Posts Tagged ‘John Irving’

Tag 3 – Dein Lieblingsbuch

Posted on 2010 05, 16 by Lilly

hotelnewhampshireMein Lieblingsbuch ist noch immer, und wahrscheinlich auf ewig, John Irvings “Das Hotel New Hampshire”.

Was mir an dem Buch gefällt und vor allem, worum es geht, habe ich im letzten Jahr ganz ausführlich abgehandelt. Das kann man alles hier nachlesen, falls Interesse besteht. Falls nicht, gibt es hier die Kurzversion:

Irving schreibt Märchen für Erwachsene. Märchen, die unwirklich und weit weg wirken, die aber nichts mit Drachen und rosa Zuckerwolken gemeinsam haben. Er deutet an, beschreibt das, was man sonst nicht in dieser Art wahrnimmt, er geht unkonventionelle Wege und thematisiert das Phantom in jedem von uns.
Er lässt uns sehen und verstehen, ohne dass er mit dem Finger drauf zeigt.

Zu erklären, warum ich dieses Buch zu liebe, ist genauso schwer zu erklären warum man einen bestimmten Mann und keinen anderen liebt.
Man kann alles aufzählen, was einem gefällt und die nächste Person nimmt genau die Aspekte und sagt, warum sie ihn nicht begeistern konnten.
Es ist das Gefühl, was wichtig ist. Sich in einem Buch zuhause zu fühlen, zu spüren, dass das Herz schneller klopft, weil man etwas zu wunderschön findet und Gänsehaut zu bekommen, weil man eine Wahrheit für sich erkannt hat – das ist entscheidend. Und damit hat das Hotel bei mir genau ins Schwarze getroffen.

Irving und Grass über Obama

Posted on 2008 11, 05 by Lilly


Auf lillyberry.de steht schon felsenfest, wer heute Nacht die Präsidentschaftswahl gewinnen wird: der gute Barack natürlich.

Und auch die Schriftstellerfreunde John Irving und Günter Grass glauben daran. Sorgen machen sie sich hingegen, dass ihm das gleiche Schicksal wie Martin Luther King ereilt: dass irgendwelche Rassisten ihn umbringen könnten.

In diesem sehr interessanten Interview sprechen beide über Politik und Literatur, ihrer Angst um Obama, Deutschland, Amerika, die Sprache einer internationalen Freundschaft und auch über die DDR.

Viel Spaß Lesen und danke an Eddie, der mich darauf aufmerksam gemacht hat.

Last Night in Twisted River

Posted on 2008 09, 30 by Lilly

Neues von John Irving: 2009 erscheint sein zwölfter Roman mit dem Titel “Last Night in Twisted River”. Da er keine offizielle Homepage hat und das deutsche Wikipedia ziemlich langsam und sparsam mit Informationen ist, habe ich das erst vor kurzem mitbekommen.

Zum Inhalt äußert er sich folgender Maßen:

There are two screenplays, adaptations of “A Son of the Circus” and “The Fourth Hand,” on the back of my desk, but I am focused on my twelfth novel, which is at the three-quarters mark, or thereabouts; I have finished eleven chapters, out of a probable fifteen or sixteen.
Titled “Last Night in Twisted River,” it is a fugitive novel about a cook and his son, who are forced to go on the run—due to events following a logging accident in northern New Hampshire in 1954. The story spans fifty years.
This is not the first first sentence I wrote for the novel, but—after much rewriting—it is probably the first sentence I will keep. “The young Canadian, who could not have been more than fifteen, had hesitated too long.”
Well, that’s it; back to work.

Im gleichen Jahr ein Buch zu veröffentlichen, wie mein großes Idol- das wär’s!

John Irving und das Ringen

Posted on 2008 09, 11 by Lilly

“Schreiben ist wie Ringen. Man braucht Disziplin und Technik. Man muss auf die Geschichte zugehen wie auf einen Gegner.”

Eine besonders interessante Darstellung von unserem Irving – im Ring. Sehr schön wurde auch das Tattoo, um das ich ihn beneide, in Szene gesetzt.
Gefunden auf: Bureau Comandantina.

Irving:

“I feel more a part of the wrestling community than I feel I belong to the community of arts and letters. Why? Because wrestling requires even more dedication than writing because wrestling represents the most difficult and rewarding objective that I have ever dedicated myself to; because wrestling and wrestling coaches are among the most disciplined and self-sacrificing people I have ever known”

John Irving – Zirkuskind

Posted on 2008 09, 02 by Lilly

Was bist du? Ein Gesellschaftsroman? Ein Familienroman? Ein etwas anderer aber verdammt guter Krimi? Oder einfach alles zusammen?
„Ich bin bunt, ich laut würzig und aufregend. Eine Zeitmaschine, eine Tragödie, ein philosophisches Meisterwerk. Ein abgerundetes Theaterstück ohne erkennbare Ordnung. Ich bin liebenswürdig und auch grausam. Ich bin die Realität der Phantasie und lasse mich in keine Schubladen stecken.“

Was sagt mir das? Du bist ein Irving!

