Archive for Mai, 2008

Braucht jemand das Buch?

Posted on 2008 05, 27 by Lilly

Es gibt sie noch – Menschen, die irgendjemandem eine Freude machen wollen und dafür nichts verlangen. Nicht einmal mehr Aufmerksamkeit, weil man sie überhaupt nicht kennt.
Kein Tausch. Kein Pflichtgeschenk. Eine ehrliche Gabe!

Ich möchte mich auf diesem Weg bei Jamal für John Irvings “Gottes Werk und Teufels Beitrag” bedanken.
Es ist schon das zweite Buch, was mir dieses Jahr vollkommen ohne Eigennutz und (fast) anonym geschenkt worden ist.
Schöne Sache!

Und um das Gleichgewicht im Universum wieder herzustellen, werde ich getreu dem Motto “enjoy the spirit of giving” auch weiterhin Ausschau nach Menschen halten, die Bücher gebrauchen können, die ich bereits gelesen und verinnerlicht habe.

Håkan Nesser – Mensch ohne Hund

Posted on 2008 05, 23 by Lilly

Keine Ahnung, was heute Nacht los war. Ich habe nicht ein Auge zugetan!

Bin gegen 1:00 ins Bett, um mich noch einigen Kapiteln von Håkan Nessers „Mensch ohne Hund“ zu widmen.
Aus einigen Kapiteln ist dann doch das ganze Buch geworden und ich weiß nicht recht, ob ich euphorisch oder enttäuscht sein soll.

Er schafft eine wirklich spannenden Grundlage- das Familientreffen, Reibungen durch das Verheimlichen von Homosexualität und dem Mastubieren im Fernsehen.
Jede Person bekommt genug Aufmerksamkeit und wird ausführlich beschrieben- und dabei fällt auf, dass jede Person ein größeres Paket mit sich herumschleppt. Ein Paket, was sie von den anderen abkapselt; einsam macht – einsam, wie ein Mensch ohne einen besten Freund nur sein kann.
Und wer ist der beste Freund des Menschen? Der Hund. Daher vermute ich den Titel. (wenngleich ein Manuskript im Buch auch dieses Titel getragen hat – aber dieses wurde nicht oft genug erwähnt, um einem ganzen Krimi seine entsprechende Note zu verleihen)

Der Schluss war dann aber … ich weiß nicht. Komisch. Leicht unlogisch.
(wer vor hat dieses Buch zu kaufen, ließt hier besser nicht weit- Spoiler!)

Der Onkel und der Neffe, beide verschwinden während dieser Feier.
Warum vernimmt die Polizei danach an die 200 Personen, wie es scheint eine ganze Stadt- aber nicht den jungen Mann, der am Ende den entscheidenden Tipp liefert: den Hotelportier?

Warum ist es für Kristina einfacher in der Gewalt ihres Mannes zu leben, zu Sex gezwungen zu werden und mit ihrer Schuld ein Leben als Sklavin zu führen, anstatt zur Polizei zu gehen?
Sicher, dann wäre herausgekommen, dass sie ein kurzes, verbotenes Spiel mit ihrem Neffen gespielt hat. Das wäre vielleicht eine Schande. Und ihre Schwester hätte es ihr wohl nie verziehen.
Aber 1.) hatte sie zur Schwester sowieso keinen guten Draht und 2.) ist es doch immer noch einfacher mit einer Schande zu leben, als zu wissen, dass ein Verwandter durch die Hand des eigenen Ehemannes getötet worden ist, während eine ganze Familie an Unwissenheit zerbricht.
Und nicht nur das. Sie wollte sich sogar eine zweite Schuld aufladen- indem sie plante ihren Mann in Thailand zu erstechen, um ihn dort irgendwo zu vergraben und dann die verzweifelte Touristin zu spielen.

Und dann dieses abrupte Ende. Was ist mit Kristoffer geschehen, der Kristinas Ehemann erschießen wollte, um seinen Bruder zu rächen?
Der Leser erfährt nur so viel, dass die Waffe nicht zündet und er einen lauten Schrei von sich gibt.
Später wird nur noch einmal kurz erwähnt, dass er am Tisch mit seinen Eltern sitzt und beschließt den Tod zu akzeptieren.
Wie kann es sein, dass der Leser die komplette Innenansicht der Person aufgetischt bekommt, ein vollkommenes psychologisches Protokoll- und am Ende nicht einmal erfährt, wie die besagte Nacht, die Nacht der Konfliktlösung, für ihn ausgeht?

Auch ob Kristina nun ins Gefängnis musste, erfährt niemand.
Es ist ein unbefriedigender Schluss.
Und er hat nicht dafür gesorgt, dass es mir noch möglich war meinen verdienten Schlaf in den frühen Morgenstunden zu finden.

Mein Fazit:
Die Charakterbeschreibung und die Symbolistik sind super. Z.B. als der Rabe (ich glaube es war ein Rabe) am Fenster saß und dem Inspektor all diese dunklen Gefühle vermittelte. Der kleine Bruder, der sich im Schatten des großen sieht. Sie kleine Schwester im Schatten der großen- der Bruder im Schatten von allen.
Das autistische Kleinkind, mit dem gruselig- leeren Blick.
Jeder ist allein.
Aber unter dem Aspekt eines Kriminalromans betrachtet, bin ich nicht überzeugt. Zu langatmig waren die Ermittlungen- immer wieder die gleichen Fragen bekam der Leser zu Gesicht- Fragen auf welche man teils schon alle Antworten erfahren hat.

