Posts Tagged ‘kreatives Schreiben’

Fernstudium: Zweiter Monat

Posted on 2008 09, 06 by Lilly

Eigentlich befinde ich mich schon im dritten Monat meines Fernlehrganges „kreatives Schreiben“. Allerdings habe ich zeitweise etwas getrödelt, als es darum ging die fertig gestellten Aufgaben an meine Lektorin zu senden.
Dementsprechend habe ich auch bis heute noch kein Feedback erhalten. Dauert ganz schön lange, oder? Urteilen werde ich aber erst, wenn ich es diesen Monat geschafft habe alles pünktlich einzureichen.

Das Thema des aktuellen Hefts, was jetzt gar kein Heft mehr ist, sondern neuerdings in Hardcover- Buchforum gedruckt wird, ist: „Die grundlegenden Werkzeuge der Sprache“.
In Lektion 4 geht der Herr Claus Vainstain die Zusammensetzung der Texte ein. Er beginnt mit Wörtern und Verben, mit Zeitformen, Passivformen, Bedeutung und Wirkung und kommt am Ende bei der Satzgestaltung an.
Lektion 5 ist ein Sammelsurium aus Schreibübungen. Man hat z.B. bestimmte Kästchen mit Wörtern und soll diese miteinander verbinden und anschließend ein Gedicht daraus formen. Oder man soll das Clustering anwenden- d.h. Assoziationsketten zu einem bestimmten Wort oder Satz finden.
Die gelungensten Arbeiten schickt man dann an den Lektor.

Nicht viel Arbeit, kein schwerer Stoff. Eigentlich ist es eine angenehme kleine Ruhepause.
Und auch wenn das Buch viele Seiten hat, so hält sich der Lesestoff in Grenzen, da nur die Hälfte jeder Seite bedruckt ist.

Da ich noch keine Rückmeldung erhalten habe, kann ich meinen ersten Eindruck noch nicht weiter vervollständigen. Das ganze ist bisher zu simpel, um der hohen Geldsumme gerecht zu werden.

Schreibschule: Der Feinschliff

Posted on 2008 07, 18 by Lilly

Die Ideen sind vorhanden, Charaktere ausgearbeitet, ein Plot entwickelt, aber man bringt einfach nichts zu Papier. Die meiste Zeit über traut man sich überhaupt gar nicht und verschiebt die Arbeit stets auf den nächsten Tag.Hat man doch etwas schreiben können, wird man spätestens dann, wenn man den Entwurf das erste Mal durchliest total entmutigt und hält sich für einen Loser.


Geht es dir nicht auch so?

Aber Schreiben wird nicht umsonst auch als Handwerk bezeichnet und nicht nur als Kunst.Ohne harte Arbeit, grobes Hobeln und dem anschließenden Feinschliff wird kein Meisterwerk entstehen können, egal mit wie viel Talent wir gesegnet sind.Also habt keine Angst vor dem weißen Blatt- schreibt einfach munter drauf los; mag es auch übel klingen.Schüttelt die Schultern, atmet tief durch und lasst es fließen.

In der heutigen Lektion zeige ich euch, wie ihr euch danach an den stilistischen Feinschliff wagen könnt. Sozusagen selbst Lektor spielen, bevor man einen professionellen Lektor engagiert.

Zuvor noch einige Dinge:

  • Nicht an Papier sparen! Druckt das Manukript nicht so aus, wie es ist, sondern unterteilt es in viele kleine Abschnitte. Das erhöht die Übersichtlichkeit und die Motivation.
  • Legt euch verschiedene, farbige Stifte zurecht!
  • Nehmt euch jeden der folgenden Punkte einzeln und nacheinander vor. Alles auf einmal sehen zu wollen ist kontraproduktiv.

An die Arbeit!

