Michael Jackson und das makabere Geschäft

Posted on Juni 27, 2009 by Lilly

michaelEr war ein Weltstar. Und es ist sicherlich nichts falsch daran, dass die Meldung seines Todes um die Welt geht. Auf jeder Webseite findet man die Informationen, jeder Radio- und TV-Sender hinterfragt die Gründe. Natürlicher Tod? Medikamentenmissbrauch? Vielleicht auch ein Arztfehler?
Sollen sie spekulieren. Das ist sicherlich auch ein stückweit Realitätsflucht; eine Möglichkeit der Fassungslosigkeit zu entgehen und sich nicht mit seiner eigenen Sterblichkeit zu befassen.

Was mich aber wütend macht und was ich absolut makaber finde, ist das Geschäft mit dem Tod, das von verschiedenen Seiten bereits nach einem Tag aufgenommen wird.
Und richtig enttäuschend finde ich, dass sich auch Amazon dabei einreiht. Vor ein paar Minuten habe ich die Hauptseite besucht. Oben rechts wurde das gleiche Kästchen gepostet wie hier in diesem Artikel.
Wohin kommt man, wenn man dem Pfad folgt?
Zu den Michael-Jackson mp3′s. Er ist in aller Munde, da kann man doch gleich mal mit Downloads dick Schotter machen, oder? Frei nach dem Motto there is no such thing as bad press.

michaelamazon

Mir hat nur noch ein dicker roter Banner mit folgender Aufschrift gefehlt:

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Comments

  • Nomadenseele on Juni 27th, 2009

    Ich kann diese ganze Jackson-Manie nicht nachvollziehen – er hat sein Leben gehabt und es durch Medikamente und Operationen bis er aussah wie ein Freak selbst gegen die Wand gefahren.
    Das man mit 50 nicht mehr von 0 auf 100 kommt, nachdem man jahrelang ausgesetzt hat, dürfte auch klar sein, das macht kein Körper mit.
    Jedes Kind, welches nie eine Chance hatte und an Hunger / Krankheiten stirbt ist tragischer.

  • Lilly on Juni 27th, 2009

    Ich gebe dir recht.

  • Nina on Juni 27th, 2009

    Er mag sein Leben an die Wand gefahren haben, aber ich möchte nicht wissen, was ihn dazu getrieben hat. Für mich war er immer eine tragische Figur, die einsam und unglücklich wirkte.
    Außerdem, wer ich bin ich denn, mir anzumaßen, den Tod eines Menschen in verschiedene Stufen der Tragik einzuordnen? Da ist jemand gestorben und das ist immer beschissen und auf seine Art tragisch. Vor allem für seine Kinder, die viel zu früh ihren Vater verloren haben.
    Ich war auch geschockt, denn seine Musik ist ein Teil meiner Kindheit, er war einer der allerersten Künstler, an die ich mich erinnern kann. Vergleichbare Stars wie ihn und Madonna z.B. gibt es für mich heute kaum noch.
    Dass nun wieder der große Profit aus seinem Tod geschlagen wird, finde ich abartig. Ich habe den Hinweis auf amazon auch gesehen und von etlichen Online-Versandhäusern Werbemails mit Jackson-Special-Angeboten erhalten. Da fehlen mir die Worte.

  • Melli on Juni 27th, 2009

    Auch ich bin mit Michael Jackson groß geworden und ich glaube “Bad” war eine meiner ersten LP’s überhaupt. Aber schon seit Jahren höre ich nicht mehr seine Musik und eigentlich hat er mich auch nicht mehr wirklich interessiert.