Nun, ich gebe ihn aber nicht auf. Ich werde ein weiteres Buch lesen- vielleicht eines aus seiner alten Krimireihe, die sogar verfilmt worden ist.

Bitte senden sie uns ihr Manuskript

Posted on 2008 05, 15 by Lilly

Das meinte ein freundlich und gut gemeintes Schreiben der Frankfurter Verlagsgruppe heute zu mir.

[...] Die uns befreundete Cornelia Goethe Akademie hat uns darauf hingewiesen, dass Sie schreiben. Deshalb möchten wir Sie ansprechen.
Unser tradionsbewusstes Haus nimmt Manuskripte zur Prüfung an. Wenn Sie an eine Veröffentlichung denken – jetzt oder später -, senden Sie uns bitte Ihr Manuskript. Unser Lektorat wird Sie partnerschaftlich beraten. [...]

Mit dazu kamen unzählige Blätter und Prospekte- über Einträge in Schriftstellerlexikas, Auftritte im Literatur Fernsehen und ein Buch.
Klein und niedlich, Hardcover in grau-grünen Leinen gebunden mit goldener Inschrift. Wirklich hübsch anzusehen. Aber nutzlos. Nutzlos für mich.
Irgendwelche Aufzeichnungen über eine Gräfin von irgendwas in Westfalen. Langweilig geschrieben.
Nett gemeint- aber den Sinn habe ich nicht verstanden. Nicht in einem einzigen Schreiben wurde dieses Buch erwähnt. (Wenn also jemand Interesse daran hat- schreibt mich an: info@lillyberry.de)

Lächerlich das alles.
Ich weiß, dass ich irgendwann einen Verlag brauchen werde. Aber momentan könnte ich alle meine Kapitel zerreißen und auf ihnen herumhüpfen. Das letzte woran ich gerade in diesem Moment denke, ist eine Veröffentlichung.


Und selbst wenn es dann so weit ist. Verläge melden sich nicht bei Autoren. Nicht bei unbekannten. Es wirkt einfach unseriös.
Ich will mit nicht anmaßen, einen Literaturverlag, der den Namen August von Goethe trägt, zu kritisieren, aber es wird keinesfalls der richtige Verlag für mein Buch sein.

London, New York, Lesungen, TV-Auftritte – das ist mir alles so egal.
Ich möchte ein gutes Buch, ein wirklich spannendes und gutes Buch schreiben- eines, was für sich selbst spricht und keine der eingestaubten und längst überholten Insider-Publicity nötig hat.
Ich möchte etwas erreichen, etwas sagen, den einen oder anderen Menschen vielleicht berühren oder gut unterhalten.
Aber ich möchte nicht zu einer der Marionetten zwischen Verlagswelten, Lesungen und “klugscheißerischen” Kritiken in Magazinen (die sowieso kaum jemand ließt) werden.

Die Genialität provozieren

Posted on 2008 05, 14 by Lilly

Ich habe mir gerade mein erstes Kapitel durchgelesen.
Es ist furchtbar. Einfach grausam. Lächerlich.

Ich mag meine Gedanken. Und ich mag die Sprache, die ich benutze.
Aber es passt nicht zusammen. Jeder neue Satz wirkt wie eine eigene abgehackte Einheit, wie eine einzelne Note, die nicht mit der Gesamtmelodie harmoniert.
Es wirkt kindisch. Die Sprache ist zu einfach.

Aber Astrid Lindgren schreibt auch einfach? Einfach und wunderbar. Fließend, liebenswürdig und so unendlich einfühlsam und intelligent.
Warum kann ich das nicht? Was mache ich falsch? Wo muss ich ansetzen?

Talent … Talent, dieses sinnlose Geschwafel.
Ich will!
Sollte der Wille nicht mehr wert sein?

Abschiedslied

Posted on 2008 05, 09 by Lilly

“Wann sehen wir zwei uns wieder? Werde ich grau sein, Enkel haben und schmerzende Glieder?”
“Wenn die Sonne untergeht. In einer Zeit in der man mich versteht.”
“Dann wenn alle Kämpfe gewonnen und verloren sind?”
“Und die pure Leidenschaft aus mir rinnt.”
“DJ Ötzi die Massen zum Tanzen bringt?”
“Und vom Verfall aus lautester Kehle singt!”

»Tanz, tanz Anette, hab Spaß!
Wie eine kunterbunte Marionette
Tu’s wie Sylvia Plath- erstick an Gas!
Dein Kopf im Herd, mein Liebling?
Ist es das wert?
Frag ich mich und sing’
Von Trauer im warmen Regen
Vom Segen im eisigen Schauer
Von Dir, Ötzi und auch Claudia Roth
Genau genommen vom qualvollen Tod.«

“Wann sehen wir zwei uns wieder?”

“Still, sei still und knie nieder!
Ich hab keine Hoffnung, keinen Humor, kein Chic und auch kein Geld
Liebe nennst Du diese endlose Gier?
Es gibt kein du und ich, kein Wir.
Unter gehen wird sie, diese blinde Welt!”


« Older Entries