Daniel Glattauer – Alle sieben Wellen

Posted on Februar 15, 2009 by Lilly

Mich macht ja nur nervös, wie melodramatisch du diesen Abschied-Countdown zelebrierst, liebe Emmi. Betreff: Noch vierzehn Nächte. Betreff: Noch dreizehn Nächte. Betreff: Noch zwölf Nächte. Das ist schmerzerfüllter Betrefffetischismus, hochgradiger Betroffenheitsmasochismus. Warum machst du das? Warum machst du es uns noch schwerer, als es sich selbst macht, dadurch, dass es ist, wie es ist?

Den Nachfolgeroman von “Gut gegen Nordwind” habe ich genauso genossen und in einem Rutsch durchgelesen.

Die Geschichte von Emmi und Leo geht in einem gekonnten Email-Roman weiter. Genauso amüsant und spritzig, tiefgründig und kompliziert, knüpft der Roman exakt an dem Ende des alten an. Es wäre wirklich nicht schlecht, wenn es sich dabei um ein einziges Schriftstück gehandelt hätte; gerade weil man im einzelnen wirklich nur ein mager bedrucktes Büchlein in den Händen hält- fast zu wenig für einen Roman.
Aber gut, dass es einen Nachfolger geben sollte, hat Herr Glattauer am Anfang selbst nicht gewusst, sagt er. Ich werde ihm mal glauben. ^^

Emmi gesteht Leo, dass es mit ihrer Ehe nicht mehr so gut steht, dass sie endlich begriffen hat, dass Vernunft nicht das ist, wonach sie sich sehnt. Aber für Leo kommt ihre Erkenntnis zu spät. Er hat sich in Boston neu verliebt und ist fest gewillt es mit seiner “Pam” zu versuchen.
Trotz allem hört der Email-Kontakt der beiden nicht auf. Immer wieder versuchen sie sich aus dieser Verbindung zu winden, einen erneuten Abschied herbei zu führen, ihr Leben einfach ohne den anderen weiter zu führen.
Aber es geht nicht. Zu allem Überfluss führen sie auch noch ein Treffen herbei. Zum Abschied. Dass es natürlich genau die gegenteilige Wirkung hat lässt sich natürlich vermuten.

Ich sehe beide Bücher als Ganzes, denn dieser Roman allein betrachtet bietet nichts neues. Die Spannung wird noch etwas länger aufrecht erhalten, weil es nun Leo ist, der nicht mehr frei ist. Aber ansonsten stellen sie sich exakt den gleichen Fragen und bleiben damit im bekannten Terrain: Wer sind sie eigentlich? Was erwarten sie vom Leben? Und wie stehen sie zueinander?

Anfänglich war ich etwas enttäuscht; ich habe gehofft, dass es sich in diesem Fall um einen “echten” Roman handeln würde. Es hätte dem Nachfolger ein würdiges Kleid verliehen und ihn um einen Tick spannender gemacht. So sind die Treffen einfach ohne unsere Anwesenheit geschehen und sie haben sich im Nachhinein darüber unterhalten. Wer hätte es aber nicht schön gefunden in Emmi hinein zu schlüpfen, wenn sie mit klopfenden Herzen das Café betritt und nach ihrem Leo Ausschau hält? Wer hätte nicht gern mit ihr den Kuss gespürt oder mit Leo seinen romantischen Berührungspunkt?

Ich bleibe dabei: Herr Glattauer schreibt wunderschön, die Thematik ist sehr interessant, Emmi und Leo super konstruiert, aber ein Briefroman ist einfach …. zu einfach. Daher wieder keine volle Rattenzahl.

Auch interessant:

  1. Daniel Glattauer – Gut gegen Nordwind

Comments

  • Eddie on Februar 16th, 2009

    Ich finde die Idee, einen E-Mail-Roman zu schreiben, originell und in diesem Fall genial gelungen.
    Es ist mal was erfrischend anderes, und ich bin beeindruckt, wie es Herr Glattauer geschafft hat, nur anhand von E-Mails eine derart interessante und unterhaltsame und tiefsinnige Lektüre hinzubekommen.
    Für mich eine der schönsten und realsten Liebesgeschichten, die ich jemals gelesen hab.

  • Christiane on Februar 16th, 2009

    Ich habe dieses Buch genauso wie seinen Vorgänger verschlungen. Gerade, dass der Nachfolger in dem gleichen Stil geschrieben wurde, wie “Gut gegen Nordwind” hat mich so begeistert. In eine der Rollen zu schlüpfen, nimmt meiner Meinung nach der Geschichte etwas ganz entscheidendes. So kann man als dritter im Bund, als stiller Mitleser der Geschichte beiwohnen und sieht sich nicht nur aus dem Blickwinkel eines Beteiligten. Für mich musste die Geschichte gar nicht so viel neues bringen, weil ich einfach die Sprache so schön finde, dass ich die Bücher sicher noch weitere Male lesen könnte, und immer wieder begeistert davon wäre und sicher jedes Mal etwas neues finden würde!

    LG,
    Christiane

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