    Ich war zwar schon ein klein wenig geschockt, als ich es gestern morgen im Radio hörte, kam sein Tod doch aus heiterem Himmel, aber ich kann nicht sagen, dass es mich den ganzen Tag beschäftigt hätte, wäre da nicht mein Radiosender. Der hat nämlich fleissig dafür gesorgt, dass auch ja jeder immer wieder an seinen Tod erinnert wird. Ich glaube, etwa alle 20 Minuten haben sie einen Song von ihm gespielt, alle halbe Stunde fette Schlagzeilen in den News gebracht. Und genau das ging mir dann auf den Zeiger und ich war froh, als Louis gestern Nachmittag mein Radio haben wollte.
    Aber auch heute morgen ist es nicht besser, ich saß gerade 5 Minuten in der Küche, da ging die Michael Jackson-Manie im Radio weiter und ich wurde mit “Thriller” beglückt. Und so geht es heute eigentlich genauso weiter wie es gestern begann. Tut mir leid, mich nervt das nur noch und von daher kann ich nicht einmal mehr sagen, dass es mich irgendwie berührt, dass der King of Pop tot ist.

    Leid tut es mir eigentlich nur für die eingefleischten Fans, die sich so auf sein Comeback gefreut haben…
    Und ich finde es auch ein wenig tragisch, dass niemand über Farrah Fawcetts Tod spricht, da ja ein viel größerer Promi am gleichen Tag gestorben ist und alles sich nur noch darum dreht.

    Dass mit seinem Tod jetzt das dicke Geschäft beginnt, war eigentlich klar und wundert mich auch nicht und ich kann auch nicht sagen, dass es mich besonders abstößt. Denn war es mit Queen bzw. Freddie Mercury nicht das gleiche als er starb? Ich glaube, es ist einfach ganz normal… *schulterzuck*

    Und ich vermute, auch der DvD-Verkauf seiner Filme stieg nach Heath Ledgers Tod drastisch an und als Barbara Rudnik starb (was mich ehrlich gesagt wesentlich mehr schockiert hat als die gestrige Nachricht) haben die öffentlich-rechtlichen Sender auch gleich ihre Filme gezeigt.

  • Kirsten on Juni 27th, 2009

    Dass Michael Jackson sein “Leben selbst gegen die Wand gefahren hat”, finde ich nicht eben taktvoll ausgedrückt. Jedem seine Meinung, aber schaut man sich Jacksons Lebenslauf an, angefangen von einem überdominanten Vater, der seinen Kindern jegliche Kindheit geraubt hat, indem er sie frühzeitig (und früh heißt mit 5 Jahren) ins Showbusiness schickte und regelrecht auf Fleiß und Erfolg drillte und dessen Gewaltausbrüche gegenüber seinen Kindern – und da sprechen wir nur von Schlägen, wer weiß, was er seinen Kindern noch angetan hat … – sicherlich nicht spurlos an einer Kinderseele vorüber gegangen ist, bleibt zu fragen, ob nicht jeder nach einem derartig gespaltenen Eltern-Kind-Verhältnis einen Knacks davon getragen hätte. Nicht umsonst hat sich Jackson nie zu einem “richtigen” Erwachsenen entwickelt, sondern ist durch den Bau seiner Neverland Ranch und seiner Liebe zu Kindern (und das meine ich ehrlich, ich habe nie viel auf die Gerüchte gegeben, Jackson hätte Kinder missbraucht. Noch ein Hinweis, wie neidisch viele auf Erfolg sind.) stets das ewige Kind geblieben, das wahrscheinlich tief in sich immer Geborgenheit und Liebe suchte. Dass sich Jackson trotz einer brutalen Kindheit nicht nach innen gekehrt, sondern seinen Ausdruck in seiner Kreativietät und tänzerischen Ader gesucht und sich dadurch nach außen mitgeteilt hat, ist bemerkenswert, wenn nicht sogar höchst erstaunlich. So manch einer wäre unter diesem Druck zerbrochen und nicht mehr fähig gewesen, überhaupt noch etwas zustande zu bringen, geschweige denn der erfolgreichste Künstler aller Zeiten zu werden. Anscheinend hat es bei Jackson “nur” ein paar Jahre länger gedauert, bis er mit 50 nicht mehr konnte. Ob nun Jackson Fan oder nicht, das Ganze ist tragisch und traurig. Egal, ob es um einen Superstar geht oder einen Menschen aus der Nachbarschaft – wenn jemand stirbt, sollte man nicht sagen, “er hätte sein Leben an die Wand gefahren.” Hinter jeder Fassade steckt eine Geschichte und meist kennen wir diese nicht mal zu einem Bruchteil, also urteilt nicht so schnell.

