Oder: warum es praktisch kaum Unterschiede zwischen Trivial- und Hochliteratur gibt. Eine kritische Betrachtung in Anlehnung an diesen Artikel.
Vor unvorstellbar langer Zeit, als die Welt noch grau und eintönig war, sprich, als es noch kein Internet gab, haben Leute ihre Bücher auf Gut Glück gekauft. Keine Buchblogs, keine Rezensionen von Amazon – man musste sich auf den örtlichen Buchhändler oder auf Empfehlungen von Freunden verlassen.
Was für ein Segen war da der Literaturkritiker, der neue Bücher vorgestellt hat und Romane, die nicht seinen Nerv trafen heillos durch den Kakao zog.
Welche Funktion erfüllen sie heute noch? Sie amüsieren uns und bieten Diskussionsstoff. Aber haben sie auch einen literarischen Wert, praktisch als Botschafter der Hochliteratur? Ich würde sagen nein.
Denn was ist hochwertig und was ist trivial? Lässt sich das so einfach sagen? Trivial ist das, was sich in simpelster Sprache gewisser Schemata ohne tiefere Einblicke bedient, hochwertig das, was neben der Handlung auch noch eine bedeutende Botschaft enthält und in ästhetischer Form dargelegt worden ist.
Wie es heute in bestimmten Medien heißt (ich habe die gestrige Sendung leider nicht gesehen), habe Marcel Reich-Ranicki, ein großer deutscher Literaturkritiker, den Deutschen Fernsehpreis für sein Lebenswerk zurückgewiesen.
Meine erste Reaktion: ein glucksiges und unverschämtes Lachen.
Da hält der Thomas Gottschalk eine Laudatio der Extraklasse. Nicht irgendwer- Thomas Gottschalk.
Und anstatt bescheiden zu lächeln und die ein oder andere kleine Träne unauffällig wegzuwischen, schreitet Herr Reich-Ranicki nach vorn und erklärt, dass er sich nicht mehr mit dem deutschen Fernsehen identifizieren kann. Er nimmt sogar wortwörtlich den Begriff „Blödsinn“ in den Mund.
Oops.
Nun darf diskutiert werden: Ist das nicht frech die Leute so bloß zu stellen? Ist er nur ein alter Wichtigtuer, der mit einer solch schwachen Aktion auf sich aufmerksam machen muss?
Egal wie.
Ich lehne das Fernsehen nicht ab und genieße es mir niveaulose und schwachsinnige Shows anzuschauen. Aber trotzdem finde ich es genial, was der gute Marcel sich dort geleistet hat.
Er ist grundehrlich. Das, was viele denken, spricht er in einem undenkbar schlechten Moment aus, ohne auf Autoritäten Rücksicht zu nehmen.
Und was hat er damit erreicht – neben einer riesigen Publicity zu seiner Person natürlich?
Ja, die Literatur in den Mittelpunkt zu stellen.
Thomas Gottschalk hat ihm das Angebot gemacht sich zu einer öffentlichen Runde zusammenzusetzen und über das deutsche Fernsehen und interessante Themen zu reden.
„Über Literatur zum Beispiel“, war seine Antwort und gleichzeitig ein Angebot an die Fernsehsender- womit er reichlich Applaus erntete.
Das Video gibt es schon bei youtube, d.h. alle können zuschauen, wie das deutsche Fernsehen von einem frechen 88-Jährigen Opi gedemütigt wird.
Herrlich!