Archive for April, 2008

Schreibschule: Die Charaktere

Posted on 2008 04, 28 by Lilly

Ist der Plot erst einmal grob entwickelt, kann man dazu übergehen seinen Charakteren Leben einzuflößen.
Natürlich kann am auch erst eine Figur entwickeln und sich dann überlegen, was diese tun soll; das ist gleichgültig. Beim Schreiben gibt es keine festen Regeln. Eigentlich gibt es überhaupt keine. Ich zeige lediglich einen Weg, den man gehen könnte.

  • Der Protagonist

Es ist unerlässlich, dass ein Roman über interessante Charaktere verfügt. Der Plot kann noch so brilliant sein; wenn die Personen flach, stereotypisch und eintönig erscheinen, dann ist man nicht glaubhaft; dann hat der Leser keine Lust zu erfahren, was als nächstes passiert.


Ihr müsst also unbedingt darauf achten, dass die Hauptfigur viele Facetten hat und nicht abgekupfert ist. Wir brauchen keine zweite Pretty Woman – weil jeder die echte kennt und unsere Figur mit ihr vergleichen wird.
Wir brauchen auch nicht den x-ten Helden, der erst unscheinbar ist und dann eine brisante Entwicklung in Richtung Superman durchmacht. Das ist zwar spannend, aber meiner Meinung nach ausgelutscht. Das müsst ihr selbst entscheiden!
Wichtig ist, dass der Leser euren Protagonisten- also den Hauptcharakter – mag. Es muss nicht sein, dass er von Anfang bis Ende einen Publikumsliebling darstellt … aber zumindest in dem Augenblick, in dem der Leser auf der letzten Seite angekommen ist und das Buch zuklappt, muss er das Gefühl haben, dass er mit der Figur im Großen und Ganzen sympathisiert.
Schreibt ihr über eine fiese Zicke, die überall aneckt und am Ende dafür die gerechte Strafe bekommt, dann habt ihr zwar eine nette Moral mit eingebaut – das Buch wird aber kaum jemand für besonders gut halten, da sich nur wenige mit einer blöden Kuh identifizieren wollen.
Schafft keine Heiligen und keine Unmenschen, sondern seid vielfältig. Zeigt Abgründe einer Person und zeigt das Menschliche und Verletzliche – damit liegt man im Zweifelsfall nie verkehrt.

  • Beispielsweise

Ein gelungenes Beispiel für eine wirklich interessante Hauptfigur ist Kriminalpolizistin Jane Rizzoli in Tess Gerritsens „Die Chirurgin“. Sie ist weiblich und soll dem Leser sympathisch sein – dennoch wird sie als unattraktiv, unfreundlich, hart, störrisch und feministisch beschrieben.

Im Laufe des Romans erhält der Leser immer tiefere Einblicke in ihr Innenleben, man zeigt ihre Vergangenheit zwischen Brüdern in einer konservativen Familie, die sie nie als etwas Besonderes wahrgenommen hat, weil sie weiblich ist.
Es wird dargestellt, wie sie darunter leidet, dass ihre männlichen Kollegen sich ständig über sie lustig machen und sie mit dummen Sprüchen aufziehen. Und man erfährt, dass sie eifersüchtig ist auf Frauen, an denen alles stimmt – die jeden Mann beeindrucken können, während bei ihr nicht einmal Make-up hilft.
Zu guter letzt avonciert sie dann zur Heldin, indem sie den Täter findet. Jedoch keine typische Heldin, da sie kurz zuvor einen Kriminellen erschossen hat, obwohl dieser mit gehobenen Armen auf sie zukam. Der Leser schwankt also.
Mag ich die Person? Mag ich sie nicht? Er fragt sich warum Jane so ist wie sie ist; möchte wissen, was sie zu dieser Person gemacht hat – warum sie nicht perfekt ist.
Am Ende steht sie aber auf der Seite der Guten und der Leser kann gar nicht anders als das Buch zuklappen und denken „Naja, schon irgendwie ne ‚Taffe’ die Rizzoli.“

Ein schlechtes Beispiel für Hauptcharaktere sind die meisten Hollywoodstreifen. Auch hier gibt es Ausnahmen, wenn wir z.B. an den Film ‚Philadelphia’ oder ‚A beautiful mind’ denken. Meiner Meinung nach ist das aber nicht die Regel.
Man muss immer bedenken, dass in Filmen viele special effects verwendet werden, schnelle Szenenwechsel und dramatische Musik. Das steht einem für den Roman nicht zur Verfügung. Sind die Figuren also langweilig und kann man sich nicht mit Ihnen identifizieren, dann lässt sich das auch nicht mit einem flotten Song oder einer Augenkrebs- verursachenden Kampfszene vertuschen.

  • Der Antagonist

Im Gegensatz zum Protagonisten, kann der Antagonist – das ist eine entsprechende Kontrastperson, mit welcher der Hauptcharakter im Laufe des Buches in einen Konflikt geraten soll – aussehen, wie immer ihr ihn haben wollt.
Zwar gewinnt ein Buch an Tiefe, wenn ihr auch dieser Person einen mehrdimensionalen Charakter verleiht; die eigentliche Hauptaufgabe ist es aber nur jemanden zu schaffen, der nicht ist, wie die Hauptperson. Dessen eigenen Interessen dem des Protagonisten entgegenwirken.
Hier würde sich die fiese Zicke wirklich gut machen, die sich dem Ottonormalverbraucher ständig in den Weg stellt. (so was kennt man besonders gut aus Teenie- Komödien und Liebesschnulzen)

  • Und die anderen?

