Archive for the ‘Mein Weg’ Category

Fernstudium literarisches Schreiben: Ich habe mich angemeldet

Posted on 2008 07, 01 by Lilly

Nun ist es also offiziell. Ich hab mich mit dem Wind gedreht und meine Meinung über Bildung, die aufwendig finanziert werden muss, geändert. Die Cornelia Goethe Akademie hat meinen Zahlungsvorschlag akzeptiert und mir zugleich alle entsprechenden Unterlagen zugesandt. Ich habe bereits begonnen das erste Lehrheft zu bearbeiten.
Es ist einfach zu lesen, sehr unterhaltsam und die Aufgaben stellen (bis jetzt) noch keine Ansprüche dar. Ich vertraue einfach darin, dass sich das im Laufe der Zeit noch ändern wird.

Beim Lesen der Materialien beschleicht mich zwar das unangenehme Gefühl, dass ich das alles eigentlich schon weiß und man mit etwas Mühe und nicht einmal dem Bruchteil des Geldes, was die Akademie verlangt, das Ganze selbst herausfinden kann.
Andererseits muss man dann natürlich auch die Konsequenz aufbringen und sich selbst an Schreibaufgaben setzen, um zu üben.
Das fiel mir vorher am schwersten. Irgendwelche Texte schreiben- mit dem einzigen Ziel sich auszuprobieren.
Von der Akademie wurde mir eine Lektorin zugeteilt, die sich mir gestern vorgestellt hat. Ihr Name ist Cornelia Soltau, sie ist wie ich u.a. Soziologin (ok, ich selbst arbeite noch daran :)) und 50 Jahre alt.
Ihr sende ich meine Texte zu- sie wird sie fachmännisch bearbeiten und mir ein Feedback geben. Das erhöht die Motivation- und obwohl ich nur für mich schreibe, ist es dennoch ein schönes Gefühl, wenn jemand anderes dies wertschätzt.

Vielleicht glaube ich alles zu wissen. Vielleicht wird mich auch noch oft das Gefühl beschleichen, dass es zum Fenster hinaus geworfenes Geld ist.
Dennoch bin ich mir sicher, dass ich am Ende mehr Kenntnisse und Erfahrungen haben werde als zum jetzigen Zeitpunkt. Und darüber hinaus auch ein offiziell anerkanntes Schriftsteller-Diplom.

Ich werde hier demnächst regelmäßig über meine Erfahrungen berichten.

Wie der Wind. Was denn nun?

Posted on 2008 06, 24 by Lilly

Ich habe mich entschieden doch das Fernstudium an der Cornelia Goethe Akademie aufzunehmen, sofern sie mit meinem Ratenzahlungsvorschlag einverstanden sind.
Ich weiß, das hat sich vor kurzem (in diesem Artkel: So sieht ein Ablehnungsbescheid aus) noch ganz anders angehört.
Aber ich bin mir beim Schreiben einfach so unsicher; komme mir vor als würde ich nur unterdurchschnittliche Schülertexte produzieren. Ich glaube ich brauche einfach die Gewissheit das Handwerk von grundauf an einer angesehenen Akademie gelernt zu haben, um das entsprechende Schriftsteller-Selbstbewusstsein an den Tag legen zu können.

Alternativ habe ich auch noch ein Schreiben an die Hamburger Akademie geschickt. Preisfeilschen. Ob es was bringt, weiß ich nicht. Aber ich habe ja nichts zu verlieren.



Hamburger Akademie für Fernstudien

Meine Geschichte ändert sich

Posted on 2008 06, 08 by Lilly

Das Video, was schon die ganze Woche hier zu sehen war, hat mich sehr zum nachdenken angeregt. Es ist so phantasievoll, dass man es immer wieder anschauen könnte. So phantasievoll, wie Irvings Romane, die auch immer gern auf einen Zirkus anspielen.



Warum ich es ständig mache, weiß ich nicht. Es ist aber so. Ich vergleiche zu viele Dinge mit meinem Plot und sehe in meiner Geschichte dann eine langweilige Alltagsbeschreibung einer x-beliebigen Familie. Mir fehlt das besondere. Das nicht-alltägliche eben, was dem Leser möglich macht in einer anderen Welt einzutauchen.

Vielleicht die ursprünglichen Personen beibehalten in der Umgebung einer Zirkusfamilie?
Ich werde daran arbeiten - und zwar zügig. Das erste Kapitel sollte Ende Juni ein für allemal komplett sein, damit ich es lektionieren lassen kann.
Manchmal geht es mir wie Lindie, die meinte sie schreibe lieber Gedichte, weil sie irgendwann aufhören würde an einem Romanplot zu glauben. Er würde ihr einfach entschwinden und ihre Motivation Richtung null sinken lassen.

