Archive for the ‘kreatives Schreiben’ Category

Vertraue deiner Fähigkeit!

Posted on 2008 10, 12 by Lilly

Ich habe heute eine sehr lange, liebe und auch sonnige (der Tag war es nicht, aber dein Text schon:-)) Mail erhalten.
Ich liebe verregnete, dunkle Sonntage an welchen ich mich ganz gemütlich mit einer Tasse Kaffee vor dem Rechner hängen kann, um mir viel Zeit für die Gedanken anderer zu nehmen.

Über einen Satz bin ich dann gestolpert. Er wirkt sehr bescheiden, fast schon traurig und deswegen auf eine gewisse Art und Weise poetisch. Aber was ich darin lese ist nicht die Wahrheit, nicht das, was andere bestätigen würden, sondern eher ein großes Misstrauen der eigenen Fähigkeiten:

Es ist eine viel zu schöne Geschichte, um sie von mir schreiben zu lassen.

hast du geschrieben.

Warum? Weil du denkst nicht stilsicher genug schreiben zu können? Weil du das Gefühl hast nicht ausdrücken zu können, was du meinst?
Dafür gibt es Lektoren. Verlagslektoren, so wie auch freiberufliche. Sie feilen mit dir an deinen Text und geben hier und da Anmerkungen, wie man es noch besser machen könnte.

Aber eine schöne Geschichte in sich zu haben, etwas von dem man überzeugt ist und das man mit Leidenschaft anpackt, das ist das wichtigste. Die Basis.
Es ist deine Geschichte, niemand anderes hat sie sich ausgedacht. Deine Phantasie und deine Bilder. Du solltest die einzige Person sein, die diese niederschreibt.
Und ich bin mir auch sicher, dass nur du allein damit etwas zum Ausdruck bringen kannst.

Die Unsicherheit und die Schriftsteller

Wenig Selbstvertrauen scheint etwas zu sein, dass jeder Schriftsteller von Natur aus mitbringt. Bis zu einem gewissen Punkt ist das auch gut so, da es der entscheidende Antrieb ist seine Geschichte wieder und wieder zu bearbeiten.

Aber bei allem was man tut und anpackt, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass niemand es besser kann. Etliche Autoren werden natürlich besser schreiben können, als man selbst. Vielleicht haben sie auch spannendere Stories.
Aber das was wir beginnen, was aus unserem Innersten kommt, das kann auch nur durch uns vollendet werden.
Wahrscheinlich wird es nicht perfekt. Aber es ist das, was wir an momentaner Stelle mit unseren Fähigkeiten schaffen können. Und mit viel Ausdauer und Disziplin wird es so gut werden, wie es nur werden kann.

Nicht jeder wird es lieben, aber es wird immer Menschen geben, denen genau das gefällt, was du produzierst.
Mit deiner eigenen Stimme und deinen eigenen Gefühlen machst du deine Geschichte einzigartig und in ihrer Gesamtkomposition auf eine ganze subjektive Art und Weise perfekt.
Zweifel nicht daran!

Ein Protagonist kann so viel mehr!

Posted on 2008 09, 25 by Lilly

Kirsten Marohn wird hier auf dieser Seite langsam so etwas wie meine zweite Hand. Weil ich ihre Ergänzungen zu meinem Artikel Schreibschule: Der Feinschliff wieder einmal sehr interessant finde, veröffentliche an dieser Stelle einen weiteren Gastbeitrag:

Stephen King schreibt in seinem Buch “Das Leben und das Schreiben” man solle gut auf seine Adverbien achtgeben. Hat man erst mal eines auf dem Acker, vermehren sie sich, und im Nu, hust, keuch, ist die Wiese voller Löwenzahn.

Adverbien finde ich spannend. Im Feinschliff, d.h. nach dem Rohentwurf eines Manuskripts, gehe ich liebend gerne an diese kleinen Teufelsdinger und versuche sie mit dem Kartoffelschälmesser aus meiner Wiese zu stechen. Natürlich bekommt man sie nie alle zu fassen - unmöglich! Und das ist gut so, selbst der Bestsellerkönig klammert sich gerne an das eine oder andere liebgewonne Adverb, und dem wollen/können wir nicht nachstehen.

