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Schreibschule: Der Arbeitsplatz

Posted on 2008 09, 07 by Lilly

Zum Thema Vorüberlegungen für das Schreiben eines Romans, hat die Autorin Kirsten Marohn heute einen sehr langen und interessanten Kommentar hinterlassen.
Ich fand ihn zu gut, um ihn irgendwo in der Versenkung verschwinden zu lassen und habe beschlossen ihn hier als eine Art Gastbeitrag zu posten:

»Bevor man mit dem Schreiben beginnt, sind praktische Dinge von Belang, wie die Frage: Wo will ich schreiben?

Nun kann man antworten: Überall. In Zeiten des tragbaren Laptops ist diese Antwort sicherlich berechtigt, aber die Antwort ÜBERALL ist Segen und Fluch zugleich. Möchte man an einem Roman ernsthaft arbeiten, tut man gut daran, sich einen dauerhaften Platz zu suchen, der für das Schreiben – und nur für das Scheiben – reserviert ist. Das kann die Wäschekammer, der Dachboden, die Küche oder der Hobbykeller sein – Hauptsache, Körper und Geist haben an diesem Ort das Gefühl, zur Ruhe zu kommen und in die magische Welt der Buchstaben abzutauchen.

Stephen King rät in seinem Buch “Über das Leben und Schreiben”, alle störenden Aspekte wie Telefon, Handy, Internet, Türklingel etc. abzuschalten. Gerade für Schreibanfänger ist es sehr wichtig, sich nicht ablenken zu lassen. Ablenkung, sprich Zerstreuung, ist in der heutigen Zeit DAS große Problem eines Schriftstellers. Was nützen die besten Ideen, wenn man sich nicht konzentrieren kann? Wandern die Gedanken ständig ab oder werden vom Klingeln eines Handys unterbrochen, wird man es nie schaffen, eine zusammenhängende Geschichte zu erzählen. Und wie will man anderen etwas erzählen, wenn man nicht mal die eigenen Gedanken hören kann?

Man benötigt einen Platz der Rückbesinnung. Heißt das nun, ich muss mir eine Wellnessoase suchen?
Weniger ist oft mehr. Stephen King schrieb seine ersten Romane in einem winzigen Verschlag in seinem Wohnwagen, hinter einer Sperrholztür tobten Frau und Kinder. Die Ausrede “Ich hab aber keinen Platz!” gilt nicht. Will man ein Buch schreiben, muss man sich dieses Plätzchen schaffen.

Wie findet man nun so ein Plätzchen zum Schreiben?

Ein gemütlicher Ort muss nicht unbedingt ein guter Ort sein, genauso andersherum. Auf der Suche nach dem idealen Platz zum Schreiben gelten andere Regeln. In der Küche habe ich viel Licht, kann in den Garten schauen, wunderschön, nur leider gänzlich ungeeignet, um die eigenen Gedanken auf einen Roman zu konzentrieren, wenn alle naslang eine Amsel vorbeifliegt, ein Eichhörnchen zum Fenster hereinschaut – oh, wie süß, wird man sagen, und im Nu ist man wieder aus der Handlung seines Romans katapultiert.

Den speziellen Platz zum Schreiben muss jeder für sich selbst finden. Bei mir ist es das alte Sofa


im Schlafzimmer unter dem Hochbett. Ich mache die Tür hinter mir zu, lasse ein Rollo an der einen Bettseite herunter und befinde mich dadurch quasi in einer Höhle, die nur zu einer Seite offen ist. Nun muss sich nicht jeder so eine Höhle schaffen, aber man sollte in sich hineinhorchen. Wie reagieren Körper und Geist auf meine Umgebung? Kommen die Gedanken hier zur Ruhe, kann ich mich hier auf mein Manuskript konzentrieren? Ständig wechselnde Plätze zum Schreiben sind meiner Erfahrung nicht förderlich, um in die Handlung eines Romans abzutauchen. Man kann seine Konzentration trainieren, indem man sich einen dauerhaften Platz sucht, an dem Körper und Geist zur Ruhe kommen und wissen, hier können die Gedanken des Alltags abschalten und in die Welt der Buchstaben eintauchen. Wählt man das richtige Plätzchen, stellt sich mit der Zeit eine Routine ein: Im Kopf fällt ein Kippschalter um. Indem ich in meinem Schlafzimmer die Tür schließe und das Rollo runterlasse, signalisiere ich mir selbst und meiner Umwelt: “Hier bin ich, um zu schreiben – und wegen nichts anderem.”«