Bitte senden sie uns ihr Manuskript

Posted on 2008 05, 15 by Lilly

Das meinte ein freundlich und gut gemeintes Schreiben der Frankfurter Verlagsgruppe heute zu mir.

[...] Die uns befreundete Cornelia Goethe Akademie hat uns darauf hingewiesen, dass Sie schreiben. Deshalb möchten wir Sie ansprechen.
Unser tradionsbewusstes Haus nimmt Manuskripte zur Prüfung an. Wenn Sie an eine Veröffentlichung denken - jetzt oder später -, senden Sie uns bitte Ihr Manuskript. Unser Lektorat wird Sie partnerschaftlich beraten. [...]

Mit dazu kamen unzählige Blätter und Prospekte- über Einträge in Schriftstellerlexikas, Auftritte im Literatur Fernsehen und ein Buch.
Klein und niedlich, Hardcover in grau-grünen Leinen gebunden mit goldener Inschrift. Wirklich hübsch anzusehen. Aber nutzlos. Nutzlos für mich.
Irgendwelche Aufzeichnungen über eine Gräfin von irgendwas in Westfalen. Langweilig geschrieben.
Nett gemeint- aber den Sinn habe ich nicht verstanden. Nicht in einem einzigen Schreiben wurde dieses Buch erwähnt. (Wenn also jemand Interesse daran hat- schreibt mich an: info@lillyberry.de)

Lächerlich das alles.
Ich weiß, dass ich irgendwann einen Verlag brauchen werde. Aber momentan könnte ich alle meine Kapitel zerreißen und auf ihnen herumhüpfen. Das letzte woran ich gerade in diesem Moment denke, ist eine Veröffentlichung.


Und selbst wenn es dann so weit ist. Verläge melden sich nicht bei Autoren. Nicht bei unbekannten. Es wirkt einfach unseriös.
Ich will mit nicht anmaßen, einen Literaturverlag, der den Namen August von Goethe trägt, zu kritisieren, aber es wird keinesfalls der richtige Verlag für mein Buch sein.

London, New York, Lesungen, TV-Auftritte - das ist mir alles so egal.
Ich möchte ein gutes Buch, ein wirklich spannendes und gutes Buch schreiben- eines, was für sich selbst spricht und keine der eingestaubten und längst überholten Insider-Publicity nötig hat.
Ich möchte etwas erreichen, etwas sagen, den einen oder anderen Menschen vielleicht berühren oder gut unterhalten.
Aber ich möchte nicht zu einer der Marionetten zwischen Verlagswelten, Lesungen und “klugscheißerischen” Kritiken in Magazinen (die sowieso kaum jemand ließt) werden.

Die Genialität provozieren

Posted on 2008 05, 14 by Lilly

Ich habe mir gerade mein erstes Kapitel durchgelesen.
Es ist furchtbar. Einfach grausam. Lächerlich.

Ich mag meine Gedanken. Und ich mag die Sprache, die ich benutze.
Aber es passt nicht zusammen. Jeder neue Satz wirkt wie eine eigene abgehackte Einheit, wie eine einzelne Note, die nicht mit der Gesamtmelodie harmoniert.
Es wirkt kindisch. Die Sprache ist zu einfach.

Aber Astrid Lindgren schreibt auch einfach? Einfach und wunderbar. Fließend, liebenswürdig und so unendlich einfühlsam und intelligent.
Warum kann ich das nicht? Was mache ich falsch? Wo muss ich ansetzen?

Talent … Talent, dieses sinnlose Geschwafel.
Ich will!
Sollte der Wille nicht mehr wert sein?

Abschiedslied

Posted on 2008 05, 09 by Lilly

“Wann sehen wir zwei uns wieder? Werde ich grau sein, Enkel haben und schmerzende Glieder?”
“Wenn die Sonne untergeht. In einer Zeit in der man mich versteht.”
“Dann wenn alle Kämpfe gewonnen und verloren sind?”
“Und die pure Leidenschaft aus mir rinnt.”
“DJ Ötzi die Massen zum Tanzen bringt?”
“Und vom Verfall aus lautester Kehle singt!”

»Tanz, tanz Anette, hab Spaß!
Wie eine kunterbunte Marionette
Tu’s wie Sylvia Plath- erstick an Gas!
Dein Kopf im Herd, mein Liebling?
Ist es das wert?
Frag ich mich und sing’
Von Trauer im warmen Regen
Vom Segen im eisigen Schauer
Von Dir, Ötzi und auch Claudia Roth
Genau genommen vom qualvollen Tod.«

“Wann sehen wir zwei uns wieder?”