    Dass bei Amazon so ein Link zu finden ist, liegt sicherlich auch daran, dass die Jackson CDs plötzlich zum Verkaufsschlager geworden sind (so ist es jedenfalls gestern in den Nachrichten erwähnt worden). Amazon macht in meinen Augen deswegen nichts anderes, als mit jedem anderen Artikel auch, der sich gut verkauft: Werbung.

  • Lilly on Juni 27th, 2009

    Werbung mit Tod finde ich makaberer als den simplen Fakt, dass er sein Leben an die Wand gefahren hat.
    Welche Gründe auch immer, mögen sie auch noch so nachvollziehbar sein: er hat eine Chance gehabt. Diese OP’s haben seinen Körper sicherlich mehr zugesetzt, als die seelischen Probleme. (damit meine ich nicht, dass er darunter mehr gelitten hat, sondern dass sie sicherlich ihren Teil zum letztendlichen Herzstillstand beigetragen haben)

    Natürlich, wenn eine Person stirbt ist das traurig.
    Aber ich gebe zu, dass ich nicht um jede Person gleich trauern kann.
    Wenn das Kind der Nachbarin stirbt, dann berührt mich das mehr, als das tragische Leben eines Superstars; vielleicht aus deswegen, weil sich die Welt nach so einem “alltäglichen Ereignis” viel zu schnell weiterdreht.

  • Nomadenseele on Juni 28th, 2009

    Egal, ich habe das Gefühl, den Leuten (ja auch den Fans!) gehen die Relationen schwimmen: Die Tausende Kinder die in Afrika und anderswo ohne eine Chance auf Heilung bzw. an Hunger elendig sterben, bedauere ich wesentlich mehr.

  • Kirsten on Juni 28th, 2009

    Genau, diese EGAL-Einstellung ist es. Jeder sucht sich seinen “Liebling” aus, der ihm am nächsten steht: “Hier trauere ich ein wenig mehr, das trauere ich gar nicht und dort wiederum zeige ich meinen Zynismus”. Das ist verachtenswert. Wenn jemand stirbt, muss man nicht trauern, schon gar nicht, wenn man denjenigen nicht kennt, aber zwischen Nicht-Trauern und darüber keine Witze machen oder über sein Leben zu urteilen – das man nicht mal ansatzweise kennt -, besteht ein himmelweiter Unterschied.

    Werbung mit Tod finde ich ebenfalls makaber, wenn dies der alleinige Grund für die Werbung ist. Ist ein Produkt jedoch zusätzlich ein Verkaufsschlager ist das in meinen Augen – nachwievor – etwas anderes. Dass der Verkauf von Tonträgern durch den Tod eines Künstlers in Rekordhöhen schießen, finde ich viel makabrer. Was sind das für Leute, die sich plötzlich dutzendweise Jackson CDs zulegen, weil er jetzt tot ist? Was macht einen Mensch durch den Tod faszinierender? DARÜBER sollte man urteilen oder verurteilen. Dass Amazon auf seiner Webseite Artikel promoted, die sich gut verkaufen – das ist nichts Neues.

  • Eddie on Juni 28th, 2009

    Die Reaktion von Amazon auf Michael Jackson Tod ist wirklich nichts Neues. Die gleiche Strategie erfolgte nach dem Tod von Kurt Cobain; ebenso als Johnny Cash starb und dadurch ein Boom auf seine CDs ausgelöst wurde.

    In erster Linie sind daher die Konsumenten für solch eine Aktion verantwortlich. Würden nicht so viele Leute vermehrt bestellen, sobald ein Künstler stirbt, hätte Amazon vermutlich gar kein Interesse, die Werke dieser Künstler auf ne deratige makabere Art anzupreisen.