Meine Vorgehensweise ist stets die gleiche: Ich spüre die Adverbien auf und versuche sie durch ein aktives Verb auszutauschen. Das ist, als ob man einem Comic Farbe einhaucht, als ob man mit ein paar Farbkleksern ein ehemals blasses Bild in ein leuchtendes Gemälde verwandelt. Nichts liest sich langweiliger, als eine Handlung, die aus blassen Verben besteht, der Protagonist geht, steht, sagt, tut, macht. Diese Verben sind so langweilig, so blass, dass sie geradezu nach einem Adverb schreien, das sie aufbläht, nur bläht sich damit leider auch der Satz auf. Jeder hat schon Sätze gelesen wie Er machte die Tür leise auf. Er tat es schnell. Er sagte leise. Er ging schnell. An diesen Sätzen ist ansich nichts schlimmes, kommen sie jedoch in erdrückender Vielfalt daher, kann eine eigentlich spannende Geschichte schnell langweilig ausarten. Dabei geht es auch anders.

Mit dem Austausch farbloser Verben und ihrer faden Adverbien durch aktive Verben verleiht man der Handlung mehr Farbkraft und Lebendigkeit. Die Handlung blüht geradezu auf. Der Protagonist geht langsam die Straße entlang. Das ist hübsch, aber auch ziemlich langweilig. Ein Protagonist kann so viel mehr. Er kann die Straße hinab schlendern, flanieren, rennen, jagen, sausen, sprinten, hasten, hechten, eilen, huschen, stolpern, taumeln, rasen, schlittern, spurten. Er kann die Tür aufschieben, aufstoßen,ins Schloss schieben, ins Schloss krachen, ranschieben, anlehnen, einen Spalt weit öffnen, ranziehen. Er kann raunen, fluchen, flüstern, wispern, säuseln, und wenn’s denn unbedingt sein muss, kann er auch keuchen, stöhnen, hervorstoßen, fiepsen, quengeln, stottern, stammeln, hervorbringen, sich herauszureden versuchen, eingestehen, zugeben, kapitulieren, zustimmen, verneinen, ablehnen, sich zu rechtfertigen versuchen, herausposaunen – all das kann ein Protagonist, und das alles kann er ohne Adverb. Welches Verb man letztendlich wählt, liegt ganz bei einem selbst, aber man tut gut daran, den Bleistift beiseite zu legen und zu den Filzstiften zu greifen.

Schreibschule: Der Arbeitsplatz

Posted on 2008 09, 07 by Lilly

Zum Thema Vorüberlegungen für das Schreiben eines Romans, hat die Autorin Kirsten Marohn heute einen sehr langen und interessanten Kommentar hinterlassen.
Ich fand ihn zu gut, um ihn irgendwo in der Versenkung verschwinden zu lassen und habe beschlossen ihn hier als eine Art Gastbeitrag zu posten:

»Bevor man mit dem Schreiben beginnt, sind praktische Dinge von Belang, wie die Frage: Wo will ich schreiben?

Nun kann man antworten: Überall. In Zeiten des tragbaren Laptops ist diese Antwort sicherlich berechtigt, aber die Antwort ÜBERALL ist Segen und Fluch zugleich. Möchte man an einem Roman ernsthaft arbeiten, tut man gut daran, sich einen dauerhaften Platz zu suchen, der für das Schreiben – und nur für das Scheiben – reserviert ist. Das kann die Wäschekammer, der Dachboden, die Küche oder der Hobbykeller sein – Hauptsache, Körper und Geist haben an diesem Ort das Gefühl, zur Ruhe zu kommen und in die magische Welt der Buchstaben abzutauchen.

Stephen King rät in seinem Buch “Über das Leben und Schreiben”, alle störenden Aspekte wie Telefon, Handy, Internet, Türklingel etc. abzuschalten. Gerade für Schreibanfänger ist es sehr wichtig, sich nicht ablenken zu lassen. Ablenkung, sprich Zerstreuung, ist in der heutigen Zeit DAS große Problem eines Schriftstellers. Was nützen die besten Ideen, wenn man sich nicht konzentrieren kann? Wandern die Gedanken ständig ab oder werden vom Klingeln eines Handys unterbrochen, wird man es nie schaffen, eine zusammenhängende Geschichte zu erzählen. Und wie will man anderen etwas erzählen, wenn man nicht mal die eigenen Gedanken hören kann?

