Liza Marklund – Kalter Süden

Posted on September 3, 2009 by Lilly

kaltersuden


Ich habe noch nie etwas von Liza Marklund gelesen, habe aber dennoch bei vorablesen mitgemacht, und auch mal wieder etwas gewonnen.
Die Leseprobe erinnert mich ein wenig an Stieg Larssons Bücher, habe ich geschrieben. Und genau deswegen war ich auch neugierig auf den Roman, der, bedenkt man, dass dies bereits der 8.Teil einer Krimiserie ist, damit eigentlich ein wenig abschreckend gewirkt hat.

Der achte Fall der schwedischen Journalistin Annika Bengtzon ist ein riesiges Konstrukt aus Gasmorden, Vermisstenfällen und Drogenhandel an der spanischen Küste, die Geschichte dreier Frauen, die als Kinder nach dem Weltkrieg zusammengefunden und ein gemeinsames Schicksal erlitten haben, und einigen Fäden, die sie noch aus ihren Vorgängerromanen herausgesponnen hat.

Ich fand den eigentlichen Konflikt viel zu kompliziert und konstruiert. Es waren viel zu viele Personen beteiligt, es wurde heißer gekocht, als gegessen und ständig habe ich mich gefragt “Wie kommt Annika da jetzt drauf?”, “Warum stellt sie genau diese Fragen?” und “Warum tut sie nicht, was sie soll?”
Ein Beispiel: Sie fährt spät am Abend irgendwo in Marokko Taxi. Es gibt keine Lichter um sie herum, sie fahren auf einem unbefestigten Weg. Annika hat keinerlei Gepäck bei sich, nicht einmal ein Ladegerät für ihr Handy. Ihr Ziel ist eine Farm, die von außen an einen Hochsicherheitstrakt erinnert. Sie ist nie dort gewesen, hat keine Ahnung, ob man ihr freundlich gesinnt ist – aber sie lässt den Taxifahrer losfahren und bleibt allein in dieser Einöde. Ich habe heftig den Kopf geschüttelt, und wollte sie anflehen dieses Vorhaben bei Tageslicht anzugehen, aber sie wollte nicht auf mich hören.
Aber zufälliger Weise kommt man ihr aber entgegen, und alles verläuft mehr oder weniger, wie sie es sich vorgestellt hat. So wie auch jede Person mit ihr sprechen wollte, wenn sie exklusive Informationen benötigte; ja, sie sogar freundschaftlich behandelt hat.
Wäre sie Polizistin gewesen, nun gut. Aber als Journalistin, die immer nach der nächsten Sensation giert? Es gab quasi keine Hindernisse für sie, allenfalls ein paar Verzögerungen.

Geliebt habe ich aber die authentischen Alltagsbeschreibungen. Mittlerweile finde ich es typisch schwedisch, dass ständig übers Essen geredet wird. Hackfleischbällchen und Kartoffelbrei zuhause in Stockholm, Wein und auf spanisch bestellte Gerichte an der Costa del Sol. Dazwischen hektische Telefonate, immer eine neue Spur und immer ein neues Ärgernis.

Auch nach dem Lesen des gesamten Romans bleibe ich dabei. Liza Marklunds Stil erinnert entfernt an Stieg Larsson. Die neue Freundin ihres Mannes nennt sie Sophia dumme Schlampe Grenborg. Larsson-Fans erinnern sich hier sicher wieder an Kalle Fucking Blomqvist.
Dazu kommt etwas schwedischer Lifestyle, Journalisten, Ärger in der Redaktion, Kontakte zu Polizisten und Staatsmitarbeitern und ständige Hektik.

Gleichzeitig muss ich aber auch sagen, dass ich Marklund auch ein klein wenig zu oberflächlich fand. Sie hat viele sehr schöne Ansätze und Gedankengänge, gibt diesen aber nicht viel mehr Raum, als einigen Sätzen jeweils an den Kapitelenden. Ihre Handlung ist einfach zu kompakt, um sie noch groß ausschmücken zu können.

Außerdem bin ich mir nicht sicher, ob ich die Protagonistin mag. Einerseits imponiert sie mir, mit ihrer direkten, zielorientierten und teilweise auch schroffen Art. Sie lässt sich nicht ärgern, schluckt Provokationen herunter und behandelt Menschen, die sie nicht leiden kann, kühl und professionell.
Auf der anderen Seite hat sie eine Schwäche für Männer. Damit will ich nicht sagen, dass sie leicht zu haben ist, sondern dass sie in all ihrer Stärke meine Bewunderung verliert, wenn sie sich am Ende doch wieder weichspülen lässt.
Aber lest selbst!

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