  • Lilly on Juni 28th, 2009

    Wozu muss Amazon die Produkte aber anpreisen, wenn sie sich sowieso wie von selbst verkaufen?
    Dass auch nach dem Tod eines Künstlers Werbung für ihn gemacht wird, das steht garnicht zur Debatte. Das finde ich nicht verwerflich – denn das wünscht sich doch eigentlich jeder, oder? Unvergessen zu bleiben.

    Aber schon einen Tag nach dem Tod damit zu beginnen?! Sein Körper ist noch nichtmal ganz kalt, geschweige denn unter der Erde.
    Die Werbung für seine Musik sieht für mich nicht nach “um der Nachfrage gerecht zu werden”, sondern “die weltweite Nachrichtenerstattung für unsere Zwecke nutzen” aus.

    Wer das in Ordnung findet, okay.
    Mit meiner Moralvorstellung deckt sich das nicht.

  • Eddie on Juni 28th, 2009

    Es ist natürlich nicht in Ordnung, den eben erfolgten Tod eines Künstlers derart schamlos auszunutzen, und den Leuten die Produkte anzudrehen.
    Diese herz- und respektlose Maschinerie verachte ich ebenso wie Du.

    Es ist schlichtweg erbärmlich, dass beinahe synchron mit dem Tod eines Künstlers noch schnell versucht wird Kohle zu machen. Das sieht für mich so aus, als würden in dieser Zeit die meisten diese Trauer dafür nutzen, um schnell was zu bestellen.

    Von daher kann ich für all diejenigen, die erst durch den Tod von Michael Jackson Interesse an seiner Musik zeigen, kein Verständnis aufbringen.

  • Nomadenseele on Juni 29th, 2009

    Von daher kann ich für all diejenigen, die erst durch den Tod von Michael Jackson Interesse an seiner Musik zeigen, kein Verständnis aufbringen
    ____

    Also auch nicht für die, die noch zu jung sind ihn erlebt zu haben und auf Youtube die Clips ganz cool fanden?

  • Olaf Wulf on Juni 29th, 2009

    Ich möchte die Kommentare von Kirsten ausdrücklich loben – sehr klug. Zunächst einmal finde ich es äußerst zynisch über verschiedene Qualitäten der Trauer zu diskutieren, wieso ist ein an finanziellen Mitteln armer Mensch oder Kinder in Afrika bemitleidenswerter, als Michael Jackson. Erschließt sich mir nicht. Michael J. war aufgrund seiner Kindheit sicherlich genauso schlecht dran. Und sein bizarrer Lebensstil eher Ausruck dafür. “Er hat sein Leben an die Wand gefahren” Mag sein, aber wer will den ersten Stein werfen ? Dennoch war er eine traurige Gestalt. Überhaupt finde ich es auch eher befremdlich von echter Trauer zu sprechen, solange man jemanden nicht persönlich gekannt hat. Warum ist es schlimm, dass Farah Facett nicht so einen Hype auslöst ? Max Mustermann oder Liesschen Müller sind an dem Tag auch ohne Öffentlichkeit gestorben. Bei M.J. wird doch nur so ein Hype gemacht, weil er für eine ganze Generation des Pops stand. Der Mann hat Musikgeschichte geschrieben. Das hat mit Amazon null zu tun, die Leute sind völlig ausser Rand und Band und alle die bisher noch keine CD hatten holen das jetzt nach. Und ?
    Was sollte daran moralisch verwerflich sein ? Seine Musik wird ihn unsterblich machen und damit hat er den meisten Menschen etwas voraus. Glaubt ihr er hätte etwas dagegen, dass seine Plattenverkäufe noch höher schnellen ?

  • Lilly on Juni 29th, 2009

    @ Olaf Wulf:
    In meinem Artikel geht es erstmal nur um Amazon. Nicht, weil sie Michael Jacksons Musik verkaufen, sondern weil sie in diesem “Trauer”-Hype einstimmen und bewusst auf der Startseite nochmal auf die Tatsache aufmerksam machen, dass Michael jetzt ja leider, leider verstorben ist. Warum? Damit auch der letzte checkt, dass seine Musik ja toll war – so lange, wie sein Ableben noch in aller Munde ist.
    DAS finde ich verwerflich.
    Man muss nicht trauern, das tu ich auch nicht, aber rein aus Pietätsgründen würde ich persönlich warten, bis sein Leichnam unter der Erde ist.