Wie geht es mit der Schreibschule weiter?

Posted on 2008 09, 05 by Lilly

Im Bereich kreative Schreibschule habe ich regelmäßig Grundlagenartikel gepostet, die sich kurz mit den wichtigsten Aspekten der Romanentstehung beschäftigen und einen groben Überblick geben.

Folgende Serie ist dabei entstanden:

Die nächsten Wochen und Monate wird sich die Richtung nun etwas ändern und ich werde detailliertere Artikel verfassen. Folgende Themen werde ich dabei u.a. aufgreifen (nicht chronologisch geordnet):

  • Schreiben wie John Irving
  • Wozu Groschenromane gut sind
  • gute Fachartikel verfassen (eine Leserin machte mich darauf aufmerksam)
  • Die Kurzgeschichte

  • Wie ein guter Krimi entsteht
  • Lyrisches entwickeln
  • Schreibübungen
  • Grammatikalisches
  • Methoden zur Ideenentwicklung

Schreibschule: Die Charaktere

Posted on 2008 04, 28 by Lilly

Ist der Plot erst einmal grob entwickelt, kann man dazu übergehen seinen Charakteren Leben einzuflößen.
Natürlich kann am auch erst eine Figur entwickeln und sich dann überlegen, was diese tun soll; das ist gleichgültig. Beim Schreiben gibt es keine festen Regeln. Eigentlich gibt es überhaupt keine. Ich zeige lediglich einen Weg, den man gehen könnte.

  • Der Protagonist

Es ist unerlässlich, dass ein Roman über interessante Charaktere verfügt. Der Plot kann noch so brilliant sein; wenn die Personen flach, stereotypisch und eintönig erscheinen, dann ist man nicht glaubhaft; dann hat der Leser keine Lust zu erfahren, was als nächstes passiert.


Ihr müsst also unbedingt darauf achten, dass die Hauptfigur viele Facetten hat und nicht abgekupfert ist. Wir brauchen keine zweite Pretty Woman – weil jeder die echte kennt und unsere Figur mit ihr vergleichen wird.
Wir brauchen auch nicht den x-ten Helden, der erst unscheinbar ist und dann eine brisante Entwicklung in Richtung Superman durchmacht. Das ist zwar spannend, aber meiner Meinung nach ausgelutscht. Das müsst ihr selbst entscheiden!
Wichtig ist, dass der Leser euren Protagonisten- also den Hauptcharakter – mag. Es muss nicht sein, dass er von Anfang bis Ende einen Publikumsliebling darstellt … aber zumindest in dem Augenblick, in dem der Leser auf der letzten Seite angekommen ist und das Buch zuklappt, muss er das Gefühl haben, dass er mit der Figur im Großen und Ganzen sympathisiert.
Schreibt ihr über eine fiese Zicke, die überall aneckt und am Ende dafür die gerechte Strafe bekommt, dann habt ihr zwar eine nette Moral mit eingebaut – das Buch wird aber kaum jemand für besonders gut halten, da sich nur wenige mit einer blöden Kuh identifizieren wollen.
Schafft keine Heiligen und keine Unmenschen, sondern seid vielfältig. Zeigt Abgründe einer Person und zeigt das Menschliche und Verletzliche – damit liegt man im Zweifelsfall nie verkehrt.

