Archive for the ‘Kommentiert’ Category

Keine Zuzahlungen bei Verlägen!

Posted on 2008 06, 27 by Lilly

Auf verschiedenen Seiten habe ich schon “Erfolgsstories” von Jungautoren gelesen, die beschrieben haben, auf welche Weise sie an einen Verlag gekommen sind. Die meisten von Ihnen sind bei den sogenannten Zuschussverläge gelandet. Ob das Glück war? Eher nicht.
Ich werde hier nicht alle über einen Kamm scheren, da ich von den verschiedensten Details so viel Ahnung habe, wie von griechischer Anthropologie (Kenntnisse entsprechen der Zahl null, richtig geraten); wenn jedoch direkt eine Kampagne gestartet wird, die darauf hinweist sich dort in Acht zu nehmen, dann halte ich es für erwähnenswert.

Dass die Verläge einem nicht unbedingt nur Böses wollen, glaube ich schon. Sie sind bereit verschiedenste Werke zu publizieren; wollen aber kein allzu großes, wirtschaftliches Risiko eingehen und beteiligen somit die Autoren bei den Herstellungskosten. Kosten, die laut Kritiker jedoch in einem unangemessenen Verhältnis zu den eigentlichen Materialkosten stehen.
Die Frage ist dann: Wozu sollte man sich der Verlag also noch großartig bemühen- Lesungen arrangieren und die Werbetrommel schlagen? Das ist alles mit einem Haufen mehr an Kosten verbunden. Jedes Buch was per Zufall verkauft wird, bedeutet einen Gewinn. Jedes nicht verkaufte Buch aber keinen Verlust.
Man könnte also davon ausgehen, dass es dem Verlag nicht allzu viel bedeutet einen einzelnen groß raus zu bringen.

Wenn man bedenkt, dass viele Buchhandlungen einen Großteil dieser Zuschussverläge boykottiert, worin besteht dann der Vorteil gegenüber Eigenverlägen wie lulu (siehe Artikel: Dein Buch wird veröffentlicht- garantiert! )?
Zweiteres verspricht ohne aktives Zutun keinen großen Erfolg- jedoch zahlt man auch nichts, sofern nichts verkauft wird.

Weiterhin hat man als Jungautor bei “seriösen” Verlägen keine Chance mehr unter Vertrag genommen zu werden, wenn man einmal mit Zuschüssen veröffentlicht hat.
Das Risiken- nicht nur die wirtschaftlichen- sollten also genau abgewägt werden.

EM2008: Fußballfrust und Leselust?

Posted on 2008 06, 11 by Lilly

Ich glaube ich werde schizophren. Da habe ich gestern Nacht- hundemüde- in einem Blog ein Artikel entdeckt, der Fußballfieber mit Literaturgenuss vergleicht. Zumindest glaube ich diesen gelesen zu haben. Ich kann ihn heute nirgendwo mehr finden.
Wie kann man so blöd sein und vergessen eine Seite zu bookmarken, über die man schreiben will?
Nun, kurz zusammengefasst:
Die Schreiberin, ein Fußballmuffel, hat sich über die EM-Euphorie aufgeregt und fragt sich warum die Menschen niemals so aus dem Häuschen geraten, wenn es um Bücher geht. Warum Bücherfans nicht laut in der Straßenbahn grölen und Buchseiten vorlesen oder warum Lesungen mit anschließenden Diskussionen nicht als echtes Gemeinschaftsgefühl empfunden werden im Gegensatz zu den angeblich „gefakten“ Fußball-Emotionen.

Aber mal ehrlich. Kann man Fußball und Literatur wirklich miteinander vergleichen?
Das lässt mich leicht schmunzeln, denn es scheint mir ein wenig wie der Vergleich von Gurken und Erdbeeren mit der anschließenden Nachfrage warum Gurken denn nicht auch süß seien.
Natürlich kann ein tolles Buch genauso spannend sein, wie Fußballspiel.
Der Unterschied ist jedoch, dass Lesen zumeist ein sehr privates, teils auch intimes Erlebnis ist, während das Ballspiel erst dann seinen richtigen Charakter entfalten kann, wenn eine Gemeinschaft versammelt ist.

Klar gibt es auch Literaturgemeinschaften wie VHS-Gruppen oder Lesungen. Aber wo ist da der Reiz für sämtliche Bücherratten?
Ich bin auch ein leidenschaftlicher Leser, aber meine Bücher möchte ich für mich persönlich haben, genießen, vor Aufregung zuschlagen, innehalten, um dann tief Luft zu holen und wie gebannt an entsprechender Stelle weiter zu lesen.

Fußball ist etwas vollkommen anders. Das kann ich in meiner Einsamkeit nicht genießen. Das Spiel schreit gerade so nach Supporter. Es ist Gemeinschaftsgefühl, Heimat, Lokalpatriotismus, ein freundschaftlicher Wettbewerb.
Und eine EM oder WM ist so ein bisschen wie Weihnachten: sie wecken Kindheitserinnerungen, schüren Vorfreude und bringen eine Menge Traditionen und Rituale mit sich. (Gesänge, Bier, bunte Fahnen, Spielpläne zum Ausfüllen etc.)

Würde ein Leser sein Buch laut in der Straßenbahn oder im Bus vorlesen und die Fußballfans sich ganz im Stillen für sich selbst freuen, dann würde es mich auch nicht wundern, wenn ACDC in Universitäten auftreten, während man in den angesagtesten Clubs die Nächte durch
 …über Franz Kafka sinnieren würde.

Ein Buch ist ein Gegenstand. Eine wundervolle, fiktionale Welt.
Aber Fußball ist ein Lebensgefühl, es ist „Jetzt“, es ist Realität.
Hat man einmal mit Hunderttausenden die Nationalhymne gegröhlt, ist dem Nebenmann vor Freude heulend in die Arme gesprungen oder hat eine Nacht ausgelassen mit den Nationen der Welt gefeiert, weiß man, dass es sich um echte Emotionen handelt und kein „Pseudo-wir-haben-uns-alle-lieb.“
Fußball ist ein Teil dieser Welt. Ein Buch nur ein Abbild dieser.
Aber Fußball und Bücher sind auch keine Gegensätze …

… sagte sie und nahm das verstaubte Antiquariat WM Mexiko 1986 aus ihrem Regal.

Auf ein faires und spannendes Turnir!


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