    Zum anderen Thema:

    Zunächst einmal finde ich es äußerst zynisch über verschiedene Qualitäten der Trauer zu diskutieren, wieso ist ein an finanziellen Mitteln armer Mensch oder Kinder in Afrika bemitleidenswerter, als Michael Jackson.

    Ich kann da nur für mich sprechen – aber ich habe manchmal das Gefühl manchen Menschen geht der Sinn für die Realität verloren.
    Tausende Menschen wie du und ich sterben Tag für Tag. Nicht weil die besten Ärzte sie nicht retten können, nicht weil sie alt sind oder sich mit Drogen und Alkohol vollgepumpt haben.
    Sie sterben an Infektionen, Hunger oder Durst.
    Das Elend ist so groß, dass der Großteil der Menschen lieber die Augen verschließt und die Situation negiert. Sie spenden nicht, weil sie glauben sowieso nichts bewegen zu können.
    Aber sie setzen sich mit betroffenen Mienen vor den Fernseher und verbreiten fassungslos und trauernd die Nachricht von Michaels Tod, das “Unglaubliche”, bevor ihnen einfällt dass er ein guter Musiker war – und sie nun schnellstmöglich CD’s und mp3′s kaufen müssen.

    Ich möchte mich nicht als Gutmensch darstellen; ich bin auch schnell erschüttert über Kleinigkeiten und sage mir dann nicht “aber die Kinder in Afrika” … aber in diesem Fall von medialen Trauer-Hype fehlt mir wirklich die Relation.
    Nicht weil dieser Mensch oder jener Mensch bedauernswerter ist, sondern weil ein Menschenleben im Vergleich zu Tausenden das kleinere Übel ist. Vielleicht nicht für den Einzelnen und ganz sicher nicht für die Angehörigen.
    Aber wir sprechen hier über weltweite Berichterstattung, und auch über seriöse Nachrichtensendungen. Was ist mit denen los?
    Sind die nicht dafür die da die Augen zu öffnen, anstatt in den Boulevard-Tenor mit einzustimmen und den Leuten das zu erzählen, was sie hören wollen?

  • Nomadenseele on Juni 29th, 2009

    Ich möchte die Kommentare von Kirsten ausdrücklich loben – sehr klug. Zunächst einmal finde ich es äußerst zynisch über verschiedene Qualitäten der Trauer zu diskutieren, wieso ist ein an finanziellen Mitteln armer Mensch oder Kinder in Afrika bemitleidenswerter, als Michael Jackson. Erschließt sich mir nicht.

    ____

    Wenn eine mir nahe stehende Person, die ich wirklich (über Jahre hinweg geliebt habe), dann trauere ich noch jahre danach; ich habe 2001 eine sehr liebe Person verloren und immer wenn ich an sie denke, kommen mir heute noch die Tränen. DAS ist echte Trauer und kein Geheule um eine Person, die ich nie kennengelernt hätte (und wenn ich mir den Jackson-Film auf Arte + 7 ansehe, war das auch gut so). Ich war auch damals Fan von Guns`n`Roses und Bon Jovi und vieleicht wäre es DAMALS auch schlimm für mich gewesen, wenn da etwas passiert wäre – heute würde es bei mir nur ein Schulterzucken auslösen. Der Mann war komplett abgemeldet (vgl. Grafik unten http://wortschatz.uni-leipzig.de/wort-des-tages/2009/06/29/Jackson.html )

    Was mir wirklich die Tränen in die Augen schießen lässt sind Bildern von Kinder, die mit 3 Jahren bereits arbeiten müssen oder an Hunger / Krankheiten sterben, während die Mütter hilflos daneben sitzen – einfach angesichts des Elends dieser Welt.
    Aber doch nicht um einen Mann, der größenwahnsinnig war, höchstwahrscheinlich Kinder mißbrauchte, dem die Welt offen stand und mit 50 auf einmal meint wieder Hochleistungssport (und nichts anderes sind Bühnenshows) betreiben zu müssen.

