Dave King – Homecoming

Posted on September 2, 2009 by www.kirstenmarohn.de

homecoming

Ich weiß nicht mehr, wie ich an dieses Buch gekommen bin. So ergeht es mir mit den meisten meiner Lieblingsbücher – sie schienen eines Tages einfach da zu sein. Vom Himmel gefallen. Im Buchladen in die erste Reihe geschoben. Von eben auf jetzt in meinen Blickfang gerutscht. Als ob sie gelesen werden wollen, als ob sie bereit sind, sich einem neuen Leser anzuvertrauen.

Homecoming, das im amerikanischen den etwas merkwürdig anmutenden Titel The Ha-Ha aufweist, zählt zu den Büchern, die aus meinem Bücherregal nicht mehr wegzudenken sind, die ich jederzeit in meine persönliche Top Ten aufnehmen, die ich auf eine einsame Insel mitnehmen würde. Und dieses Buch verdient jede Aufmerksamkeit, die es bekommen kann, wurde es doch 2006 etwas unglücklich in dem Insolvenz anmeldenden Aufbau Verlag veröffentlicht. Trotzdem der Autor hierzulande auf großer Lesetour war, geschah dem Buch, was so vielen guten Büchern passiert, die nicht die nötigen Befürworter finden: Sie verschwinden einfach in der Versenkung. Dabei hat sich mittlerweile sogar Hollywood dieses Romans angenommen und ist dabei, diesen Stoff zu verfilmen, nicht immer spricht diese Tatsache für einen Roman – man denke nur an die sprichwörtlich grausamen Stephen King Adaptionen -, aber in diesem Fall ist das Medieninteresse vollauf gerechtfertigt.

Der Autor Dave King, geboren 1955 in Meriden, Connecticut, studierte u.a. Malerei und Film, hat einen MFA in Writing und arbeitete interessanter Weise als Florist, Barkeeper, Dekorateur, Maler, Lektor und Lehrer. Interessanter Weise deshalb, weil mein Respekt vor Leuten aus der schreibenden Zunft nochmals in die Höhe schnellt, wenn ich lese, dass diese Leute mal zur Abwechslung gänzlich anderen Berufen in ihrer “Freizeit” nachgehen, die wenig bis gar nichts mit dem Schreiben zu tun haben. Natürlich ist es schwer, einen Bestseller zu schreiben oder einfach nur ein gutes Buch, aber ich bin der Meinung, dass es Leuten, die über das nötige Vitam B verfügen – Journalist beim SPIEGEL, Familie aus dem Verlagswesen, bekannte Autoren in der Familie etc.etc. – durchaus leichter fällt, einen Fuß in diese umworbene Tür zu bekommen als bespielsweise einem schreibenden Floristen wie in diesem Fall. Auch wenn es unfair erscheint, aber dem einfachen Mann/Frau aus dem Volk galten seit jeher meine größeren Sympathien.

Worum geht es in Homecoming?
Gleich zu Beginn dieses 470 Seiten dicken Buches lernen wir unsere Hauptperson kennen: Howard Kapostash. Howard ist ein einsamer Mann. Er lebt zurückgezogen im Haus seiner verstorbenen Eltern und vermietet Zimmer an zwei Gelegenheitsjobber und eine vietnamesische Suppenköchin. Seit einem tragischen Kriegsunfall vor dreißig Jahren, ist im Klappentext zu lesen, kann Howard weder sprechen noch schreiben, doch Howard, der uns hier an seiner Geschichte in der Ich-Form teilhaben lässt, ist weder langsam noch geistig behindert. Howard kann sich auf seine ihm ganz eigene Art und Weise mitteilen: Wortbrocken hervorzuwürgen ist u.a. Howards Form der Kommunikation mit seinen Mitmenschen; Mitmenschen, die aufgrund Howards entstelltem Äußeren meist Abstand zu ihm halten. Trotz all dieser Widrigkeiten kommt Howard zurecht, wäre da nur nicht die Wärme und die Liebe, die in seinem Leben fehlen.

Das Buch beginnt damit, dass eines Tages Sylvia, Howards Highschool Liebe, vor der Tür steht und Howard bittet, für ein paar Tage auf ihren 9-jährigen Sohn Ryan aufzupassen. Sylvia hat ihre ganz eigenen Probleme, genauer gesagt Drogenprobleme, und will eine Entziehungskur machen. Als aus den angekündigten Tagen schließlich Wochen werden, ist im Klappentext zu lesen, beginnt die Gegenwart des Jungen in aller Stille Howards Leben zu verändern. Er öffnet sich den Menschen in seiner Umgebung und erfährt zum ersten Mal seit langer Zeit, wie es ist, eine Familie zu haben. Als Sylvia aus der Klinik zurückkehrt und ihren Sohn zurück haben will, überschlagen sich die Ereignisse. Howard muss um sein neugewonnenes Zuhause kämpfen …

Stilsicher und mit literarisch leichten und präzisen Tönen erinnert Homecoming mit seiner emotionalen Tiefe an Kinowelterfolge wie Rain Man und Zeit des Erwachens. Der Leser, berichtete der Boston Globe, kann spüren, dass diese Menschen am Ende glücklich sind.

Und dem kann ich mich nur anschließen: Am Ende dieses großartigen Romans war ich rundum glücklich, und ist das nicht weit mehr, als man von einem Buch erwarten kann?

Auch interessant:

  1. Stephen King – Sunset

Leave a Reply

Name

Email

Website