Die meisten Nebenfiguren können- und sollten sogar ganz eindimensional sein. Sie brauchen keinen Facettenreichtum. Das würde den Leser vom Wesentlichen ablenken.
Wen interessiert es schon, ob der Postbote eine schwere Kindheit hatte, wenn er im Buch wirklich nur die Post bringen soll?

Als Faustregel merken wir uns einfach: Je größer die Rolle im Buch, desto ausführlicher muss die Charakterbeschreibung (und natürlich auch die des Äußeren) erfolgen.
Soll ein Arzt einen anderen Zweck erfüllen, als nur medizinische Dienstleistungen zu erbringen- etwa sich mit dem Patienten anfreunden oder Polizisten bei der Ermittlungsarbeit helfen, dann möchte der Leser auch sicher etwas über die Figur erfahren.
Wird der Protagonist aber gerade operiert und im Wartezimmer sitzt seine verzweifelte Freundin, die ihn den nächsten Tag heiraten wollte, dann geht es nicht um den Arzt. Dann ist seine Aufgabe bestenfalls eine Sprechrolle á la: „Frau Schulz, die OP ist soweit gut verlaufen. Genaueres lässt sich noch nicht sagen. Warten wir die Nacht ab.“
An dieser Stelle möchte jeder wissen, wie es mit dem Pärchen weiter geht- wie sich die Frau fühlt; wie sie mit ihrer Verzweiflung umgehen wird. Dass der Arzt am Abend mit einer attraktiven Blondine verabredet ist, geht dem Leser wahrscheinlich am Popo vorbei.

Im Nebel

Posted on 2008 04, 24 by Lilly

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.


Voll von Freunden war mir die Welt
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

Hermann Hesse

Hörbuch

Posted on 2008 04, 23 by Lilly

© und danke an: http://tserafouin.ch/tunes-of-air/

“Dying is an art like everything else”

Posted on 2008 04, 20 by Lilly

Sterben ist eine Kunst, wie alles.
Ich kann es besonders schön.
Ich kann es so, dass es die Hölle ist, es zu sehn.
Ich kann es so, dass man wirklich fühlt, es ist echt.
(Sylvia Plath – Quelle)


 
 

Ich komme nicht voran

Posted on 2008 04, 19 by Lilly

… mit meinem Roman. Das heißt- viele Ideen habe ich ja. Einige Kapitel sind auch schon geschrieben.

Der Protagonist ist fertig entwickelt: Lindie, das wisst ihr ja.
Ursprünglich sollte sie in meiner Geschichte eine fertig absolvierte „English literature“- Studentin sein. Aber je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto weniger gefiel mir die Idee.
Natürlich, Studenten sind kreativ, sie sind intelligent, weltoffen und zumeist auch etwas verschroben. Aber ich habe eine persönliche Aversion gegen sie.
Warum, wo ich doch selbst studiere?



Ich kann es nicht erklären. Da ist etwas, irgendein Klischee womöglich, das mit Übermut, Arroganz, verschleudertem Party-Dasein und öden Stereotypen verbunden ist.
Meine Lindie soll aber etwas Besonderes sein – sie soll der wahren Lindie das Wasser reichen können … und ich weiß nicht, ob ich einer Studentin in Deutschland diesen Charakter verpassen könnte.
Meine zweite Idee war Buchhändlerin oder Bibliothekarin. Aber das halte ich dann auch für einfallslos. Ein poetisches Buch, das unter anderem die Liebe zu Büchern aufgreift und als Hauptcharakter dann jemanden hat, der im Buchgeschäft tätig ist?
Nein, nein.
Nun, letztendlich habe ich mich für den Beruf der Floristin entschieden. Der ist so herrlich simpel, bescheiden und doch so wunderschön. Ein wahrer Traumjob, mit dessen Hilfe sich viele sinnliche Metaphern finden lassen und der einen perfekten Kontrast zur schnellebigen, kapitalistischen Welt darstellt.
Als Antagonist agiert ihre Mutter. Ich denke ich werde sie Charlotte nennen.
Charlotte führt irgendwo ein Hotel und ist sehr ehrgeizig. So genau habe ich mir das noch nicht überlegt- aber auf jeden Fall soll sie Lindies Gegenspieler werden; jemand der sie versucht anzutreiben um sie mit aller Macht in diese Welt hineinzupressen; eine Welt die Lindie zu fremd und zu grausam zum Leben erscheint.
Dann gibt es den jungen Burschen Tom, der sich in den Kopf gesetzt hat Medizin zu studieren- und in einem Kino jobbt, während er auf seine Zulassung wartet.
Irgendwie muss ich ihn dann mit Lindie zusammenführen? Nur wie?
Luise soll das weltliche, moderne weibliche Wesen in diesem Roman darstellen. Also die Person, die umgangssprachlich wirklich „in die Welt passt“ und von allen gemocht wird. Über ihre Rolle bin ich mir aber auch noch nicht im Klaren.
Und zum Schluss gibt es noch einen Hahn- der Haushahn von Lindie; Herr Lilienstengel ist sein Name. (ja, von Astrid Lindgren abgekupfert)
Er hat eine introspektive Sicht, kennt die Gedanken von Lindie und spielt den Vermittler zwischen dem Leser und ihr. Er stellt also einen objektiven Part dar und erklärt ihre Gedanken als ganzes.

Wo ist jetzt das Problem?
Ja, ich brauche einen entscheidenden Konflikt. Ich möchte nicht, dass die Geschichte voranplätschert wie das Wasser eines kleinen Nebenflusses. Ich brauche irgendein Potential, irgendein verstricktes Geheimnis mit dem alle Handlungen verknüpft sind, um einen berauschenden Höhepunkt entwickeln zu können.
Arrrgh!
Schwierig das Ganze. Und ohne Idee schreibt es sich auch nicht gerade produktiv. So einfach ins Leere hinein? Das macht keinen Spaß.

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