Man benötigt einen Platz der Rückbesinnung. Heißt das nun, ich muss mir eine Wellnessoase suchen?
Weniger ist oft mehr. Stephen King schrieb seine ersten Romane in einem winzigen Verschlag in seinem Wohnwagen, hinter einer Sperrholztür tobten Frau und Kinder. Die Ausrede “Ich hab aber keinen Platz!” gilt nicht. Will man ein Buch schreiben, muss man sich dieses Plätzchen schaffen.

Wie findet man nun so ein Plätzchen zum Schreiben?

Ein gemütlicher Ort muss nicht unbedingt ein guter Ort sein, genauso andersherum. Auf der Suche nach dem idealen Platz zum Schreiben gelten andere Regeln. In der Küche habe ich viel Licht, kann in den Garten schauen, wunderschön, nur leider gänzlich ungeeignet, um die eigenen Gedanken auf einen Roman zu konzentrieren, wenn alle naslang eine Amsel vorbeifliegt, ein Eichhörnchen zum Fenster hereinschaut - oh, wie süß, wird man sagen, und im Nu ist man wieder aus der Handlung seines Romans katapultiert.

Den speziellen Platz zum Schreiben muss jeder für sich selbst finden. Bei mir ist es das alte Sofa


im Schlafzimmer unter dem Hochbett. Ich mache die Tür hinter mir zu, lasse ein Rollo an der einen Bettseite herunter und befinde mich dadurch quasi in einer Höhle, die nur zu einer Seite offen ist. Nun muss sich nicht jeder so eine Höhle schaffen, aber man sollte in sich hineinhorchen. Wie reagieren Körper und Geist auf meine Umgebung? Kommen die Gedanken hier zur Ruhe, kann ich mich hier auf mein Manuskript konzentrieren? Ständig wechselnde Plätze zum Schreiben sind meiner Erfahrung nicht förderlich, um in die Handlung eines Romans abzutauchen. Man kann seine Konzentration trainieren, indem man sich einen dauerhaften Platz sucht, an dem Körper und Geist zur Ruhe kommen und wissen, hier können die Gedanken des Alltags abschalten und in die Welt der Buchstaben eintauchen. Wählt man das richtige Plätzchen, stellt sich mit der Zeit eine Routine ein: Im Kopf fällt ein Kippschalter um. Indem ich in meinem Schlafzimmer die Tür schließe und das Rollo runterlasse, signalisiere ich mir selbst und meiner Umwelt: “Hier bin ich, um zu schreiben - und wegen nichts anderem.”«

Wie geht es mit der Schreibschule weiter?

Posted on 2008 09, 05 by Lilly

Im Bereich kreative Schreibschule habe ich regelmäßig Grundlagenartikel gepostet, die sich kurz mit den wichtigsten Aspekten der Romanentstehung beschäftigen und einen groben Überblick geben.

Folgende Serie ist dabei entstanden:

Die nächsten Wochen und Monate wird sich die Richtung nun etwas ändern und ich werde detailliertere Artikel verfassen. Folgende Themen werde ich dabei u.a. aufgreifen (nicht chronologisch geordnet):

  • Schreiben wie John Irving
  • Wozu Groschenromane gut sind
  • gute Fachartikel verfassen (eine Leserin machte mich darauf aufmerksam)
  • Die Kurzgeschichte

  • Wie ein guter Krimi entsteht
  • Lyrisches entwickeln
  • Schreibübungen
  • Grammatikalisches
  • Methoden zur Ideenentwicklung

Schreibschule: Der Feinschliff

Posted on 2008 07, 18 by Lilly

Die Ideen sind vorhanden, Charaktere ausgearbeitet, ein Plot entwickelt, aber man bringt einfach nichts zu Papier. Die meiste Zeit über traut man sich überhaupt gar nicht und verschiebt die Arbeit stets auf den nächsten Tag.Hat man doch etwas schreiben können, wird man spätestens dann, wenn man den Entwurf das erste Mal durchliest total entmutigt und hält sich für einen Loser.


Geht es dir nicht auch so?

Aber Schreiben wird nicht umsonst auch als Handwerk bezeichnet und nicht nur als Kunst.Ohne harte Arbeit, grobes Hobeln und dem anschließenden Feinschliff wird kein Meisterwerk entstehen können, egal mit wie viel Talent wir gesegnet sind.Also habt keine Angst vor dem weißen Blatt- schreibt einfach munter drauf los; mag es auch übel klingen.Schüttelt die Schultern, atmet tief durch und lasst es fließen.