“Still, sei still und knie nieder!
Ich hab keine Hoffnung, keinen Humor, kein Chic und auch kein Geld
Liebe nennst Du diese endlose Gier?
Es gibt kein du und ich, kein Wir.
Unter gehen wird sie, diese blinde Welt!”

Als Jenny sich erschoss

Posted on 2008 05, 06 by Lilly

Als Jenny sich erschoss, war ich schon Mutter.
Nach allgemeinen Maßstäben vielleicht keine besonders gute; ein wenig zu exzentrisch, etwas unkonventionell.
Doch an jenem Nachmittag, als ich die Nachricht erhielt, konnte ich einen blonden, fröhlich herumhüpfenden Engel als mein eigen Fleisch und Blut bezeichnen.

Die Nachmittagssonne erwärmte mein Gesicht, eine leise Zufriedenheit durchströmte meinen Körper. Von weitem hörte ich das Zwitschern der Vögel, gepaart mit dem Surren der Insekten und süßesten Freudenjauchzern eines kleinen Mädchens.

Da erfuhr ich es.

„Mommy, komm lass uns Blumen pflücken“, bettelte sie.
Die großen blauen Augen, denen man nichts abschlagen konnte, schauten mich eindringlich und liebevoll an.
Hand in Hand wanderten wir zu der großen Wiese hinter dem Haus.

Ich dachte an Jenny.
Jenny, die glückliche, junge Frau, die ihr Leben immer mit Bravur gemeistert hat. Eine Künstlerin. Eine Tänzerin.
Eine tanzende Künstlerin oder eine künstlerische Tänzerin?
Die Welt wurde nur für sie geschaffen, geschaffen, um sie mit Worten malen zu können, um sie zu besingen, um in ihr zu tanzen.
Jenny liebte ihre Freiheit, ihre Unabhängigkeit, die Weite ihres Geistes.
Und die Welt liebte Jenny. Wie von Zauberhand ließ sie ihr all diese kleinen Wunder zukommen; jedes einzelne mehr wert als ein Lottogewinn.
Da waren ihre Freunde, die regelrecht in ihr Leben strömten und sie fast verehrten, ein perfekter Job mit humorvollen und harmonisches Kollegen, ein unerwartetes Erbe in Form eines Hauses inklusive Grundstück in scheinbar unberührter Natur … und Bodger, der kleine Rauhaardackel, der ihr in ihrer Einsamkeit trotzdem Zweisamkeit bieten konnte.
Was ist nur geschehen?

„Hier nimm!“, befahl der kleine Engel und drückte mir einen Stapel blauer Kornblumen in die Hand, ehe sie sich quietschvergnügt in das viel zu hohe Gras fallen ließ.
Mechanisch, noch immer in Gedanken, sortierte ich die Blumen zu einem Strauß und verschönerte ihn mit Mohnblüten, die hier und da in dieser wilden Natur hervorlugten.

Das Bedürfnis zu laufen überkam mich. Weit hinaus, ohne bestimmtes Ziel. Ich wollte mich drehen, bis mir schwindelig wird, die Welt erkunden, bis die Abenddämmerung angebrochen ist. Ich wollte allein sein. Für einen Augenblick. Es gab Dinge, die ich begreifen musste, es war Zeit Abschied zu nehmen.
Doch ich wusste, dass es nicht gehen wird. Das Abendessen muss vorbereitet werden. Er würde bald nach Hause kommen. Lange hat er gearbeitet. Lange und hart … für uns. Das mindeste, was er verdient hat, war eine warme Mahlzeit.
Jenny, dachte ich, was hast du nur getan?

Ich sprang.
Sprang geradewegs in das kniehohe, bunte Gras, um bei meinem Engel zu sein.
Sie lächelte mich an und legte sich in meinen Armen. Da war eine tiefe Trauer in mir. Und doch war ich glücklich. Gemeinsam schauten wir in den Himmel, beobachteten die Wolken, phantasierten uns Geschichten zusammen; jeder ganz im Stillen. Das musste reichen. Es würde mein Wunder für heute sein.

“Gibt es ein Leben nach dem Tod?”, fragte die Kleine.
Ich musste nicht lange überlegen.
“Ja. Nur ein vollkommen anderes.”, hauchte ich ihr ins Ohr und drückte sie fest an mich.

In der Ferne hörte man Hundegebell.



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