  • Beispielsweise

Ein gelungenes Beispiel für eine wirklich interessante Hauptfigur ist Kriminalpolizistin Jane Rizzoli in Tess Gerritsens „Die Chirurgin“. Sie ist weiblich und soll dem Leser sympathisch sein – dennoch wird sie als unattraktiv, unfreundlich, hart, störrisch und feministisch beschrieben.

Im Laufe des Romans erhält der Leser immer tiefere Einblicke in ihr Innenleben, man zeigt ihre Vergangenheit zwischen Brüdern in einer konservativen Familie, die sie nie als etwas Besonderes wahrgenommen hat, weil sie weiblich ist.
Es wird dargestellt, wie sie darunter leidet, dass ihre männlichen Kollegen sich ständig über sie lustig machen und sie mit dummen Sprüchen aufziehen. Und man erfährt, dass sie eifersüchtig ist auf Frauen, an denen alles stimmt – die jeden Mann beeindrucken können, während bei ihr nicht einmal Make-up hilft.
Zu guter letzt avonciert sie dann zur Heldin, indem sie den Täter findet. Jedoch keine typische Heldin, da sie kurz zuvor einen Kriminellen erschossen hat, obwohl dieser mit gehobenen Armen auf sie zukam. Der Leser schwankt also.
Mag ich die Person? Mag ich sie nicht? Er fragt sich warum Jane so ist wie sie ist; möchte wissen, was sie zu dieser Person gemacht hat – warum sie nicht perfekt ist.
Am Ende steht sie aber auf der Seite der Guten und der Leser kann gar nicht anders als das Buch zuklappen und denken „Naja, schon irgendwie ne ‚Taffe’ die Rizzoli.“

Ein schlechtes Beispiel für Hauptcharaktere sind die meisten Hollywoodstreifen. Auch hier gibt es Ausnahmen, wenn wir z.B. an den Film ‚Philadelphia’ oder ‚A beautiful mind’ denken. Meiner Meinung nach ist das aber nicht die Regel.
Man muss immer bedenken, dass in Filmen viele special effects verwendet werden, schnelle Szenenwechsel und dramatische Musik. Das steht einem für den Roman nicht zur Verfügung. Sind die Figuren also langweilig und kann man sich nicht mit Ihnen identifizieren, dann lässt sich das auch nicht mit einem flotten Song oder einer Augenkrebs- verursachenden Kampfszene vertuschen.

  • Der Antagonist

Im Gegensatz zum Protagonisten, kann der Antagonist – das ist eine entsprechende Kontrastperson, mit welcher der Hauptcharakter im Laufe des Buches in einen Konflikt geraten soll – aussehen, wie immer ihr ihn haben wollt.
Zwar gewinnt ein Buch an Tiefe, wenn ihr auch dieser Person einen mehrdimensionalen Charakter verleiht; die eigentliche Hauptaufgabe ist es aber nur jemanden zu schaffen, der nicht ist, wie die Hauptperson. Dessen eigenen Interessen dem des Protagonisten entgegenwirken.
Hier würde sich die fiese Zicke wirklich gut machen, die sich dem Ottonormalverbraucher ständig in den Weg stellt. (so was kennt man besonders gut aus Teenie- Komödien und Liebesschnulzen)

  • Und die anderen?

Die meisten Nebenfiguren können- und sollten sogar ganz eindimensional sein. Sie brauchen keinen Facettenreichtum. Das würde den Leser vom Wesentlichen ablenken.
Wen interessiert es schon, ob der Postbote eine schwere Kindheit hatte, wenn er im Buch wirklich nur die Post bringen soll?