In der heutigen Lektion zeige ich euch, wie ihr euch danach an den stilistischen Feinschliff wagen könnt. Sozusagen selbst Lektor spielen, bevor man einen professionellen Lektor engagiert.

Zuvor noch einige Dinge:

  • Nicht an Papier sparen! Druckt das Manukript nicht so aus, wie es ist, sondern unterteilt es in viele kleine Abschnitte. Das erhöht die Übersichtlichkeit und die Motivation.
  • Legt euch verschiedene, farbige Stifte zurecht!
  • Nehmt euch jeden der folgenden Punkte einzeln und nacheinander vor. Alles auf einmal sehen zu wollen ist kontraproduktiv.

An die Arbeit!

 

  • Gnadenlos streichen

Wann immer du eine Szene beginnst: Schau, ob der Anfang wirklich nötig ist, oder ob der Text nicht an Spannung gewinnt, wenn man gleich zum Punkt kommt.Das gilt für die Beschreibung der Umgebung (damit kann man die Spannung in die Länge ziehen - aber ohne, dass überhaupt etwas passiert ist oder ein Geschehen angedeutet wird, wird der Leser keine Geduld aufbringen), genauso wie eine zu detallierte Beschreibung der Gegebenheiten, welche die Handlung nicht vorantreibt.

 

  • Zu viele Wörter?

Weniger ist mehr! Das gilt auch beim Schreiben. Gewinnt der Text wirklich, wenn man ihn wahllos mit Adjetiven zupackt? Ist es wirklich von Bedeutung, ob die Vase blau oder der Raum groß ist? Geht der Leser nicht automatisch von frischen Blumen aus, wenn sie duften?

 

  • Ich sage, du sagst, er sagt …

Wenn es ersichtlich ist, wer gerade spricht, muss man es nicht zusätzlich erwähnen. Das wirkt oftmals steif. Wenn klar ist, dass sich nur Peter und Maria im Raum befinden, dann braucht man auch nicht nach jeder Aussage ihre Namen dahinter zu setzen. Markiert alles, was nicht unbedingt sein muss mit einer doppelten Linie. In diesem Fall ist das erste “sagte er” ist jedoch akzeptabel, um eindeutig zu zeigen, wer den Dialog beginnt.Bei längeren Gesprächen oder mehreren Personen ist jedoch sinnvoll öfter darauf hinzuweisen, wer gerade an der Reihe ist, um den Leser nicht zu verwirren.

 

  • Sozusagen ist das vielleicht etwas nervig

Zeigt mir einen Text, der ohne diese Füllwörter nicht glatter, eleganter, aussagestarker und besser lesbarer wirkt.Beim ersten Entwurf braucht ihr nicht darauf achten, das hemmt nur die Kreativität. Beim Korrekturlesen achtet dann auf Wörter wie: Eventuell, womöglich, offenbar usw. und rahmt sie ein.

 

  • Ohne Punkt und Komma

Lange Sätze gehen garnicht; sie schränken die Lesbarkeit ungemein ein und nerven den Leser. Intelligent wirkt der, der durch nachvollziehbare Gedanken glänzt und nicht durch verstrickte Satzkonstrukte. Halten wir uns an das Motto: “So kompliziert wie unbedingt nötig, so einfach wie möglich” und markieren Endlossätze mit zwei Pünktchen.

 

  • Zu Tode quatschen

Ein Roman schreiben bedeutet nicht nur “sprechen”, sondern in erster Linie auch “zeigen” und “beschreiben”. Zu lange Dialoge wirken einseitig und uninteressant. Markiert sie mit einem “L” und schaut später, ob man sie nicht ganz einfach kürzen kann, sie aufsplittet, oder sogar beides.Der Beispieltext könnte durchaus interessant wirken, wenn die Ausgangsfrage gestellt wird, ein innerer Monolog mit Beschreibung des Gesichtsausdrucks folgt und die zweite Person anschließend antwortet oder eine Gegenfrage stellt.

 

  • Nicht ständig wiederholen!

Wenn es nicht gerade eine kunstvolle Stilform darstellen soll, die den Text an einer Stelle besonders betont, ist es nicht sinnvoll gleichartige Satzkonstruktionen hintereinander folgen zu lassen. Immerhin wollen wir spannend erzählen, alle Sinne ansprechen und keine Fakten wiedergeben.Markiert solche “Schnitzer” mit einer Wellenlinie.

 

  • Loben muss auch sein!

