Archive for the ‘Rezensionen’ Category

Sybille Berg - Der Mann schläft

Posted on 2009 11, 17 by Lilly

In Der Mann schläft erzählt eine in die Jahre gekommene Frau mit Sozialphobie von ihrem Leben und ihrem Lebenspartner. Sie war schon immer eine stille Genossin, die eigentlich nie etwas anderes wollte, als ihre Ruhe. Aber als der Mann bei einer gemeinsamen Chinareise verschwand und nicht zurückkam, verwandelte sie sich in eine zynische und unerträgliche Frau.
Abwechselnd verflucht sie die Welt und alle, die darin leben, um sich dann von Grund auf selbst zu bemitleiden. Sie verachtet Menschen, die glücklich sind, die sich auf den richtigen Weg sehen und glaubt nur selbst die ultimative Wahrheit zu kennen.
Welche ist das? Ganz simpel: Das Leben macht keinen Sinn. Alle, die es nicht bemerken, sind bedauernswert, alle anderen sowieso.

Handlung? Oder nur Gedanken?

sybillebergEine wirkliche Handlung ist kaum vorhanden, die Spannung besteht einzig in der Frage, wohin der Mann verschwunden ist.
Das Hauptgerüst sind die Gedanken der Protagonistin: ihre Gleichgültigkeit, ihre Beobachtungen, ihre Vergangenheit, ihre Sehnsucht, ihre Hass.
Wenn man diese Reflektionen weglässt und nur die eigentlichen Elemente als Geschichte verkauft, dann merkt man erst, wie erstaunlich banal das Buch ist.

Es erinnert mich ein wenig an Bitterfotze von Maria Sveland oder Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins von Milan Kundera. Auch diese Bücher werden nur von Gedanken getragen. Der Unterschied: Im Falle von Kundera sind es unglaublich schöne und liebevolle Weltschmerzgedanken und bei Maria Sveland sind sie immerhin interessant und unterhaltsam.

Tana French - Totengleich

Posted on 2009 10, 22 by Lilly

Mit dem Spiegel vor Deinem Grab

Das ist sicher keine passende Einleitung für eine Buchbesprechung, aber ich komm nicht umhin Euch zu raten dieses Buch auf dem schnellsten Wege zu besorgen. Geht nicht über Los, zieht keine 400 Euro ein, lasst alles stehen und liegen und saust zu Eurem Buchhändler. Dieser Krimi wird Euch packen und auch nicht loslassen, nachdem die 784 Seiten in Rekordgeschwindigkeit durchgelesen worden sind.

Von Tana Frenchs Debütroman Grabesgrün war ich nur mäßig begeistert, nicht wegen der Qualität oder der Spannung, sondern weil das Ende mich enttäuschte.
Totengleich ist der Nachfolger, kann aber problemlos für sich gelesen werden. Der alte Fall ist abgeschlossen, es treten neue Figuren auf und sogar die Erzählerperspektive hat sich geändert.

Sams Augen waren riesig und dunkel, als hätte ich ihn geohrfeigt, und Frank betrachtete mich mit einem Blick, der mir, wenn ich auch nur halbwegs bei Verstand gewesen wäre, eigentlich hätte Angst einjagen müssen, aber ich spürte nur, wie sich jeder Muskel in mir lockerte, als wäre ich acht Jahre alt und würde an irgendeinem grünen Hang Rad schlagen, bis mir schwindelig wird, als könnte ich tausend Meilen weit durch kühles blaues Wasser tauchen, ohne einmal Luft holen zu müssen. Ich hatte recht gehabt: Freiheit roch nach Ozon und nach Gewittern und Schießpulver, alles zugleich, nach Schnee und Lagerfeuern und frisch gemähtem Gras, sie schmeckte nach Meerwasser und Orangen. (S.481)

totengleich Eine Frau, tot irgendwo in einem ausgestorbenen Cottage in der Pampa. Erstochen. Detective Cassie Maddox wird zu dem Fall hinzugezogen, obwohl sie nicht mehr im Morddezernat arbeitet. Die Begründung raubt ihr und allen Beteiligten den Atem. Das Mordopfer ist ihr wie aus dem Gesicht geschnitten. Eine Zwillingsschwester, von der sie nichts geahnt hat? Oder eine Doppelgängerin, wie sie angeblich jeder hat?
Doch damit nicht genug. Die erstochene Frau trägt eine Identität, die Cassie nur zu gut bekannt ist – hat sie diese doch selbst vor einigen Jahren erfunden, als sie noch als Undercover-Agentin arbeitete. Lexie Madison hat sich nicht nur den Namen geklaut, sie hatte sich mit Cassies Phantasieidentität auch ans College schummeln können.

Cecilia Ahern - Zeit deines Lebens [mit Video]

Posted on 2009 10, 12 by Lilly

Diese Geschichte handelt von einem Menschen, der herausfindet, wer er ist. Von einem Menschen, der Schicht für Schicht von seiner Schutzhülle befreit wird, bis das Wesentliche sich zeigt – sichtbar für alle, die wichtig sind. Und alle, die wichtig sind, werden auch für diesen Menschen sichtbar. Gerade noch rechtzeitig.

0146_Ahern_Zeit.qxd:Layout 1Lou Suffern ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Seine Tage bestehen aus Arbeit, Disziplin und Affären. Sein Drang nach Höherem, der Wunsch nach Anerkennung, die chicen Büros über den Dächern von Dublin und eine in Aussicht gestellte Beförderung sind wichtiger, als seine Familie. Seine Frau Ruth, seine beiden kleinen Kinder, seine Geschwister und seine Eltern – alle reißen sich um ihn, wollen Zeit mit ihm verbringen. Aber Lou tut allen weh, er lügt und betrügt, verspricht und hält es nicht, er nimmt sie und ihre Bedürfnisse einfach nicht wahr. In seinem Leben gibt es Wichtigeres.

