Kleiner Buchladen = Großer Buchladen?

Posted on November 5, 2008 by www.kirstenmarohn.de

Heute war ich in der Buchhandlung bei mir um die Ecke und habe dort mein Buch vorgestellt, in der Hoffnung, dass der Buchhändler eventuell Interesse zeigen könnte. Das Gespräch mit ihm hat mich zu dem Titel dieses Artikels inspiriert.  Ich war bisher dem irrigen Glauben erlegen, dass die Größe eines Geschäfts auch etwas über die Persönlichkeitsstruktur aussagt, will heißen, ist ein Geschäft besonders klein und der Inhaber steht selbst mit seiner Existenz auf dem Spiel, könnte man eine persönlichere Atmosphäre erwarten, als bei einem großen Discounter. Das war wohl ein Fehler.

Nachdem ich mein Buch vorgestellt und die Vorteile erläutert hatte – Lokalkolorit (in der Straße, in der die Geschichte des Buches spielt, liegt auch der Buchladen), der besondere Geschenktipp (die Geschichte spielt am Heiligabend, mit Schutzumschlag und Lesebändchen eine hübsche Geschenkidee), eine leicht verdauliche Lektüre für Leser jeden Alters, bei Bedarf gerne signiert etc. -, war die Reaktion, dass ein unbekannter Name kaum zu verkaufen sei. Das ist verständlich (ich hatte nicht erwartet, dass er mir das Buch aus der Hand reißt, meine Erwartung war generell eher gedämpft), also bot ich an, das Buch 3-4 Wochen kostenlos und unverbindlich zum Lesen dort zu lassen, damit der Buchhändler sich einen Einblick verschaffen könne, was er da verkauft. Ich bekam zur Antwort: “Den Inhalt weiß ich bei den meisten meiner Bücher nicht.”

Sicherlich ist mein Erlebnis nicht stellvertretend für alle Buchhandlungen. Sicherlich hat mich diese barsche Antwort auch persönlich getroffen, weil eine Buchablehnung immer ein wenig auch an der Substanz nagt. Mein Urteil entbehrt also einer gewissen Objektivität, aber gerade bei winzigen Buchhandlungen – man geht durch die Tür und hat irgendwie auch schon das Ende des Raums erreicht – sollte man meinen, dass sie bestrebt sind, um jeden Kunden zu kämpfen und ihrer Kundschaft etwas besonderes zu präsentieren, das sich von der Masse abhebt. Die große Thalia oder Mayersche Buchhandlung gibt mir kostenlose Lesezeichen und einen großen Katalog mit, ich kann mich da auf mehreren Etagen inspirieren lassen, die Kinder können mit den Plüschtieren toben und dabei kann ich noch einen Cappuccino trinken – was hat mir der kleine Shop around the corner zu bieten, wenn es ihm an erwähnter “Persönlichkeit” fehlt?  

Den nächsten Stephen King hat jede Buchhandlung, aber zur Weihnachtszeit mit einem Belletristik Buch im Schaufenster zu werben, das in der selben Straße und am Heiligabend spielt – die Chance hätte ich mir persönlich nicht entgehen lassen. Beim nächsten Einkauf also dann doch gleich zu Amazon?

Comments

  • Tanja Küsters on November 5th, 2008

    Zitat Kirsten:
    “Mein Urteil entbehrt also einer gewissen Objektivität, aber gerade bei winzigen Buchhandlungen – man geht durch die Tür und hat irgendwie auch schon das Ende des Raums erreicht – sollte man meinen, dass sie bestrebt sind, um jeden Kunden zu kämpfen und ihrer Kundschaft etwas besonderes zu präsentieren, das sich von der Masse abhebt.”

    Ich glaube, dass diesen kleinen Buchhandlungen das Risiko zu groß ist, auf den Büchern sitzen zu bleiben. Sie kämpfen um die Kunden, die die Bücher kaufen, die “gefragt” sind, Bestseller sind, etc. Sie können es sich nicht leisten Verluste einzufahren.
    Im Grunde ist es wie mit den Verlagen. Ein großer Verlag kann eher einen Flop wegstecken, als ein kleiner, folglich siebt der kleine anders aus – jetzt mal salopp gesagt, so zum verdeutlichen.