 

  • Gnadenlos streichen

Wann immer du eine Szene beginnst: Schau, ob der Anfang wirklich nötig ist, oder ob der Text nicht an Spannung gewinnt, wenn man gleich zum Punkt kommt.Das gilt für die Beschreibung der Umgebung (damit kann man die Spannung in die Länge ziehen – aber ohne, dass überhaupt etwas passiert ist oder ein Geschehen angedeutet wird, wird der Leser keine Geduld aufbringen), genauso wie eine zu detallierte Beschreibung der Gegebenheiten, welche die Handlung nicht vorantreibt.

 

  • Zu viele Wörter?

Weniger ist mehr! Das gilt auch beim Schreiben. Gewinnt der Text wirklich, wenn man ihn wahllos mit Adjetiven zupackt? Ist es wirklich von Bedeutung, ob die Vase blau oder der Raum groß ist? Geht der Leser nicht automatisch von frischen Blumen aus, wenn sie duften?

 

  • Ich sage, du sagst, er sagt …

Wenn es ersichtlich ist, wer gerade spricht, muss man es nicht zusätzlich erwähnen. Das wirkt oftmals steif. Wenn klar ist, dass sich nur Peter und Maria im Raum befinden, dann braucht man auch nicht nach jeder Aussage ihre Namen dahinter zu setzen. Markiert alles, was nicht unbedingt sein muss mit einer doppelten Linie. In diesem Fall ist das erste “sagte er” ist jedoch akzeptabel, um eindeutig zu zeigen, wer den Dialog beginnt.Bei längeren Gesprächen oder mehreren Personen ist jedoch sinnvoll öfter darauf hinzuweisen, wer gerade an der Reihe ist, um den Leser nicht zu verwirren.

 

  • Sozusagen ist das vielleicht etwas nervig

Zeigt mir einen Text, der ohne diese Füllwörter nicht glatter, eleganter, aussagestarker und besser lesbarer wirkt.Beim ersten Entwurf braucht ihr nicht darauf achten, das hemmt nur die Kreativität. Beim Korrekturlesen achtet dann auf Wörter wie: Eventuell, womöglich, offenbar usw. und rahmt sie ein.

 

  • Ohne Punkt und Komma

Lange Sätze gehen garnicht; sie schränken die Lesbarkeit ungemein ein und nerven den Leser. Intelligent wirkt der, der durch nachvollziehbare Gedanken glänzt und nicht durch verstrickte Satzkonstrukte. Halten wir uns an das Motto: “So kompliziert wie unbedingt nötig, so einfach wie möglich” und markieren Endlossätze mit zwei Pünktchen.

 

  • Zu Tode quatschen

Ein Roman schreiben bedeutet nicht nur “sprechen”, sondern in erster Linie auch “zeigen” und “beschreiben”. Zu lange Dialoge wirken einseitig und uninteressant. Markiert sie mit einem “L” und schaut später, ob man sie nicht ganz einfach kürzen kann, sie aufsplittet, oder sogar beides.Der Beispieltext könnte durchaus interessant wirken, wenn die Ausgangsfrage gestellt wird, ein innerer Monolog mit Beschreibung des Gesichtsausdrucks folgt und die zweite Person anschließend antwortet oder eine Gegenfrage stellt.

 

  • Nicht ständig wiederholen!

Wenn es nicht gerade eine kunstvolle Stilform darstellen soll, die den Text an einer Stelle besonders betont, ist es nicht sinnvoll gleichartige Satzkonstruktionen hintereinander folgen zu lassen. Immerhin wollen wir spannend erzählen, alle Sinne ansprechen und keine Fakten wiedergeben.Markiert solche “Schnitzer” mit einer Wellenlinie.

 

  • Loben muss auch sein!

Aber bei allem korrigieren achtet auch darauf, dass ihr Schmuckstückchen entdeckt.