Aber bei allem korrigieren achtet auch darauf, dass ihr Schmuckstückchen entdeckt.


Nicht alles, was man spontan auf’s Papier bringt, muss überarbeitet werden. Es passiert durchaus, dass Worte aus einem fließen und genauso so passen, wie sie sind. Sie bringen das rüber, was du rüberbringen willst und gefallen dir auch noch nach dem dritten Mal durchlesen.Markiere sie mit einem Häkchen. Wenn du das Manuskript nach einigen Tagen nochmal hervorholst (es ist wichtig die ganze Sache einmal sacken zu lassen, bevor man sich an die Arbeit macht) und dir die Stellen noch immer gefallen, dann kannst du sie ohne Überarbeitung mit in den neuen Entwurf eingliedern.

 

Für weitere Schreibertipps habe ich eine Extrakategorie in meinem Buchshop erstellt. Schaut doch mal vorbei: Klick mich!
Besonders empfehlen kann ich Julia Camerons “Von der Kunst des Schreibens” und die Schreibtips von Raymond Carver.

Schreibschule: Die Erzählerperspektive

Posted on 2008 06, 17 by Lilly

Von vielen so genannten Schreibexperten wird behauptet, dass die Wahl der Erzählerperspektive entscheidenden Einfluss auf die Wirkung des
Romans hat.
Zwar habe ich persönlich noch nie gedacht: „Oh, hier hätte der Autor mal lieber eine andere Sichtweise wählen sollen“, aber es scheint mir durchaus einleuchtend, dass es für die Darstellung der Personen- je nach Konzeption der Charakteristika und der Rolle im Buch- die eine Perspektive günstiger ist, als die andere.

Folgende Formen gibt es:

  • 1) Der allwissende Ich- Erzähler

Der Erzähler stellt die Handlung aus seiner und aus allen anderen Perspektiven dar. Er weiß, was jeder denkt und zu jeder Zeit tut.
In vielen Fällen zeigt sich der Erzähler nicht oder nimmt nur eine Randposition der Geschichte ein.

  • 2) Der klassische Ich- Erzähler

Die Geschichte wird genau so erzählt, wie die Charaktere sie wahrnehmen.
Sie ist sehr geeignet, um das Innenleben und die Gedanken der jeweiligen Person wider zu geben.
Da sie für äußere Beobachtungen nicht objektiv genug ist, kommt es häufig vor, dass der Autor mehrere verschiedene Personen sprechen lässt.

  • 3) Der Erzähler in der dritten Person

Er gibt sich nicht zu erkennen und berichtet aus einer anonymen Perspektive über „er, sie und es.“ Es ist die Form, die heute am meisten verwendet wird.
Ich stelle sie mir auch am einfachsten vor: man kann mit der metaphorischen Kamera hin- und herschwenken, durch Raum und Zeit wandern und braucht auf niemanden Rücksicht zu nehmen.
Da der Erzähler sich nicht zu erkennen gibt, können im Zusammenhang mit seinem Wissen auch keine oder kaum Logikfehler entstehen.

  • Drei in eins

Natürlich lassen sich zwei oder manchmal auch alle drei Formen miteinander verbinden. Gekonnt angewandt machen sie einen Roman interessant und lebendig.
Sofern man sich für den Erzähler der dritten Person entscheidet, bietet es sich sogar an Gedanken und Gefühle mittels innerer Monologe in Ich-Form wider zu geben.
Viele Ratgeber behaupten man solle sich von Anfang an auf eine Perspektive festlegen. Ich persönlich finde es jedoch interessant und auflockernd, wenn man zwischen den Szenen oder Kapiteln mal den Blickwinkel ändert.
Besonders toll wird diese Gestaltungsmöglichkeit in vielen Krimibüchern von Tess Gerritsen verwendet. Eindrucksvoll schwenkt sie zwischen den verschiedenen Personen hin und her, zeichnet mit ihren Gedanken in der Ich- Perspektive oder mit den langen, inneren Monologen von Tätern ein eindrucksvolles, psychologisches und authentisches Profil.

Wichtig ist jedoch, dass man darauf achtet, dass alles stimmig ist.
Im Zweifel gilt weniger ist mehr, um den Leser nicht unnötig zu verwirren.