Als Faustregel merken wir uns einfach: Je größer die Rolle im Buch, desto ausführlicher muss die Charakterbeschreibung (und natürlich auch die des Äußeren) erfolgen.
Soll ein Arzt einen anderen Zweck erfüllen, als nur medizinische Dienstleistungen zu erbringen- etwa sich mit dem Patienten anfreunden oder Polizisten bei der Ermittlungsarbeit helfen, dann möchte der Leser auch sicher etwas über die Figur erfahren.
Wird der Protagonist aber gerade operiert und im Wartezimmer sitzt seine verzweifelte Freundin, die ihn den nächsten Tag heiraten wollte, dann geht es nicht um den Arzt. Dann ist seine Aufgabe bestenfalls eine Sprechrolle á la: „Frau Schulz, die OP ist soweit gut verlaufen. Genaueres lässt sich noch nicht sagen. Warten wir die Nacht ab.“
An dieser Stelle möchte jeder wissen, wie es mit dem Pärchen weiter geht- wie sich die Frau fühlt; wie sie mit ihrer Verzweiflung umgehen wird. Dass der Arzt am Abend mit einer attraktiven Blondine verabredet ist, geht dem Leser wahrscheinlich am Popo vorbei.

Scheibschule: Genre und Plot

Posted on 2008 04, 14 by Lilly

Womit wir uns heute beschäftigen werden ist die Frage:
Wie finde ich den Anfang, um meinen Roman schreiben zu können?
Die Antwort ist natürlich nicht einfach, da es keine festen Regeln gibt und weil jeder eine unterschiedliche Ausgangssituation hat.
Während Person A gerade einen interessanten Einfall hat, hat Person B den kompletten Verlauf schon schemenhaft skizziert; Person C jedoch nicht die leiseste Ahnung, worum es auch nur ansatzweise in seinem Buch gehen soll.
Gehen wir davon aus, dass wir alle Person C sind.
Die erste frage, die wir uns stellen müssen, ist folgende:

  • Welchem Genre soll mein Buch entsprechen?

Die Faustregel hierfür ist: das, was du am liebsten ließt, stellt höchstwahrscheinlich auch die Thematik dar, über welche du am besten schreiben könntest.
Du musst dir vorher bewusst sein, in welche Richtung du gehen möchtest. Natürlich kannst du auch bestimmte Gattungen miteinander vermischen; zu experimentelle Romane haben jedoch geringere Chancen verlegt zu werden. Das altbekannte Motto: „Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht“ gilt auch hier.
Denk dabei nur einmal an dich selbst. Wärst du nicht auch enttäuscht, wenn du dir einen schmächtigen Liebesroman kaufst, einfach zum abschalten und entspannen, und in diesem dann mit psychischen Problemen und gesellschaftskritischen Aspekten bombardiert wirst? Oder wenn du dir einen Horror-Roman besorgst, in welchem ein Familiendrama im Vordergrund steht- würdest du dich dann nicht auch verarscht fühlen?

Folgende Genres sind die bekanntesten:

  • Abenteuerroman (selbsterklärend)
  • Bildungsroman (der Held lernt und bildet sich)
  • Heimatroman (vielfältige Naturbeschreibungen, die Liebe zur Heimat)
  • Kriminalroman (Aufklärung eines Verbrechens)
  • Liebesroman (der Konflikt zwischen ihm und ihr)
  • Gesellschaftsroman (Wechselwirkung Mensch – Umgebung)
  • Entwicklungsroman (Konzentration auf Psyche des Protagonisten)
  • Science-Fiction-Roman (Handlungen in der Zukunft)
  • Fantasy- Roman (märchenhaftes)
  • Historischer Roman (vergangene Zeit steht neben der eigentlichen Handlung im Vordergrund und wird ausführlich beschrieben)

Wenn ihr damit noch keine spannende Abgrenzung für eure Geschichte finden könnt, dann googelt ein wenig weiter. Es gibt noch viele andere Bereiche- Wildwestromane, Staatsromane, Erotikromane usw.