Das war Martin Mills’ indischer Mikrokosmos: das tödlich verwundete Tier, das religiöse Ritual, die ewigen Fliegen, die unglaublich leuchtenden Farben, das selbstverständliche Vorhandensein menschlicher Scheiße – und natürlich die verwirrenden Gerüche.

Brillant schafft es der Beste der besten Autoren mal wieder viele verschiedene Handlungsstränge ineinander zu knüpfen und einen roten Faden elegant durch die weite Welt der Dramatik und Alltäglichkeit zu fädeln.
Ich werde sie versuchen in meiner Inhaltsangabe der Gewichtung nach zu sortieren:

Dr. Farrokh Daruwalla ist kanadischer Staatsbürger, verheiratet mit einer Österreicherin und aufgewachsen in Bombay und Wien.>!

Wohin er auch reist, er fühlt sich nur an einem Ort zuhause. Ein Ort, der seiner Träumernatur und seinen Kindheitserinnerungen den perfekten Raum zum glücklich sein bietet: Der Zirkus.
Weder in Toronto, wo er oft mit Rassisten aneinander gerät, noch in Bombay, die Stadt, die er eigentlich nie kennen gelernt hat, bieten ihm eine Heimat.
In Kanada gilt er als der verrückte Orthopäde, der sich mit Zwergenwuchs-Genen beschäftigt, in Indien als der feine Doktor, der verkrüppelten Kindern hilft – und außer im ehrwürdigen Sportclub Duckworth nirgendwo richtig dazuzugehören scheint.
Sein Vater, ein zynischer Blasphemiker, legte den Grundstein zu einem Leben, das glücklich verlief aber tiefe Standpfeiler vermissen ließ.

John D., der Adoptivsohn der Familie Daruwalla hat es mit Farrokhs Hilfe als Drehbuchautor weit in Indien gebracht. Seine Filme, in denen er Inspector Dhar spielt und das Böse bekämpft, sind Kassenschlager. Nur leider hasst ihn die Masse, da sie sich von seinen Verhöhnungen beleidigt fühlt.

Sein Zwillingsbruder Martin Mills ist ein relativ unbekannter Mann, hat nach Ansicht vieler jedoch womöglich das schwerere Los gezogen. Er wurde von seiner leiblichen Mutter erzogen, gepeinigt und gedemütigt. Von der Existenz eines Zwillingsbruders ahnt er nichts, als er nach Bombay kommt, um in einer jesuitischen Schule zu unterrichten und sich auf sein Priestertum vorzubereiten.

Nancy sucht ihr Glück nach einer Abtreibung, einem langweiligen Job und einem schlechten Ruf in ihrer amerikanischen Heimat im Osten. Über Umwege gerät sie nach Indien, lernt die Familie Daruwalla kennen und wird Zeugin eines Mords.

Über Jahre hinweg häufen sich diese mysteriösen Todesfälle, bis sie sogar den ehrwürdigen Duckworth Club erreichen, der nur besonders privilegierten Mitgliedern zur Verfügung steht. Der Hass scheint sich gegen Inspector Dhar zu richten.
Aber weswegen?

Und welche Rolle spielen der kleinwüchsige Zwerg Vinod und seine Zirkusfrau Deepa? Wer ist der echte Polizist namens Patel? Was hat es mit Rahul auf sich?
Und warum meint man die Kinderprostituierte Madhu und den Krüppel Ganesh retten zu können? Zu welchem Preis?

Ja, vielleicht sind das für den ersten Eindruck recht viele Personen, aber in einem Irving- Roman ist jeder wichtig und entscheidend für den Plot.
Und wenn es nur der alte Kellner Mr. Sethna ist, der alles und jeden missbilligt – was Herr Irving natürlich auf jeder 10. Seite wiederholt, sodass man sich am Ende vor Lachen krümmt.

Es ist ein herrliches Werk entstanden, erfrischend und lustig, tiefreligiös und dennoch blasphemisch, ernst und heiter zugleich.
Eben noch zittert man vor Spannung, dann lacht man laut auf – und spätestens im Epilog der Art „was wurde aus allen Personen“? vergießt man seine Tränen.

Worum geht es?
Um Fremdenfeindlichkeit, die Leiden und Kreationen der Schriftsteller, um das Elend der Welt und wie man es mit all seiner Energie nicht einmal schafft Wenigen zu helfen, um Kulturen, Homo- Trans- und Intersexualität, Sex und Lust im Allgemeinen, um Zirkusse, Familien, Arm und Reich, hier und dort … um Leben, um Geschichten.
Nicht eine Geschichte – es sind hunderte. Erzählt mit einer atemberaubenden Sprachleistung, Liebenswürdigkeit und Ausdauer.

5 Ratten


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