    Letztendlich kuriert vom letzen Mitleid hat mich folgender Film: Michael Jackson – Die ganze Wahrheit

    http://plus7.arte.tv/de/detailPage/1697660,CmC=2725112,scheduleId=2676314.html

    Samstag 27 Juni 2009 um 20.15
    Dauer: 43min

    Sicherlich nicht ganz das Thema um das es hier geht – trauern, tut mir leid, das kann ich nicht.

  • Olaf Wulf on Juni 30th, 2009

    Lilly wir sind sicher gar nicht so weit auseinander. Meiner Meinung nach ist jeder Tod von jedem Menschen tragisch und traurig. Natürlich ist man erschütterter, wenn ein Kind stirbt oder ein Mensch aus der Mitte seines Lebens gerissen wird, im Vergleich zum Tode eines Menschen, der mit 85 Jahren nach einem erfüllten Leben stirbt. Was ich aber für zynisch halte ist die Kategorisierung. Arme Kinder in Afrika – schlimm, Mordopfer – schlimmer, Selbstmord – naja selbst schuld, Michal Jackson – selbst schuld hat sein Leben an die Wand gefahren. Es ist gruselig so zu denken, dass hat überhaupt nichts mit Emphatie zu tun, sondern ist fast eine Diskussion über wertes und unwertes Leben. Dieser Hype ist doch nur deshalb, weil er vielmehr als ein Mensch, eine Person war. Er war/ist eine Ikone und hat vielen Menschen Halt gegeben, sie zum Träumen gebracht und was sonst noch. Ich kann es Dir nicht genau sagen, weil ich für einen fremden Menschen nicht so empfinde. Die Medien sind doch nicht eine isolierte Instanz für sich, sondern sie stillen das Informationsbedürfnis der Massen. Wenn Du das alles nicht wissen willst und es Dich nicht interessiert hör weg, schalte um und blättere auf die nächste Seite. Viele Menschen kannten seine Geschichte offensichtlich noch nicht und wollen das wissen. Zu grosses Moralisieren und Pietäts-Diskussionen führen m.E. zu dem Tabuisieren des Todes. Wenn jemand auf der ganzen Welt bekannt ist, dann führt sein Tod zu einer grossen Bestürzung und löst einen Run auf seine Musik, Bilder, Bücher, Filme oder was auch immer aus. Vielleicht wollen die Menschen ihm damit eine Ehre erweisen ich weiß es nicht. Bei mir hat der Tod eines Stars noch nie zu einer Veränderung des Konsums geführt, aber bei vielen anderen Menschen war dies schon immer so, das hat nichts mit den Medien zu tun. Denk´nur ein Mal an verstorbene Maler ! Echte Trauer löst bei mir nur der Tod eines Menschen aus, den ich persönlich gekannt habe, alles andere ist Mitgefühl oder Bestürzung über die Endlichkeit eines jeden Lebens, so reich und berühmt der Mensch auch gewesen sein mag.

  • Nomadenseele on Juni 30th, 2009

    Was ich aber für zynisch halte ist die Kategorisierung. Arme Kinder in Afrika – schlimm, Mordopfer – schlimmer, Selbstmord – naja selbst schuld, Michal Jackson – selbst schuld hat sein Leben an die Wand gefahren
    Es ist gruselig so zu denken, dass hat überhaupt nichts mit Emphatie zu tun, sondern ist fast eine Diskussion über wertes und unwertes Leben.

    ____

    Das ist eine Unterstellung, gegen die ich mich ganz entschieden zu wehr setzen muß.