 

Schreibschule: der Konflikt

Posted on 2008 06, 04 by Lilly

Bisher haben wir uns mit dem Plot und den Charakteren beschäftigt. Allein das macht aber noch keinen spannenden Roman aus. Egal wie originell und umfangreich die Handlung auch sein mag oder wie sorgfältig die Hauptfiguren ausgearbeitet worden sind; das alles würde nur langweilig dahinplätschern, wenn es eines nicht geben würde: Den Konflikt.

Wen interessiert es schon, dass Familie x in den Urlaub fährt, dort eine Menge erlebt und wirklich glücklich ist? Wer möchte wissen, wie der harmonische Alltag eines jungen Liebespaars aussieht?
Damit kann man seinen Leser vielleicht die ersten 5 Seiten unterhalten, aber dann möchte er sehen, dass etwas passiert, dass sich die Handlung entwickelt.

  • Der Schmelztiegel

Am einfachsten (und bei den einfachsten Möglichkeiten wollen für in den ersten Lektionen auch verbleiben) funktioniert das mit einem so genannten Schmelztiegel.
Der Protagonist ist abhängig vom Antagonisten oder andersrum- und deren jeweiligen Interessen verlaufen in entgegen gesetzte Richtungen.
Der Schmelztiegel verhindert, dass sich die Personen einfach voneinander lösen können, um sich unabhängig zu entwickeln. Er hält sie fest zusammen und sorgt somit dafür, dass man sich über kurz oder lang den Tatsachen stellen muss und einen Kampf führt, aus dem nur einer als Gewinner hervortreten kann.
Einfaches Beispiel: Der Ehemann träumt davon mit seiner Familie nach Spanien auszuwandern und dort ein neues Leben zu beginnen. Die Ehefrau möchte sich jedoch nicht von ihren Freunden in Deutschland trennen. Der Schmelztiegel in diesem Fall ist die Ehe, die beide fortführen wollen. Die Geschichte rund um diesen Konflikt und deren Auflösung mag vielleicht nicht die spannendste sein, aber sie hat durchaus mehr Pfeffer als eine normale Alltagsbeschreibung.

  • Keine zu großen Überraschungen

Das interessanteste an einem Konflikt ist zumeist der Höhepunkt- der Moment an welchem alles aufgelöst wird.


Richtig gute Filme oder Bücher halten für diesen Zeitpunkt oft eine Überraschung bereit- eine Wendung, mit dem der Leser nicht gerechnet hat.
Denken wir nur an Romeo und Julia: In dem Moment, in dem sie sich dazu entschlossen hat ihre familiären Bindungen aufzugeben und einem Happy End nichts mehr im Wege steht, müssen beide sterben.
Oder viele Horrorfilme: An der Stelle, an welchem der Spuk aufgelöst wird, wird man noch einmal überrascht, indem der Mörder die Person darstellt, mit welcher man niemals gerechnet hat.
Aber Vorsicht! Diese Überraschungen müssen trotz allem stimmig gestaltet sein und an einem roten Faden hängen. Niemand wird es euch abnehmen, dass die graue Maus von einem Tag auf den anderen zum Supervamp wird.
Natürlich kann ein Antiheld zum Helden werden, aber er muss eine Entwicklung durchlaufen haben. Die Konfrontation mit seinem Gegner muss gedanklich schon durchgespielt worden sein, er sollte sich schon an einem kleineren Hindernis versucht haben. Der Leser wird sich sonst gründlich vereimert fühlen und das Buch genervt zuklappen.
Natürlich ist jeder Roman Fiktion. Aber man sollte sich an das halten, was sich der Ottonormalverbraucher als möglich oder real vorstellen kann.

  • Wie anfangen?

Nehmt euch am besten eure beiden Hauptpersonen und versucht beide in einem Schmelztiegel zu stecken.
Sind es die besten Freundinnen? Der Polizist und der Kriminelle? Oder zwei konkurrierende Sportler?
In meinem Fall wird es die Mutter sein, welche die Gesellschaft darstellt- und Lindie, die dieser Gesellschaft nicht entfliehen kann und gleichermaßen, aufgrund von Geldmangel, auch nicht der Obhut ihrer Mutter.

  • So oder so rum?

In manchen Fällen ist es interessanter erst einen Plot zu gestalten und dann detaillierte Konflikte mit einzubauen. In anderen wiederum macht es mehr Sinn erst einen Konflikt auszuwählen, diesen zu zentralisieren und drum herum eine Geschichte zu gestalten.
Probiert aus, was euch leichter fällt! Wie gesagt, wirkliche Regeln gibt es nicht.


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