  • Einen Plot erstellen

Ein Plot ist nichts weiter als die Handlung.
Ich empfehle hier dem guten alten Aristoteles treu zu bleiben, der behauptet, dass eine gute Erzählung einen Anfang, eine Mitte und einen Schluss haben muss.
Ja, das hört sich durchaus simpel an und wird für viele als selbstverständlich angesehen. Das ist es aber nicht. Natürlich fängt jedes Buch irgendwo an und hört auch wieder auf – aber in vielen Fällen sind die drei Teile nicht voneinander zu unterscheiden.
Manch einer springt sofort in das Geschehen, sodass der Leser gleich von Anfang an gefordert ist- wobei die Gefahr besteht, dass er das Buch lustlos zur Seite legt … während andere den Schluss ungünstig auswählen, sodass die Geschichte an einer Stelle abrupt abbricht, an welcher man nicht das Gefühl hat, dass sie fertig erzählt ist.
Kennt ihr nicht auch die Kino-Erlebnisse, bei welchen ihr die gesamte Zeit über das Gefühl hattet einen grandiosen Film zu sehen … dann kam das Ende und ihr habt nur noch gedacht: „Uh. Toll! Scheiß Film!“?
Wenn das Ende also nicht gut gewählt und eingeleitet wird, dann hinterlässt das ganze Buch einen schlechten Eindruck; egal wie gut die anderen Teile sein mögen.

Zudem meint Aristoteles, dass eine spannende Handlung einen Umschwung, die so genannte Peripetie braucht. Euren Höhepunkt könnt ihr also so gestalten, dass das eintrifft, was der Leser nicht erwartet.
Angenommen ihr schreibt ein Buch über einen glücklosen, jungen Bettler. Dieser wird am Ende natürlich sein Glück finden.
Die Liebenden, die sich die ganze Zeit gesucht haben, werden sich am Ende in den Armen halten. Die erfolgreichen Schurken bekommen das was sie verdient haben und werden geschnappt. Ein Antiheld wird zum Helden, der Unscheinbare erstrahlt im neuesten Glanz.
Wie ätzend wäre es auch, wenn Julia Roberts in Pretty Woman am Ende wieder auf dem Straßenstrich stehen würde? Oder wenn Baby in Dirty Dancing die kleine, liebe Tochter geblieben wäre … die zwar intelligent ist, aber kein bisschen Pfeffer im Arsch hat.
All die Actionfilme- wären sie wirklich interessant, wenn eine auswegslose Situation dann am Ende auch wirklich aussichtslos bleibt?
Nein!

  • Woher nehme ich die Ideen für meinen Plot?

Da gibt es verschiedene Ansätze. Vielleicht lässt du deine Figur das erleben, was du dir für dich selbst wünschst oder gewünscht hast?
Oder du hast einmal einen krassen Traum gehabt, den du bis heute nicht vergessen hast. Vielleicht inspiriert dich eine bestimmte Person auch dazu, dass du sie als Grundlage nimmst und eine Umgebung für sie entwirfst.
Es können Fetzen aus verschiedenen Büchern und Filmen sein, alte Erzählungen, bestimmtes Hörensagen – ganz egal.

Man könnte also so vorgehen:
Ich möchte einen Liebesroman schreiben. Meine Cousine hat ihren Freund im Alter von 12 Jahren kennen gelernt, hat sich auf den ersten Blick verliebt und seither um ihn gekämpft. Sie sind heute noch zusammen, verlobt und haben einen kleinen Sohn.
Das ist meine Grundlage. Davon ausgehend entwerfe ich eine grobe Zusammenfassung für meine Handlung:
Weiblicher Protagonist glaubt an Liebe ihres Lebens. Männliche Person erkennt das nicht, hat viele Freundinnen, tut ihr weh. Immer dann, wenn es für die beiden gut aussieht, wendet er sich wieder von ihr ab. Viele Tränen. Im dramatischsten Moment wendet sich das Blatt: Happy End.