    Wenn jemand im Alter von 50 – ohnehin ein gefährliches Alter -, seit Jahren zudem abhängig von Schmerzmittel auf einmal meint, wieder Hochleistungssport betreiben zu müssen, nachdem er Jahre nichts gemacht hat, dann ist dieser Tod nicht überraschend. Er hatte alle Chancen, auch noch ein sehr schönes Leben zu haben, hat es aber vorgezogen, sich zu überschulden.
    Auf der anderen Seiten haben wir Kinder, die im Alter von 3 Jahren Schwerstarbeit leisten müssen oder an Hunger / Krankheit sterben ohne je eine Chance im Leben gehabt zu haben – und ja, die bedauere ich wesentlich mehr.

  • Olaf Wulf on Juni 30th, 2009

    ich kann Dir nur wünschen, das nie jemand so über Dein Leben urteilt. Die vermeintlichen “Gutmenschen” sind oft bösartig.

  • Lilly on Juni 30th, 2009

    Ich kategorisiere bestimmt keine Wertigkeit eines Lebens, indem ich verschiedene Tragikstufen des Todes benenne.
    Tod ist Tod und die Betroffenheit der Angehörigen wird die jeweilige Ursache nicht großartig in ihrer Trauer beeinflussen.
    Aber ich sehe es dennoch so, dass Selbstmord und ein Leben in Rausch etwas anderes ist, als ein kleines starkes Menschlein, das verbittert kämpft, da es aber nie eine Chance erhält, am Ende doch verliert.
    Es ist doch ein Unterschied, ob eine 10-jähriges Mädchen brutal vergewaltigt und verstümmelt wird und man sie dann in einem Fluss ertränkt, oder ob die 85-jährige Dame seelig die Augen schließt.
    Das hat nichts damit zu tun, dass das Leben der Kleinen mehr Wert war oder ist.

    Um auf Michael Jackson zu sprechen zu kommen:
    Ich kann die Bestürzung und den Drang nach Informationen nachvollziehen. Wie ich im Artikel schon beschrieben habe, sehe ich das teils auch darin begründet, dass man mit seiner eigenen Endlichkeit konfrontiert wird. Massenverhalten ist immer da zu beobachten, wo der Mensch seine eigene Angst oder seine eigene Bestürzung mit anderen abgleichen will, um auf einem allgemeinen Level einzupendeln.

    Wie dem auch sei, ich muss da garnicht so weit ausholen. Nein, vermutlich sind wir nicht so weit auseinander in unserer Meinung.
    Aber mich macht es einfach fassungslos, dass die Masse so funktioniert: dass sie blind sind für die Schicksale, die sich Tag und Tag ereignen, dass sie das Leid großer Teile der Menschheit mit bestem Gewissen ignorieren können, gleichzeitig aber Trauerminuten abhalten, Blumen und Kerzen kaufen in Anteilnahme für einen Einzelnen.
    Und traurig macht mich, dass die Medien dem nicht entgegenwirken – da nicht aufrütteln.
    Wenn ein Michael Jackson stirbt ist es logisch, dass man darüber spricht. Ich möchte aber auch hören, und zwar ganz bewusst, wie viele Menschen im Durchschnitt wieder an Hunger und Infektionen gestorben sind, ob die Zahlen zurückgegangen sind oder nicht. Wie viele Neuinfektionen es mit Aids gibt oder welche Opfer dieser und jener Bürgerkrieg wieder gebracht hat. Und zwar so lange, bis es jedem bewusst ist.
    Nicht nur Iran und brutale Demonstrationen aus aktuellem Anlass … Unrecht und Leid darf nicht zu etwas Alltäglichem werden.

    Aber vermutlich vermische ich hier zweierlei Dinge …

  • Nomadenseele on Juni 30th, 2009

    ich kann Dir nur wünschen, das nie jemand so über Dein Leben urteilt. Die vermeintlichen “Gutmenschen” sind oft bösartig.

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    Diskutiere nie mit Fanatikern. Thema beendet.
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    Aber mich macht es einfach fassungslos, dass die Masse so funktioniert: dass sie blind sind für die Schicksale, die sich Tag und Tag ereignen, dass sie das Leid großer Teile der Menschheit mit bestem Gewissen ignorieren können, gleichzeitig aber Trauerminuten abhalten, Blumen und Kerzen kaufen in Anteilnahme für einen Einzelnen.
    Und traurig macht mich, dass die Medien dem nicht entgegenwirken – da nicht aufrütteln.

