Kopf heraushüpfen:

Manchmal ist das Glück in einer solchen Intensität gegenwärtig, dass man meint die Situation müsste explodieren, damit sie sich entlädt und greifbar wird.
Geschlossene Augen; Vorfreude vermischt mit Fernweh, Freiheitsgefühlen und der zärtlichen Wiege der Stagnation aktueller Gegebenheiten mit Erinnerungen der Vergangenheit.
Das pure Leben. Das pure Glück.

Seither habe ich immer ein kleines Notizheft dabei. (welches, das werde ich euch morgen zeigen) Man weiß nie wo die Einfälle zuschlagen und ob man Stunden später noch genauso empfindet oder in die Lage ist die Gefühle und Gedanken zu rekonstruieren.