Den Plot für meinen Roman habe ich mit Hilfe von Lindie entworfen. Die Zusammenfassung sieht folgender Maßen aus:
Entwicklungsroman. Junges Mädchen mit Interesse für Musik und Poesie und für die kleinen Dinge des Lebens fühlt sich von der Welt verlassen. Sie lernt einen Mann kennen, der sie schrittweise zurück ins Leben führt. Alles sieht gut aus- aber: kein Happy End.

Richtig, diese kurzen Erläuterungen verraten noch nicht viel. Aber weiter muss eure Idee noch gar nicht gehen.
Habt ihr einen solchen groben Plot entwickelt, dann verfügt ihr über eine ideale Arbeitsgrundlage für die nächsten Schritte: für die Frage, wie ihr Spannung in euer Werk einbauen könnt, wie ihr an Details feilt, wie ihr alles dafür vorbereitet um mit dem ersten Kapitel beginnen zu können.

Schreibschule: Vorüberlegungen

Posted on 2008 04, 01 by Lilly

Also legen wir los. Ab jetzt werde ich euch wöchentlich Techniken, Informationen und Tipps rund um das Schreiben liefern. Hauptsächlich beziehe ich mich auf Romane, da ich selbst und ich hoffe ihr auch, Romanautor werden möchte.
Hin und wieder gibt es aber auch kleine Einschübe für das Schreiben von Gedichten, Werbetexte, Artikel o.ä.
Also, schnappt euch ein Notizheft und einen Stift und habt Spaß!

  • Kann jeder einen Roman schreiben?

Ja!
Gut, nicht jeder kann schreiben wie Stephen King oder Leo Tolstoi. Es kann auch nicht jeder dichten wie Sylvia Plath oder aussehen wie Heidi Klum.
Aber heißt das denn automatisch, dass andere Gedichte schlecht sind und alle anderen Frauen hässlich?
Natürlich nicht! Deine Ansprüche sollten ausschließlich darin bestehen das Beste aus dir selbst herauszuholen – ohne demotivierende Vergleiche. Letzteres sorgt nur dafür, dass du anfängst zu kopieren. Und das Schreiben, dass nicht aus dir selbst kommt, kein kreativer und streng durchdachter Akt der Selbstfindung ist und nichts über dich preisgibt, bringt schlechte und langweilige Texte hervor; Texte die nicht spritzig genug wirken, ohne dass man genau sagen kann, woran es liegt.

  • Und wenn ich kein Talent habe?


Du brauchst kein Talent, sondern nur einen starken Willen.
Wer kommt schon auf die Welt, setzt sich vor dem Laptop und schreibt einen Bestseller? Keinem ist die Beherrschung guter Schreibtechniken angeboren und niemandem werden sinnliche und ergreifende Worte aus heiterem Himmel in den Mund gelegt. Natürlich haben einige Menschen eher feine Antennen und eine gute Beobachtungsgabe, aber solange du es nur stark genug willst, kannst du alles lernen.
Voraussetzungen dafür ist ein gewisses Maß an Ernsthaftigkeit:
„Ach, ich schreibe mal so einen Roman“ – das ist die falsche Einstellung. Es geht nicht einfach „mal so“. Du musst dir im Klaren sein, dass es harte Arbeit ist, die du zu erledigen hast und kein Hobby, was zwischen Windeln wechseln und in die Disco gehen betrieben wird. Natürlich soll Schreiben Spaß machen, keine Frage. Aber sofern du nicht bereit bist viel deiner Zeit zu investieren, wirst du irgendwann an einem Punkt kommen, an welchem du mit dem Schreiben nicht weiterkommst, da du nicht genug Raum für Gedanken hast.
Bei den meisten Hobbyschreibern verwerfen sich die Ideen nach einigen Wochen und man widmet sich wieder anderen Dingen, mit der Ausrede: „Ich bin nicht gut genug dafür.“
Ausdauer, viel Energie und ein starker Wille muss unbedingt vorhanden sein.
Du musst bereit sein früher aufzustehen, wenn dein Tag mit Terminen verbaut ist, das gemütliche Leben hinten anzustellen und dir den Hintern auf deinem Stuhl platt zu drücken – Stunde, um Stunde.
Vielleicht funktioniert es auch anders. Die Frage ist nur: Warum schaffen es nicht einmal 10% derer, die seit Jahren predigen ein Buch schreiben zu wollen, dies auch zu tun?

