Schreibschule: der Konflikt

Posted on Juni 4, 2008 by Lilly

Bisher haben wir uns mit dem Plot und den Charakteren beschäftigt. Allein das macht aber noch keinen spannenden Roman aus. Egal wie originell und umfangreich die Handlung auch sein mag oder wie sorgfältig die Hauptfiguren ausgearbeitet worden sind; das alles würde nur langweilig dahinplätschern, wenn es eines nicht geben würde: Den Konflikt.

Wen interessiert es schon, dass Familie x in den Urlaub fährt, dort eine Menge erlebt und wirklich glücklich ist? Wer möchte wissen, wie der harmonische Alltag eines jungen Liebespaars aussieht?
Damit kann man seinen Leser vielleicht die ersten 5 Seiten unterhalten, aber dann möchte er sehen, dass etwas passiert, dass sich die Handlung entwickelt.

  • Der Schmelztiegel

Am einfachsten (und bei den einfachsten Möglichkeiten wollen für in den ersten Lektionen auch verbleiben) funktioniert das mit einem so genannten Schmelztiegel.
Der Protagonist ist abhängig vom Antagonisten oder andersrum- und deren jeweiligen Interessen verlaufen in entgegen gesetzte Richtungen.
Der Schmelztiegel verhindert, dass sich die Personen einfach voneinander lösen können, um sich unabhängig zu entwickeln. Er hält sie fest zusammen und sorgt somit dafür, dass man sich über kurz oder lang den Tatsachen stellen muss und einen Kampf führt, aus dem nur einer als Gewinner hervortreten kann.
Einfaches Beispiel: Der Ehemann träumt davon mit seiner Familie nach Spanien auszuwandern und dort ein neues Leben zu beginnen. Die Ehefrau möchte sich jedoch nicht von ihren Freunden in Deutschland trennen. Der Schmelztiegel in diesem Fall ist die Ehe, die beide fortführen wollen. Die Geschichte rund um diesen Konflikt und deren Auflösung mag vielleicht nicht die spannendste sein, aber sie hat durchaus mehr Pfeffer als eine normale Alltagsbeschreibung.

  • Keine zu großen Überraschungen

Das interessanteste an einem Konflikt ist zumeist der Höhepunkt- der Moment an welchem alles aufgelöst wird.


Richtig gute Filme oder Bücher halten für diesen Zeitpunkt oft eine Überraschung bereit- eine Wendung, mit dem der Leser nicht gerechnet hat.
Denken wir nur an Romeo und Julia: In dem Moment, in dem sie sich dazu entschlossen hat ihre familiären Bindungen aufzugeben und einem Happy End nichts mehr im Wege steht, müssen beide sterben.
Oder viele Horrorfilme: An der Stelle, an welchem der Spuk aufgelöst wird, wird man noch einmal überrascht, indem der Mörder die Person darstellt, mit welcher man niemals gerechnet hat.
Aber Vorsicht! Diese Überraschungen müssen trotz allem stimmig gestaltet sein und an einem roten Faden hängen. Niemand wird es euch abnehmen, dass die graue Maus von einem Tag auf den anderen zum Supervamp wird.
Natürlich kann ein Antiheld zum Helden werden, aber er muss eine Entwicklung durchlaufen haben. Die Konfrontation mit seinem Gegner muss gedanklich schon durchgespielt worden sein, er sollte sich schon an einem kleineren Hindernis versucht haben. Der Leser wird sich sonst gründlich vereimert fühlen und das Buch genervt zuklappen.
Natürlich ist jeder Roman Fiktion. Aber man sollte sich an das halten, was sich der Ottonormalverbraucher als möglich oder real vorstellen kann.

  • Wie anfangen?

Nehmt euch am besten eure beiden Hauptpersonen und versucht beide in einem Schmelztiegel zu stecken.
Sind es die besten Freundinnen? Der Polizist und der Kriminelle? Oder zwei konkurrierende Sportler?
In meinem Fall wird es die Mutter sein, welche die Gesellschaft darstellt- und Lindie, die dieser Gesellschaft nicht entfliehen kann und gleichermaßen, aufgrund von Geldmangel, auch nicht der Obhut ihrer Mutter.

  • So oder so rum?

In manchen Fällen ist es interessanter erst einen Plot zu gestalten und dann detaillierte Konflikte mit einzubauen. In anderen wiederum macht es mehr Sinn erst einen Konflikt auszuwählen, diesen zu zentralisieren und drum herum eine Geschichte zu gestalten.
Probiert aus, was euch leichter fällt! Wie gesagt, wirkliche Regeln gibt es nicht.

Auch interessant:

  1. Schreibschule: Vorüberlegungen
  2. Schreibschule: Die Charaktere

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