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    Wenn Jacksons Tod etwas bestürzendes für mich hat, dann genau das. Aber wie ich schon schrieb, ich kann grundsätzlich nicht um Fremde *trauern* (ob ich jemals Fan war oder nicht), wirklich kann dies nur seine Familie.

  • Nomadenseele on Juni 30th, 2009

    Nachtrag:

    Ich fass es einfach nicht. Ich fühle mich elend seitdem ich es weiß. Ich laufe völlig verwirrt duch den Tag. Was nun? Ich kannes einfach nicht glauben, will es nicht. Was mach ich denn jetzt ohne ihn? Ich bin seit 20 jahren gestandener Fan und habe ihn immer gegen alles und jeden verteidigt. Habe oft einen Vogel gezeigt bekommen deshalb, aber ich war immer treu. Er war die einzigste Konstante in meinem Leben, einer der immer da war. und jetzt ist er weg. Was mache ich jetzt? Was machen wir alle jetzt ohne ihn?

    —-

    Gerade aus dem Forum gezogen – tut mir leid, wer ohne eine total fremde Person nicht leben kann bzw. der Tod derjenigen jemanden so aus der Bahn wirft, braucht eine Therapie.

    Un noch etwas zum eigentlichen Ursprung des Threads:
    Ich finde es ziemlich normal, dass Amazon und andere damit versuchen Geld zu verdienen – das würde ich als Aktionär auch so erwarten. Wie heißt es so schön: Religion und Moral verderben das Geschäft; wobei ich es nicht einmal unmoralisch finde.

  • Lilly on Juni 30th, 2009

    @ Nomadenseele:
    Wenn ich ehrlich bin, dann finde ich das mit der Therapieempfehlung auch etwas vorschnell geurteilt. Wir stecken doch nicht in andere Menschen drin, um zu wissen, wie sie sich fühlen.

    Und wer darf behaupten, dass Trauer für Menschen, die wir nicht persönlich kennen, krank ist?
    Ist es nicht vielmehr beruhigend, dass nicht nur das Universum und die menschliche Dummheit, nein vielleicht auch das Mitgefühl unendlich ist?

  • Olaf Wulf on Juni 30th, 2009

    @nomadenseele- wenn es Deinem Seelenheil hilft bezeichne mich als Fanatiker. Dennoch bin ich weit davon entfernt. Was mich wirklich stört ist der Vergleich. Wieso soll es den überhaupt geben ? Tod eines Kindes gegenüber Tod eines Prominenten ? Diese Kategorisierung ist unsinnig und unmenschlich. Jeder Tod birgt in sich eine Tragik. Jeder. Für wen entscheidest Du Dich denn, wenn es um ein Kind aus Deutschland im Vergleich zu einem Kind aus Afrika geht, die beide gestorben sind ? Wer bist Du eigentlich, dass Du Dir anmaßt entscheiden zu können, bei wem ein Tod tragisch und bei wem ein Tod logisch und zu erwarten war ?
    Echte persönliche Trauer kann ich selbst auch nur empfinden, wenn ich denjenigen gekannt habe, das habe ich allerdings auch geschrieben. Aber anderen Menschen scheint es anders zu gehen. Wie kannst Du darüber wieder den Stab brechen ? Nomadenseele, ich kann Dir nur empfehlen nicht immer so vorschnell über andere Menschen zu urteilen, die Du gar nicht kennst, sonst könnte sich der Eindruck aufdrängen Du seiest der Fanatiker.
    Ich ergänze meine Aussage: Die Menschen, die sich selbst für “Gutmenschen” halten, sind oft die bösartigsten.

  • Nomadenseele on Juni 30th, 2009

    Ja, hast recht – falls es deinem Seelenheil hilft :P .

  • Fikria on Juli 11th, 2009

    ich bin voll michael jackson fan

    Warum ist der schon tot warum der war ja erst 50 jahre

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