  • Womit fange ich an?


Am besten gehst du erst einmal in den Buchladen und schnappst dir wahllos einige Schinken aus den Regalen.
Wenn du nicht genug Geld dafür hast, dann schaue, ob du günstige Exemplare bei Ebay ersteigern kannst, oder frage Bekannte, ob sie dir etwas leihen. (Bibliotheken sind auch immer eine gute Anlaufstelle)
Denn Grundregel Nummer 1 ist: Willst du ein Gefühl für die Sprache bekommen, musst du lesen, lesen und nochmals lesen.
Es ist nicht wichtig was, nur bunt gemischt sollte es sein, damit du einen Eindruck aus einer möglichst großen Palette erhälst.

Schreibe dir Passagen heraus, die dir besonders gut gefallen, achte darauf, wie die Autoren ihre Kapitel ein- oder ausleiten, wie sie die Dialoge gestalten oder wie viel Aufmerksamkeit sie den einzelnen Charakteren widmen.
Lese nicht nur aus Vergnügen, sondern analysiere die Texte.

Gut wäre es, wenn du dein Heftchen ab jetzt immer mit dir herum trägst, um spontane Einfälle sofort zu notieren. Damit schulst du deine Auffassungsgabe, übst dich im Schreiben selbst und sammelst Material, welches dir später für dein Buch zugute kommen kann.
Es muss nicht gut sein, was du da zu Papier bringst. Ganz gleich wie dämlich es sich anhört, es bekommt ja doch niemand zu Gesicht, wenn du es nicht möchtest, oder? Notiere dir einfach das was du siehst, was du spürst, riechst, was du hörst – oder auch alles zusammen.

Vor einiger Zeit, es muss irgendwann im Sommer vor zwei Jahren gewesen sein, habe ich mich ausgesperrt. Den Ersatzschlüssel hatte mein Cousin, der eigentlich in der gleichen Stadt lebt; wie der Zufall es so wollte, aber genau zu diesem Zeitpunkt zu Besuch bei seinen Eltern war, die rund 100km entfernt leben. Mir blieb also nichts weiter übrig- ich musste dorthin. Die Laune war am Boden als ich den vollen Zug betrat und realisierte, dass ich aufgrund meiner Blödheit einen ganzen Tag verschenken würde.
Bei der Rückfahrt passierte aber etwas Unerwartetes. Der schwarze Himmel war sternenklar, die Grillen zirpten laut, die warme Sommerluft wehte durch ein Fenster hinein und spielte mit meinen Haaren und ich fühlte mich gut. Auf einen Schlag war ich so glücklich und zufrieden, ganz ohne einen bestimmten Grund zu haben.
Ich suchte also verzweifelt nach einem Stück Papier und einem Stift; fand aber nur einen alten Kontoauszug und musste mir den Kugelschreiber leihen.
Folgende Gedanken wollten aus meinem Kopf heraushüpfen:

Manchmal ist das Glück in einer solchen Intensität gegenwärtig, dass man meint die Situation müsste explodieren, damit sie sich entlädt und greifbar wird.
Geschlossene Augen; Vorfreude vermischt mit Fernweh, Freiheitsgefühlen und der zärtlichen Wiege der Stagnation aktueller Gegebenheiten mit Erinnerungen der Vergangenheit.
Das pure Leben. Das pure Glück.

Seither habe ich immer ein kleines Notizheft dabei. (welches, das werde ich euch morgen zeigen) Man weiß nie wo die Einfälle zuschlagen und ob man Stunden später noch genauso empfindet oder in die Lage ist die Gefühle und Gedanken zu rekonstruieren.