Im Grunde ist er aber ein guter Kerl. Das zeigt sich gleich am Anfang, als er einem Obdachlosen, Gabe, der in der klirrenden Kälte ausharrt, einen heißen Kaffee schenkt. Es ergibt sich ein nettes Gespräch und schnell wird klar, dass Gabe einiges drauf hat. Lou beschafft ihm einen Job und fühlt sich großartig. Kurz vor Weihnachten hat er einem armen Menschen ein großartiges Geschenk gemacht.
Dass aber eigentlich Lou mitten im Leben aufgegabelt wird, und eine letzte Chance erhält, sieht er erst ganz zum Schluss ein. Denn es ist nicht er, sondern der geheimnisvolle Gabe, der den Personen in diesem Buch das größte Geschenk auf Erden macht.

Kathy Reichs - Knochenarbeit

Posted on 2009 10, 10 by www.kirstenmarohn.de

knochenarbeitBeinahe ein Jahr (19. November 2008) ist es her, da schrieb ich eine Rezension über Kathy Reichs höchst erfolgreichen Debütroman Tote lügen nicht. Damals lobte ich das Buch in den höchsten Tönen, fand aber auch genug kritische Töne, um mit den Worten zu schließen, ich würde “keinen weiteren Roman von Kathy Reichs lesen”. Voreilig, wie sich herausstellte, aber wie konnte ich damals auch ahnen, dass eine meiner zukünftigen Lieblingsautoren in mein Leben getreten war? Ihr ahnt es schon: Es blieb nicht bei meiner Androhung. Mittlerweile tummeln sich fünf Kathy Reichs Romane in meinem Regal.

Kathy Reichs, 1950 in Chicago geboren, unterrichtet Anthropologie an der Universität in North Carolina und arbeitet zudem als forensische Anthropologin an den gerichtsmedizinischen Instituten in Montreal und Charlotte. Sie ist eine von nur fünfzig (!) an Gerichten zugelassenen forensischen Anthropologen in Kanada und den USA. Kathy Reichs weiß, wovon sie schreibt, und das merkt man ihren Romanen an.

Christoph Marzi - Heaven - Stadt der Feen

Posted on 2009 09, 09 by Lilly

heaven
Ein dunkellila-blaues Hardcover, das einen riesigen Mond zeigt, der über eine malerische London-bei-Nacht-Illustration leuchtet, ein schwarzes Himmelstor mit geschwungenen glitzernden Ornamenten und ein wunderschöner Titel haben mich in ihren Bann gezogen.
Heaven – Stadt der Feen, das kann doch nur ein Abenteuer werden, habe ich gedacht. Was mich dann allerdings erwartet hat, glich einer kleinen Katastrophe.
Warum mich das Buch paradoxer Weise trotz allem nicht enttäuscht hat, erzähle ich Euch später.
Zunächst einmal zum Inhalt:

David, der als Bote für eine alte Buchhändlerin arbeitet und sich auf den Dächern von London zuhause fühlt, stolpert eines nachts über ein junges hübsches Mädchen namens Heaven, das behauptet ihr wäre gerade das Herz gestohlen worden.
Von ihrer Schönheit fasziniert, beschließt David sie mit zu sich nach Hause zu nehmen und ihr zu helfen. Gemeinsam verstecken sie sich vor den zwei schauerlichen Gestalten, die noch immer auf der Jagd nach Heaven sind und versuchen herauszufinden, was es mit ihnen auf sich hat.

Anthony McGowan - Der Tag an dem ich starb

Posted on 2009 09, 07 by Lilly

Beim Blick auf das Buchcover würde man bei Der Tag an dem ich starb wahrscheinlich einen richtig brutalen Thriller vermuten. mcgowanDer Klappentext deutet aber eher auf eine Mobbinggeschichte unter ganz normalen Schülern and einer ganz normalen Schule hin.
Nichts von beiden trifft es richtig.

Paul, ein unauffälliger und freundlicher Schüler, erzählt - wie der Titel es schon sagt - vom Tag an dem er gestorben ist, und wie es dazu kam.
Er besucht keine normale Schule, sondern einen beklemmenden Ort voller Angst und Gewalt. Ein Ort, an dem Schüler fast wahllos in intelligente und dumme Lager eingeteilt werden, an dem Lehrer wegsehen, wenn Schüler gequält werden, oder sogar selbst Gefallen daran finden ihre Schützlinge zu schikanieren. Es scheint als gäbe es nur Schwäche. Die einen sind zu schwach, um Dinge auf einer vernünftigen Ebene zu klären, die anderen sind zu schwach, um einzuschreiten.

Liza Marklund - Kalter Süden

Posted on 2009 09, 03 by Lilly

kaltersuden


Ich habe noch nie etwas von Liza Marklund gelesen, habe aber dennoch bei vorablesen mitgemacht, und auch mal wieder etwas gewonnen.
Die Leseprobe erinnert mich ein wenig an Stieg Larssons Bücher, habe ich geschrieben. Und genau deswegen war ich auch neugierig auf den Roman, der, bedenkt man, dass dies bereits der 8.Teil einer Krimiserie ist, damit eigentlich ein wenig abschreckend gewirkt hat.

Der achte Fall der schwedischen Journalistin Annika Bengtzon ist ein riesiges Konstrukt aus Gasmorden, Vermisstenfällen und Drogenhandel an der spanischen Küste, die Geschichte dreier Frauen, die als Kinder nach dem Weltkrieg zusammengefunden und ein gemeinsames Schicksal erlitten haben, und einigen Fäden, die sie noch aus ihren Vorgängerromanen herausgesponnen hat.


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