    Du musst wohl den umgekehrten Weg gehen. Dein Buch im Internet bekannt machen, in Foren, in Blogs, bei Diskussionen, auf deiner Website und und und. Und wenn du dann bekannter bist, wirst du auch Erfolg haben in diesen winzigen Buchhandlungen um die Ecke.

    Traurig aber wahr! Leider.

    Lass dich nicht entmutigen!

    LG Tanja

  • Lilly on November 6th, 2008

    Das ist einer der Gründe, warum ich kleine Buchhandlungen eher meide. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass dort eine besondere Atmosphäre herrscht.
    Es ist klein, die Verkäufer sind (wie du schon sagtest) nicht unbedingt Leseratten und bekommen tut man da auch nichts anderes, als in Filialen. Was soll man also dort?
    Bei Thalia bekommt man so viel geboten, dass man sich willkommen und gut behandelt fühlt – in kleinen Läden kann man nichtmal in Ruhe stöbern.

    Diese kleinen Eckläden, indem ein Büchernarr sich selbstständig gemacht hat, wo es nach frischem Kaffee duftet und man lange begeisterte Literaturgespräche führen kann, gibt es wohl nur im Film.

    Mach dir nix draus Kirsten. Noch ist nicht aller Tage Abend – du kannst es doch auch noch in anderen Läden versuchen, oder?

  • Kirsten Marohn on November 6th, 2008

    Danke, euch beiden, für’s Mut machen!
    Versuchen werde ich es auf jeden Fall weiterhin, ich denke (hoffe), dieser Buchhändler ist nur ein Einzelexemplar [ein aussterbendes, hoffentlich ;o)] Ein Risiko geht der Buchhändler übrigens nicht wirklich ein, Tanja, denn bei diesen Autor/Buchhandel Deals, bleibt der Buchladen nicht auf seinen Büchern sitzen. Es läuft als Kommissionsgeschäft. Verkauft sich das Buch nicht, holt man die Bücher nach einer gewissen Zeit wieder ab, ohne dass der Buchhändler einen müden Euro verliert. Das einzige, was benötigt wird, ist ein Quantum Interesse, um sich mit dem Inhalt des Buches zu beschäftigen und ein bisschen Platz für das Buch. Ist beides und die nötige Portion Idealismus, die man heutzutage als Inhaber eines kleinen Geschäftes braucht, um zu überleben, nicht vorhanden, ist das in meinen Augen wie beim Kuchen backen – fehlen dir Mehl und Eier, kann’s nichts werden.

  • [...] Kleine Buchhandlungen sind auch immer weniger bereit neue, andere Bücher zu präsentieren (an der Stelle hat Kirsten über eine Erfahrung berichtet), da sie um ihre Existenz [...]

  • Taklara on Dezember 9th, 2008

    Zitat:
    “Ein Risiko geht der Buchhändler übrigens nicht wirklich ein, Tanja, denn bei diesen Autor/Buchhandel Deals, bleibt der Buchladen nicht auf seinen Büchern sitzen. Es läuft als Kommissionsgeschäft. Verkauft sich das Buch nicht, holt man die Bücher nach einer gewissen Zeit wieder ab, ohne dass der Buchhändler einen müden Euro verliert.”
    Ja, aber bleibt doch auch die Frage, was der Buchhändler davon hätte, dein Buch dort auszulegen. Bei allen anderen Büchern, die er verkauft, verdient er. Wie hätte es bei deinem Buch ausgesehen?
    Denn wenn er bei dir nichts verdient, macht er natürlich mit jedem Kunden, der dein Buch kauft und nicht ein anderes, eben doch Verlust.
    Aber dass er den Inhalt der meisten Bücher, die er verkaufen will, nicht mal kennt, ist schon ein starkes Stück. Wie will er denn dann Empfehlungen aussprechen?

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