Nicht alles, was man spontan auf’s Papier bringt, muss überarbeitet werden. Es passiert durchaus, dass Worte aus einem fließen und genauso so passen, wie sie sind. Sie bringen das rüber, was du rüberbringen willst und gefallen dir auch noch nach dem dritten Mal durchlesen.Markiere sie mit einem Häkchen. Wenn du das Manuskript nach einigen Tagen nochmal hervorholst (es ist wichtig die ganze Sache einmal sacken zu lassen, bevor man sich an die Arbeit macht) und dir die Stellen noch immer gefallen, dann kannst du sie ohne Überarbeitung mit in den neuen Entwurf eingliedern.

 

Für weitere Schreibertipps habe ich eine Extrakategorie in meinem Buchshop erstellt. Schaut doch mal vorbei: Klick mich!
Besonders empfehlen kann ich Julia Camerons “Von der Kunst des Schreibens” und die Schreibtips von Raymond Carver.

Schreibschule: Die Erzählerperspektive

Posted on 2008 06, 17 by Lilly

Von vielen so genannten Schreibexperten wird behauptet, dass die Wahl der Erzählerperspektive entscheidenden Einfluss auf die Wirkung des
Romans hat.
Zwar habe ich persönlich noch nie gedacht: „Oh, hier hätte der Autor mal lieber eine andere Sichtweise wählen sollen“, aber es scheint mir durchaus einleuchtend, dass es für die Darstellung der Personen- je nach Konzeption der Charakteristika und der Rolle im Buch- die eine Perspektive günstiger ist, als die andere.

Folgende Formen gibt es:

  • 1) Der allwissende Ich- Erzähler

Der Erzähler stellt die Handlung aus seiner und aus allen anderen Perspektiven dar. Er weiß, was jeder denkt und zu jeder Zeit tut.
In vielen Fällen zeigt sich der Erzähler nicht oder nimmt nur eine Randposition der Geschichte ein.

  • 2) Der klassische Ich- Erzähler

Die Geschichte wird genau so erzählt, wie die Charaktere sie wahrnehmen.
Sie ist sehr geeignet, um das Innenleben und die Gedanken der jeweiligen Person wider zu geben.
Da sie für äußere Beobachtungen nicht objektiv genug ist, kommt es häufig vor, dass der Autor mehrere verschiedene Personen sprechen lässt.

  • 3) Der Erzähler in der dritten Person

Er gibt sich nicht zu erkennen und berichtet aus einer anonymen Perspektive über „er, sie und es.“ Es ist die Form, die heute am meisten verwendet wird.
Ich stelle sie mir auch am einfachsten vor: man kann mit der metaphorischen Kamera hin- und herschwenken, durch Raum und Zeit wandern und braucht auf niemanden Rücksicht zu nehmen.
Da der Erzähler sich nicht zu erkennen gibt, können im Zusammenhang mit seinem Wissen auch keine oder kaum Logikfehler entstehen.

  • Drei in eins

Natürlich lassen sich zwei oder manchmal auch alle drei Formen miteinander verbinden. Gekonnt angewandt machen sie einen Roman interessant und lebendig.
Sofern man sich für den Erzähler der dritten Person entscheidet, bietet es sich sogar an Gedanken und Gefühle mittels innerer Monologe in Ich-Form wider zu geben.
Viele Ratgeber behaupten man solle sich von Anfang an auf eine Perspektive festlegen. Ich persönlich finde es jedoch interessant und auflockernd, wenn man zwischen den Szenen oder Kapiteln mal den Blickwinkel ändert.
Besonders toll wird diese Gestaltungsmöglichkeit in vielen Krimibüchern von Tess Gerritsen verwendet. Eindrucksvoll schwenkt sie zwischen den verschiedenen Personen hin und her, zeichnet mit ihren Gedanken in der Ich- Perspektive oder mit den langen, inneren Monologen von Tätern ein eindrucksvolles, psychologisches und authentisches Profil.

Wichtig ist jedoch, dass man darauf achtet, dass alles stimmig ist.
Im Zweifel gilt weniger ist mehr, um den Leser nicht unnötig zu verwirren.